Insekten 451
nichfaltigster Bildung sind; das Schmecken theils durch besondere Werkzeuge, z. B. dieZunge, theils durch die Schleimhaut, welche die Mundhöhle oder die Säugrüssel ausklei-det; das Riechen durch die inncrn Membranen der Athmungsöffnungen. Am erkennbar-sten sind die Augen, die bisweilen von einfachen Nebcnaugen umgeben, entweder selbst ein-fach sind, oder als zusammengesetzte äußerlich eine Menge von Facetten gewahren lassen,B. an der Stubenfliege 4»«>», an Stachelspringkäfern 25»»0. Daß die Sinne der In-sekten übrigens sehr scharf sein müssen, lehrt die tägliche Erfahrung; z. B. die Schnellig-keit, mit welcher viele einem Schlage ausweichcn, ihr rasches Aufspüren angemessener Nah-umg, ihre Vermeidung vergifteter Lockspeisen und Ähnliches. Ihre Bewegungensind nichtallein kräftig und sehr ausdauernd, sondern geschehen oft, namentlich jene des Fliegens, mitreißender Schnelligkeit, indem die Muskeln der Insekten nicht allein sehr zahlreich, sondernmeist auch unter den günstigsten Bedingungen angcheftet sind. Jeder organische Stoffwird von den Insekten zur Nahrung benutzt, indeß ist jede Gruppe von ihnen auf irgendein bestimmtes Nahrungsmittel angewiesen; so gibt es Käfer, die nur thierische Stoffe ver-zehre», andere, die nur an pflanzliche sich halten; unter den letzter» genießen manche nurSamen, andere nur Blätter; ganze Ordnungen, wie Schmetterlinge, nähren sich alleinvon Pflanzensäfte», oder sind allein Naubthiere, wie die Libellen. Da nun die Nahrungentweder flüssig oder fest sein und dann Zerkleinerung erheischen kann, so ergibt sich an denMundwerkzeugen ein wichtiger Unterschied, den» sie sind entweder zum Beißen oder zumSaugen eingerichtet. In einer Ordnung, den Aderflüglern, finden sich beide nebeneinandervor. Jene Werkzeuge ändern sich in ihrem Baue, je nachBcschaffenheit der angewiesenen Nah-rung, sind oft sehr zusammengesetzt und daher wichtig für Zwecke systematischer Einthei-limg. An den beißenden beobachtet man eine seitliche oder vcrticale Stellung im Gegensatzder horizontalen Kinnladen aller Wirbelthiere; an den saugenden verschmelzen diese Theilez» rüffelartigen Gebilden. Die Verdauungswerkzeuge sind zwar merklich verschieden vondenjenigen höherer Thicre, allein keineswegs von sehr einfachem Baue ; die Verdauung selbstgeschieht nach denselben Gesetzen wie in den höher» Thierclaffen. Das Blut der Kerfe istfarblos und kalt und läuft nicht in Gefäßen um, obgleich eine Art von Herz, das sogenannteRückengefäß, dasselbe in Bewegung setzt. Die Athmungsorgane bestehen in vielästigen,de» Körper durchziehenden Kanälen oder Luftgefäßen, die an den Seiten des Hinterleibesdurch eine Reihe von Löchern oder Stigmen ausmünden, niemals in Lungen; bei dem un-ausgebildeten Insekt, der Larve, bisweilen in Kiemen, wenn ihm anders das Wasser zumAufenthaltsort angewiesen ist. Eine eigentliche Stimme kommt keinem Insekt zu, denndie vielfachen, oft sehr lauten Töne desselben gehen nie aus den Luftwegen desselben hervor,sondern entstehen durch andere, oft sehr künstliche Organe in Folge von Reibung oder ra-schem Erzitternlassen. Die Geschlechter sind in jedem normal gebildeten Insekt gesondertund es gehören daher stets zwei sexuell verschiedene Individuen zur Fortpflanzung, die mitwenigen Ausnahmen durch Eierlegen geschieht. Ihre Fruchtbarkeit ist unglaublich großund wird bei vielen vermehrt durch bald eintretende Zeugungsfähigkeit der Jungen. Manhat nachgerechnet, daß ein Paar Schmeißfliegen am Ende eines fünfmonatlichen Sommerseine Nachkommenschaft von 50» Mill. haben kann; das merkwürdigste Beispiel liefern indieser Beziehung die Blattläuse, wo aus einem Individuum, welches noch Eier legt, wennbereits die neunte Generation seiner Nachkommen vorhanden ist, in der fünften Generationschon 59»4 Mill. Nachkommen entsprossen sind. Eigenthümlich ist dieser Thicrclassc, na-mentlich den Bienen und Ameisen, das Vorkommen ansehnlicher Mengen geschlechtsloserIndividuen, die eigentlich verkümmerte Weibchen sind, und in dem wohleingerichtetenStaate die Pflege und Erziehung der Jungen, und manche andere häusliche Arbeit besor-gen. Die Mehrzahl der Insekten hat eine Reihe von körperlichen Umänderungen oder Me-tamorphosen zu durchlaufen, ehe sic als vollkommen ausgcbildete in die Periode ihres Le-bens gelangen, wo sie eine erneute Verwandlung nicht mehr erfahren und allein zeugungs-sähig sind. Es können diese Verwandlungen mehr oder weniger allgemein sein, und daherbat man in der Wissenschaft die Zwischenstufen festgesetzt, welche einer jeden Gruppe von-inseklen unabänderlich zukonnncn. Das bekannteste Beispiel vollkommener Verwandlungbietet der Schmetterling; aus seinem Ei entwickelt sich die Raupe oder Larve, deren Ec-
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