Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
448
Einzelbild herunterladen
 

448

Inquisition

pflichtet, Übertretungen ihm anzuzeigen. Da sich indeß seit dem 12. Jahrh. die Abtrünni-gen der Kirche trotz des Kirchenbannes mehrten, so sahen die Päpste sich veranlaßt, Legatenauszusenden, die mit Hülfe der weltlichen Obrigkeit die Ketzer aufspüren und bestrafen soll-ten. Im südlichen Frankreich aber konnten sie selbst durch einen Kreuzzug im J. >209 nichtgänzlich ausgerottet werden. Daher ordnete Gregor IX. die Inquisition an als ein bleiben-des Gericht, und bestimmte auf der Synode zu Toulouse imJ. 1229, daß alle Landes- undGutsherren, Bischöfe und Richter zur Ketzerverfolgung, alle Einwohner zur unbedingtenUnterstützung verpflichtet sein sollten. Die Namen der Angeber und Zeugen wurden ver-schwiegen; schon Verwandtschaft und Verkehr mit Verdächtigen oder Fürsprache verwickel-ten in Untersuchung. Die Schuldigen wurden lebenslänglich eingespcrrt und Niemandem,auch nicht dem Arzte im Falle tödtlicher Krankheit, der Zutritt zu ihnen gestattet. Ihr Ei-genthum wurde unter die Ankläger und die Behörden vertheilt, ihre Wohnungen wurdenzerstört, Kinder und Enkel waren bürgerlich ehrlos. Selbst aufrichtig Reuige wurden inunverdächtige Gegenden versetzt, erhielten besondere Tracht, und waren bis auf päpstlicheDispensation aller öffentlichen Rechte verlustig. Im I. 1232 kam die Inquisition in,dieHände der Dominicaner, welche sich ihrer bald ausschließend bemächtigten. Ludwig IX.von Frankreich nahm sich der Inquisition zuerst an, und bald folgten ihm hierin auch derKaiser Friedrich II. und Raymund VII. von Toulouse. Volksaufstände im südlichen Frank-reich vermochten nichts gegen sie; nur in Deutschland wollte sie nicht gedeihen, da Volk undBischöfe ihr entgegen waren, wo indeß die Hexenproceffe desto reichlichern Ersatz gewähr-ten. Bald kam sie auch in den Niederlanden, in Italien und Aragon zum Vorschein; inVenedig unterlag sie indeß der strengsten Aufsicht der Staatsgewalt. In Spanien erkann-ten Ferdinand von Aragon und Jsabella von Castilien in ihr ein Mittel, die Gewalt desLehenadels wie des Klerus zu brechen und die königliche Macht der Unumschränktheit ent-gegenzuführen. Schon 1391 und 1392 s atte hier ein fanatischer Mönch, Fernan Marti-ne; Nunez, die Volkswuth gegen die Juden erregt, welcher zu entgehen sich viele taufen lie-ßen. Den ersten Versuch, die Inquisition wirklich einzuführen, machte >377 der CardinalPedro Gonzalez de Mendoza, indem er viele Bewohner Sevillas jüd. Abkunft, auf Grundder Verdächtigung, daß sie heimlich nach ihrer Väter Gesetzen und Sitten lebten, insgeheimwie öffentlich bestrafen ließ. Sodann legte derselbe der Regierung den Entwurf zu einembeständigen Glaubensgericht und einer geistlichen Policei vor, der Ferdinand und Jsabellawohlgcfiel, und auf Mendoza's Betrieb auf dem Reichstage zu Toledo im I. 1189, trotzdes Widerspruchs vieler Reichsstände, auch angenommen wurde. Schon im nächsten Jahrehatte nun die Eröffnung der Generalinquisition zu Sevilla statt, die bald nachher das ersteAuto da F e (s. d.) hielt, wobei sieben Personen lebendig verbrannt wurden. Über >799«Personen gaben sich, nach span. Geschichtschreibern, selbst der Inquisition an; über 2Mwurden in den ersten Jahren zum Scheiterhaufen verurtheilt, noch weit mehr flüchteten mdie Nachbarländer. Der erste Generalinquisitor war der Dominicanerprior zu Segovia,Thom. de Torquemada, der 1-198 starb und in dem von ihm gestifteten Kloster zu Avila be-graben wurde. Er hatte 290 Jnquisitionsdiener und eine Schutzwache von 50 Reitern.Der Papst Sixtus IV. widersctzte sich zwar anfangs dieser span. Inquisition und federteTorquemada nach Nom, gab aber, da dieser nicht erschien, sondern einen Vertheidiger len-dete, 1183 nach/bestätigte Torquemada als Glaubensrichter über Castilien und Leon, ver-lieh ihm die Macht, die bisherigen Glaubensrichter abzusetzen und nach Gutdünken neuezu bestellen, und unterwarf ihm auch Aragon, Valencia und Sicilien. In den verschiede-nen Landschaften wurden Jnquisitionsgerichte gestiftet, die allein unter dem Generalinqui-sitor standen. Niemand konnte sich der Inquisition entziehen; sie richtete auch über dieGe-danken, deutete Worte und Handlungen nach Belieben, und jede Angabe reichte zur Ver-dummung hin. Auch reuige Ketzer, wenngleich begnadigt, waren ehrlos und durften kemöffentliches Amt verwalten, nicht Pächter, Sachwalter, Arzte, Apotheker, Specereihändlersein, weder Gold, Silber und Edelsteine tragen, noch reiten und Waffen führen. Auch dulängst Gestorbenen verurtheiltc man und scharrte ihre Gebeine aus der Erde, um ihre Gu-ter der königlichen Kammer zuzuwenden. Selbst die Vornehmsten wurden um ihrer Si-cherheit willen Aufseher und Häscher der Inquisition, Familiäres genannt, deren man in