Inschriftenkunde Inquisition 447
Mid Vorarlberg" herausgcben. Auch bestehen in I. eine Musterhauptschule, ein Gymna-sium, die theresianische Ritterakademie, ein Damenstift, ein landwirthschastlicher und ein'> Misikvcrein u. s. w. Die innere alte Stadt ist Wink lig und unregelmäßig und zum Theilschon in ital. Geschmacke erbaut, schöner und großartiger nehmen sich die Neustadt und die> Vorstädte aus. Die Franciscaner- oder Hofkirche enthält außer der sogenannten silbernenKapelle, von ihrem silbernen Bilde der heil. Jungfrau und den sehr massiven, aus Silber! getriebenen Darstellungen der Lauretanischcn Litanei so genannt, das berühmte Grabdenk-mal Kaiser Maximilian's l., der jedoch nicht hier begraben liegt, bestehend in einem Mar-morsarkophag mit des Kaisers ehernem Standbilde und 24 Basreliefs von Alex. Colin^ aus Mecheln. Um dasselbe stehen 28 kolossale Erzstatuen der Verwandten und Ahnen desKaisers, von den Tirolern Godel, Löffler und Lendensireich gearbeitet. Auch das Grabmaldes Erzherzogs Ferdinand II. und der schönen Philippine Welser, von Alex. Colin, sowiedas Grab Andr. Hofer's und dessen Standbild, von Schalter, befinden sich hier. Vor derBurg auf dem schönen Rennplätze steht die bronzene Neiterstatue des Erzherzogs Leo-pold V., von dem trrol. Bildhauer Kasp. Gras und dem Rothgießer Heinr. Neinhart.Ein Gebäude auf dem geräumigen Stadtplatz, das früher die Residenz der tirol. Grafen,j jetzt ein Prisathaus ist, trägt das berühmte goldene Dach, von Friedrich IV. mit der leerenTasche für 2VV00V Dukaten errichtet. Am Ende der neustädter Straße steht eine Triumph-pforte, welche bei Gelegenheit der hier gehaltenen Vermählung des Großherzogs Leopoldvon Toscana mit der Infantin Marie Luise errichtet wurde. I. hieß früher Oenipautium,d.i. Übergang über den Inn, und wurde 1234 von dem Herzog Otto I. von Meran zurStadt erhoben. Nach der Besitznahme Tirols durch Ostreich war es eine Zeit lang Sitzder östr. Herzoge. In dem Aufstandskriege der Tiroler gegen die Baiern und Franzosenwurde es mehrmals von beiden Parteien genommen und wieder verloren, wodurch es viellitt. Zn der Nähe liegt das berühmte Lustschloß Ambras (s. d.). Vgl. Zoller, „Geschichteund Denkwürdigkeiten der Stadt I." (2. Aust-, Jnnsbr. 1828) und „Historisch-topogra-phisch-statistisches Gemälde J.'s" (Jnnsbr. 183S).
Inschriftenkunde oder Epigraphik, s. Epigraphe.
Innung, s. Zünfte.
Ino, die Tochter des Kadmus und der Harmonia, und die zweite Gattin des Ath a-mas (s. d.), lenkte den Zorn der Juno dadurch auf sich und ihren Gemahl, daß sie den jun-gen Bacchus erzogen. Noch mehr reizte sie die Göttin, als sie, um ihre eigenen Kinder zubegünstigen, ihre Stiefkinder, Phrixus und Helle, ermorden lassen wollte, die indeß durcheine Erscheinung ihrer rechten Mutter, Nephele, im Traume gewarnt, sich durch die Fluchtretteten. Als Athamas, durch die Juno rasend gemacht, seinen ältesten mit der I. erzeug-ten Sohne Learchus an einem Felsen zerschmetterte, floh die Mutter mit ihrem jüngstenSohne Mclikertes und stürzte sich mit ihm von der Klippe Moluris in Megaris ins Meer.Des Sohnes Leichnam wurde von einem Delphin ans Ufer getragen, wo ihn der KönigSisyphus begraben ließ und ihm zu Ehren die Jsthmischen Spiele (s.d.) anstellte,nachdem auf Bitten der Venus die I., welche nachher unter dem Namen Leukothea verehrtwurde, und Mclikertes unter die Meergökter verseht waren. Nach einer andern Erzählungsoll der Körper des Melikertes anfangs unbegraben gelegen und eine fürchterliche Pest ver-i ursacht haben, worauf das Orakel befohlen habe, ihn feierlich zu beerdigen und ihm zuEhren Spiele anzustellen. Auch übrigens noch wird der Mythus von der I. sehr verschie-den erzählt, was seinen Grund darin hat, daß derselbe sich ganz besonders zu poetischen Be-arbeitungen eignete. So hatte Äschylus einen „Athamas", Sophokles eine „Ino" undeinen „Athamas", Euripides einen „Phrixus" und eine „Ino", auch Achäus einen „Phri-lus" gedichtet; doch sind von allen diesen Bearbeitungen nur noch Bruchstücke übrig.
Inoeulatron, s. Kuhpockenimpfung und Pfropfen.
Inquisst, s. Jnculpat.
. Inquisition hieß das Glaubens- oder Ketzergericht, welches als ein Act der röm.Kirchenzucht in den Sendgerichten oder Kirchenvisitationen der Bischöfe feinen Ursprunghat. (S. Send.) Jeder Bischof mußte nämlich jährlich wenigstens einmal seine Diöcesbereisen, um Gesetz und Recht der Kirche zu überwachen, und die Ortsvorstände waren ver-