Influenza Infusorien 439
und noch viele andere Erscheinungen beweisen, daß Lichtstrahlen, die an den Kanten einesKörpers Vorbeigehen oder durch sehr kleine Öffnungen geleitet werden, eine Ablenkung vonder gradlinigen Bahn erleiden und dabei in farbige Büschel zerlegt werden. Man nenntdiese Modifikation des Lichts, welche zuerst im 17. Jahrh. von Erimaldi bemerkt und vonihm Disfraction genannt wurde, jetzt gewöhnlicher Jnflexion oder auch Beugung desLichts. Sie ist von Newton, Flaubergues, Bist, Fresnel, Young und Fraunhofer, in derneuesten Zeit von Schwerd genauer erforscht worden. Viele sehr gewöhnliche Erscheinun-gen beruhen hierauf, z. B. die Farbenbilder, die wir an dünnen cylindrischen Körpern, wieSpinnfäden und Haaren, wahrnehmen. Zur Beobachtung dieser Erscheinungen bedientman sich derZnflexioskope. Das bequemste Jnflexioskop erfand Mayer; doch weitreiner lassen sich diese Phänomene nach Fraunhofer's Methode wahrnehmen, der einenLichtbüschel durch eine schmale, aber hohe Öffnung in ein verfinstertes Zimmer leitete, dannin den Weg der Strahlen ein achromatisches Fernrohr so stellte, daß man durch dasselbedie genannte Öffnung deutlich sehen konnte, und hierauf vor das Objectivglas des Fern-rohrs einen Schirm mit einer sehr schmalen Öffnung oder mit sehr feinem Draht setzte.Influenza, s. Grippe.
Jnful (mtiila oder auch vitts) hieß bei den Römern die weißwollene Stirnbinde,mit der Priester, Vestalinnen und Opfernde das Haupt turbanartig umwanden. Anfangsein Zeichen der Demuth, wurde die Jnful nachmals zum Zeichen der Heiligkeit und Un-verletzlichkeit. Opferthiere, Kirchen und Altäre wurden nun mit ihr behängen, und auch dieBittenden (supplices) und die Friedensgesandten legten sie an. In späterer Zeit diente sieden kaiserlichen Statthaltern zur Bezeichnung ihrer Würde. Von den heidnischen Priesternging sie im karolingischen Zeitalter auf die christlichen Bischöfe über und erhielt nun für ge-wöhnlich den Namen der Bischofsmütze (mitru). Eine solche besteht aus zwei flachen,hohen, oben spitzzulaufenden Deckeln von Blech oder Pappe, die mit seidenem Zeuch, vonder Grundfarbe des Meßgewandes überzogen, meist reich gestickt und häufig mit Gold undEdelsteinen besetzt sind. Die nach vorn zustehende Seite ist mit dem Kreuze geziert, gleichden hinten herabhängenden zwei Bändern, die noch an die röm. Jnful erinnern. Die Bi-schofsmütze ist bei den Amtsverrichtungen die cigenthümlichc Kopfbedeckung aller Bischöfe,einschließlich des Papstes, der zugleich das Recht hat, auch Äbte und Pröpste zu infuliren,d. h. ihnen das Tragen einer Bischofsmütze ausnahmsweise zu gestatten. Auch wird dieBischofsmütze von Denen, die zum Tragen derselben berechtigt sind, im Wappen geführt.
Infusion oder Aufguß nennt man sowol die Bereitungsart gewisser Arzneien,welche darin besteht, daß man feste Stoffe mit Flüssigkeiten übergießt, um die wirksamenTheile aus ihnen herauszuziehen, als die auf diese Art dargestellte Arznei selbst. DiesemProcesse werden viele vegetabilische und einige animalische Stoffe unterworfen, währendman von Flüssigkeiten, wie Wasser, Wein, Weingeist, Branntwein, Essig, Öle u. s. w.,auch zuweilen das Deco et (s. d.) einer andern Arzneisubstanz benutzt. Da man beiderInfusion stets solche arzneiliche Theile auszuziehen beabsichtigt, welche entweder der Siede-hitze zum Ausziehen nicht bedürfen, oder welche sich in derselben zersetzen oder durch dieselbeverfliegen würden, so muß auch rücksichtlich dieser Umstände die Temperatur der zu gebrau-chenden Flüssigkeit eine sehr verschiedene sein.
Infusorien oder Jnfusionsthierchen, d. i. Aufgußthierchen, nennt man derWortbedeutung nach jene nur mittels des Mikroskops unterscheidbaren, dem unbewaffnetenAuge meist unsichtbaren Geschöpfe, die sich in wässerigen Aufgüssen auf thierische oderPflanzliche Körper erzeugen. Sie wurden kurz nach Erfindung des Mikroskops und zwarschon um 1660 von Leuwenhoek entdeckt, indessen fällt ihre genaue Kenntniß erst in dieneueste Zeit; aufO. F. Müller (1776), der bereits an 400 Arten aufzählte, folgte eineMenge von Beobachtern, unter welchen C. G. Ehrenberg (s. d.) durch den Umfang seinerEntdeckungen und die Tiefe seiner Untersuchungen zum Begründer der gegenwärtigen Jnfu-sorienkunde geworden ist. Der Aufenthalt dieser Geschöpfe ist stets im Wasser oder dochim Feuchten, nie im Thau; man findet sie in jeder Art von Gewässern, in den Flüssigkei-ten der Pflanzen und Thiere, im Schleim, Eiter, der Samenflüssigkeit der Thiere, imTorfmoore u. s. w. Sie sind die kleinsten aller Thiere, haben eine mittlere Größe von