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7 (1846) Heim bis Juwelen
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434
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454 Industrie- oder Arbeitsschulen l

pitalzuschuß, ein Vorschuß, welchen die Consumenten den Prodnccnten zahlen. Es ist eintleere Furcht, wenn man glaubt, daß dadurch der industrielle Fortschritt gehemmt und ohnereellen Vortheil für die Industrie nur die Faulheit der Producenten auf Kosten der Con-sumenten begünstigt werde. Dazu läßt es die innere Konkurrenz gar nicht kommen, abge-sehen davon, daß die Verwaltung dadurch, daß sie die Zölle nach den Preisen, zu welchendie Maaren im Jnlande geliefert werden können, regulirt, Dem Vorbeugen kann. Endlichist zu bedenken, wenn man von Benachtheiligung der Consumenten den Producenten ge-genüber spricht, daß gerade die Hauptmasse der Consumenten von der arbeitenden Gassegebildet wird, daß es sich also gerade hier um Beförderung des Wohls nicht blos einzelnerFabrikanten, sondern eines Haupttheils der cvnsumirenden Masse handelt. Ein Systemvöllig freier Entwickelung aller Industrie und alles Handels ist überhaupt nur bei völligerReciprocität denkbar; halbe Maßregeln aber, d. h. Zölle, welche dem angedeuteten Zwecke snicht genügen, füllen nur die Zollkasscn, ohne dem Lande bleibenden Nutzen zu gewähren.

Wenn man ferner vielfache Klagen darüber hört, daß gegenwärtig die industrielleRichtung alle andern überwiege, daß über der Sorge für das Materielle aller Sinn fürHöheres verloren gehe und daß namentlich die Industrie die öffentliche Moral untergrabe,zur Aristokratie des Geldes und zum Sklaventhum und zu moralischer Erniedrigung derArbeiter führe, so ist darauf zuerst zu antworten, daß dergleichen historische Entwickelungen §in keiner Weise zu hindern, ja als Resultate eines inner« nothwendigen Zusammenhangs ^aller Erscheinungen trotz mannichfacher Auswüchse nicht einmal zu beklagen sind; zweitensaber ist die Klage über moralische Erniedrigung und Pauperismus (s. d.) der Arbeiter, ^so begründet sie sein mag, keineswegs eine solche, welche die Industrie an sich trifft, oderwelche durch Beseitigung aller Industrie erledigt werden könnte; sie trifft vielmehr nur ein-zelne verwerfliche Methoden des Betriebs (s. Fabrikwesen) und die Hindernisse, welcheman der vollen Entwickelung der Industrie, d. h. der ausreichenden Beschäftigung der Ar-beiter entgegenstellt oder hinwegzuräumen versäumt hat. Nur wo wirkliche Überproductiensiattfindet, d. h. wo außer dem inländischen Bedarfe mehr fabricirt wird, als die Vorhände- )nen Abzugsquellen abzusetzen erlauben, kann von Besorgnissen die Rede sein, nicht aber !da, wo, wie in Deutschland, beiweitem der innere Consum noch nicht gedeckt ist. Diesesweist deutlich darauf hin, daß nicht in der Ausfuhr nach außen, welche von Umständen ab-hängt und sich in dem Maße mindern muß, als die Industrie auswärts vorschreitet, son-dern im inner« Consum die Hauptstütze jeder Industrie zu suchen ist. Selbst England con-sumirt den größten Theil seiner Fabrikate selbst; für seine Überproduction aber ist es be-müht, statt der europ. Märkte, die sich ihm allmälig verschließen, andere sich zu sichern, dieihm durch Entwickelung einheimischer Industrie nicht so bald verloren gehen können.

Industrie- oder Arbeitsschulen sind bestimmt, die Jugend schon in den frühestenJahren zu nützlichen Beschäftigungen anzuhalten und durch die Gewöhnung an Fleiß undArbeitsamkeit der Neigung zum Müßiggänge und zur Bettelei entgegenzuwirken. DasWesentliche der Volksbildung zur Industrie besteht darin, die Jugend auf dem Lande imSommer mit Gartenbau, Obst- und Baumzucht, sowie auf dem Felde, im Winter mitFlachs- und Baumwollspinnerei, in den Städten aber die Kinder der Armen in Spinn-schulen u. s. w. zu beschäftigen. Das erste aller Bedingnisse einer Industrieschule ist, daßder Unterricht unentgeltlich ertheilt werde, und dann, daß der Ertrag der gelieferten Arbei- sten den Kindern ohne Abzug zu Gute gehe. Zu ihrer zweckmäßigen Einrichtung gehört,daß die Art der Industrie der künftigen Bestimmung der Jugend, sowie ihrem Geschleckte,Alter, ihren Geistesfähigkeiten und körperlichen Kräften angemessen sei; daß die gefertigtenArbeiten möglichst schnell einen reellen Werth an sich haben und daß deren Nützlichkeitnicht finanzwäßig berechnet werde; daß die gut gearbeiteten Sachen, zur Anregung desErwerbgeistcs, etwas höher bezahlt werden; daß der Unterricht auch bei den Erwachsenenfortgesetzt und aller pedantische Zwang hinsichtlich der Disciplin möglichst vermieden werde.Die erste deutsche Industrieschule wurde von dem Propste von Schulstein 1777 zu Pragerrichtet und fand in Böhmen sehr bald Nachahmung. Auch in Wien und andern östr-Städten, in Hamburg, in der Stadt und in dem Fürstenthum Würzburg fanden die In-dustrieschulen schon seit I78V Eingang und Pflege. Demnächst wurden solche in Mecklen-