Indische Sprachen 427
iellung und Form. Übrigens ist die politische Eintheilung der ind. Bevölkerung in Prie-jer, Krieger, Gewerbsleutc und Diener, und in eine große Anzahl Unterstände, mit denreligiösen Mythen enge verknüpft und durch dieselben geheiligt. 3) Der Buddhismusoder die Lehre des Buddh a (s. d.). 4) Die Religion der Dschinitcn oder der An-hänger des Dschina, die eine Abzweigung des Buddhismus zu sein scheint. Etwa im 5.
! Jahrh. n. Ehr. entstanden, scheint sie vom 8.—11. Jahrh. im südlichen Indien weitver-breitet gewesen zu sein, wo noch gegenwärtig ihr Hauptsih ist. Prachtvolle alte Marmor-tempel der Dschinitcn findet man besonders in der Provinz Guzurate und den Staaten derRadschputs. Sie nehmen die ind.Göttcrwelt an in Art und Weise der Vishnuiten; haupt-sächlich verehren sie ihre 24 ältesten Lehrer, Tirthakäras, d. i. Reinmachcr, genannt undBildsäulen derselben sind in den Tempeln ausgestellt. Das Ansehen der Vedas verwerfensie; doch lesen sie die Puranas. Ihre heiligen Bücher sind zum Theil in der Prakritspracheabgefaßt. Gleich den Buddhisten empfehlen sic ein schuldloses und asketisches Leben; nichtdas geringste lebende Wesen darf getödtet werden, weshalb sie auch Thierhospitäler füralle Arten der Thiere unterhalten. Durch reines Leben wird nach ihrer Ansicht die Seeleendlich so geläutert, daß sie zum Nirwana, d. h. zur vollständigen Jdentisicirnng mit derWeltseele gelangen kann. Der Hauptort ihres Cultus ist seht Balligota, nicht weit vonScringapatam in Mysore, wo auch ihr Oberpriestcr seinen Sitz hat. Übrigens theilcnsie sich in SräwakaS, d. i. Hörende oder Laien, und Jätninas, d. i. Strebende oder Priester.
! Außerdem gibt es eine unzählige Menge von Religionssekten, die seit einerReihc von Jahr-hunderten in Indien sich entwickelt haben. Vgl. Wilson, „On tüe , eligions sects ak tüsI üiiulus" in den „^siutie researebes" (Bd. >6 und 17). Ihrem Grundwcsen nach sinddieselben gegenwärtig inögesammt monotheistisch und von dem Streben durchdrungen, dieAnhänger der verschiedenen religiösen Systeme in Indien zu verschmelzen und zu vereini-^ gen. Die wichtigste unter ihnen ist die Sekte der Seikhs (s. d.), die auch eine Zeit langeine bedeutende politische Nolle gespielt hat. Eine befriedigende Darstellung der ind. Re-> ligion, der leitenden Ideen derselben, des Cultus und der Mythologie in historischer Ent-wickelung fehlt noch. Das beste Material dazu lieferten die Engländer Colcbrooke undWilson in zerstreuten Abhandlungen, Moore in seinem „Hinck» psntkeon" (Lond. 1810);Bans Kennedy in den „Resoarclles into tüe natore okHirniu mz'tiioloN^" (Lond. 183 l);Coleman in der „Uxtknlo^ »kille Uinl1»s"(Lond. 1832); Malcolm, Ward, Uphamu.A.Bgl. auch Polier, „Hlz-tkologie ckesHinckous" (2 Bde., Rudolst. I8IO); Bochingcr, „Da>io conteinplative, sscetic;»« et maoastigue cller les Inclous" (Strasb. 183 l); Neve inseinen „Ltockes sur le Lig-Vecka" (Löwen 1842), und E. Burnouf in der „Intrnclueti»»äl'llistoire <iu lluclclllaisme irniisn." (Par. 1845).
Indische Sprachen. Die Zahl der ind. Sprachen ist ziemlich beträchtlich. Die altegelehrte Sprache Vorderindiens, in sehr vollkommener grammatischer Ausbildung und miteiner äußerst umfangreichen Literatur war das Sanskri t (s. d.), das, jetzt nicht mehr le-bende Sprache, von den Gelehrten Indiens insoweit erlernt wird, daß sie sich schriftlich undmündlich darin ausdrückcn können. Eine weichliche Mundart des Sanskrit, die jetzt nichtmehr gesprochen wird, bildete das Päli, in welchem viele heilige Bücher der Buddhistenabgefaßt sind. Von der in der Palisprachc erhaltenen Literatur ist nur wenig bekannt gc-! macht; dahin gehören „Mahavonso", eine Geschichte Ceylons, herausgegebcn mit engl,i Übersetzung von Turnour (Colombo 1834, 4.), das liturgische Werk „Kammuva", hcr-ausgeg. von Spiegel (Bonn l 842) und die ebenfalls von Spiegel herausgcgcbenen Aus-züge aus der Legendensammlung „Rasavähim" (Lpz. 1845). Vgl. über die Beschaffen-heit dieser Sprache Burnoufs und Lassen s „Lssai sur ie ?ali" (Par. 1826). EineGrammatik derselben nebst Wörterbuch lieferte Clough (Colombo 1824). Gleichfalls eineweichere Mundart des Sanskrit, mit sehr abgeschliffcncn Formen ist das Präkrit, in wel-chem die heiligen Bücher der Dschinitcn abgcfaßt sind, und das in den ind. Dramen häufigals Sprache der Frauen und der Personen aus der niedern Volksclaffe vorkommt. Gram-l matiken des Präkrit lieferten Höser (Berl. l 836) und Lassen (Bonn 1837). Das Käwiendlich, d. h. die Dichtersprache, ist eine aus sanskritischen Elementen gebildete Sprache,deren man sich auf der Insel Java in Gedichten bedient. Vgl. W. von Humboldt, „Über