426 Indische Religion ,
breitete. Siva führt die Beinamen Jswara, d. i. Herrscher, Mahädcwa, d. i. großer Gott,Rudra, d. i. Fürchterlicher, Sthanu, d. i. Standhafter, u. s. w. Er wird dargestellt mitweißer Hautfarbe, drei Augen, vier Armen und einen Dreizack tragend, zur Bczeickiumg tseiner Herrschaft über die drei Welten. Symbole desselben sind der mit der Spitze nach oben !gekehrte Triangel welcker die Flamme andeutet, und der Linga oder Phallus ss. d.) ^zurBezeichnung der belebenden, zeugenden Naturkraft Siva'S. Seine Gattin erscheint in ver-schiedenen Gestalten und heißt baldBhawani, d.i. Natur, baldParwvati, Tochter des Ber-ges, weil Siva im Gebirge wohnt; bald Durga, d. i. Schwcrnahbare, bald Kali, d. i.Zcit,als schreckliche Zerstörerin des Weltalls. Abtheilungen der Sivaitcn sind die Saktas, welchevorzüglich die Bhawäni oder weibliche Naturkraft, die LingiS, die den Linga oder die männ-liche Naturkraft, und Diejenigen, welche den Siva als Ardhanan, d. i. Mannweib oderals männliche und weibliche„Kraft in sich vereinigend verehren. Vishnu, d. i. der Durch-bringer, wahrscheinlich der Äther, als belebendes Princip des Weltalls, ist der Hauptgegen-stand der Verehrung der Neligionspartei der Vishnuiten, welche gegenwärtig die weitver-breitetste in Indien zu sein scheint. Vishnu hat einen mildern Charakter als Siva. Aucher führt zahllose Beinamen; einer der häufigsten ist Hans, d.i. der Grüne; wie er dennauch dunkelblau oder grünfarbig dargestellt wird. Ein Hauptattribut desselben ist die Lo-tosblume (s. d.). Oft scheint unter Vishnu auch das Wasser gedacht zu sein, und hier-auf bezieht sich vielleicht sein Symbol, der Triangel mit der Spitze nach unten ^7, als Zei-chen des Wassers. Seine Gattin heißt Sri, d. i. Glückseligkeit, oder Lakschmi, d. i. Schön- ^heit. Die Verehrung desselben scheint besonders bei dem gebildetem Theile des Volks Ein-gang gesunden zu haben, und der größte Theil der ind. Literatur ist von Vishnuiten ge- ^schrieben. Der den Vishnu betreffende Mythenkreis erzählt vorzüglich die Verkörperungendesselben oder seine körperlichen Erscheinungen in der Welt, Awatara, d. i. Hinabsteigung,genannt, welche er annahm, um das Böse zu überwältigen, und mit denen die Puranas isich viel beschäftigen. Die zehn berühmtesten Verkörperungen desselben sind die als Fislb,bei der großen Flut; als Schildkröte, bei der Aufsuchung des Unsterblichkeitstranks; als vEber, bei der Tödtung des Riesen Hiranjakscha; als Mannlöwe, bei derTödtung des Rie-sen Hiranjakasipu; als Zwerg, bei der Überwältigung des Tyrannen Mahabali ; als HeldBalarama oder Parasuräma, bei dem Kriege gegen die Kschatrijas oder den Kriegerstand;als Held Ramatfchandra oder Rama, bei dem Feldzuge gegen den Tyrannen Rawana aufCeylon; als Gott Krischna, d. i. der Blaue, in welcher Verkörperung er die Nymphe Ra-dha liebt und den Drachen Kalija tödtet; als Buddha oder Stifter des Buddhismus, undals Kalki, d. i. der Böse, welche Verkörperung noch zukünftig ist und in der er, auf einemweißen Rosse reitend, erscheinen wird, um die Welt zu zerstören und alle Seelen von derSünde zu befreien. Diese Verkörperungen enthalten thcils physische und religiöse Ideen,theils historische Sagen. Unter dem Namen Dschagan-nätha, d. i. Weltherrscher, wirdVishnu auf der Küste Koromandel und anderwärts verehrt. (S. Dsch agarnat.) Auchwerden Brahma, Siva, Vishnu bisweilen unter dem Namen Trimürti, d. i. der Gcstaltigc,vereinigt dargestellt. Neben ihnen erscheint im Volksglauben und in den Sagen der Die-ter noch eine große Anzahl Unkcrgötter, welche meist Pcrsonificationen physischer Gegen-stände sind. Dahin gehören zuvörderst die acht Wclthütcr, Indras, d. i. das sichtbare Fir-mament, Agnes, d. i. das Feuer, Jamas, d.!. die Unterwelt, Sürjas, d. i- die Sonne, Wo- ,runaS, d. i. das Wasser, Wajus, d. i. der Wind, Prithive, d. i. die Erde, und Somas,d.i.der Mond; ferner Kartikejas, der Bote der Götter und Führer der Heere; Ganesas, derGott der Klugheit und Gelehrsamkeit; Kamas, der Gott der Liebe, und Gang«, die Nympbedes Ganges. Diesen folgt eine lange Reihe Halbgötter, Dämonen, heilige Wesen undHelden; z. B. die Gandharwas oder himmlischen Sänger, die Apsarasas oder himmlischenNymphen, die JakschaS oder Schahhüter im Gebirge, die NäkschasaS oder Kobolde und dieKinnaras oder Waldmcnschen. Die äußere Verehrung dieser Götter bestand und bestehtnoch gegenwärtig bei den Indern in Opfern, Gebeten, Abwaschungen, Wallfahrten zu be>-legen Orten und Büßungen. Doch herrscht hierin in den verschiedenen Landschaften «ndStädten große Verschiedenheit; sowie denn auch an den einzelnen Orten bald dieser, da ^jener Gott vorzugsweise verehrt wird, und zwar bald in dieser, bald in jener speciellen Dar- ;
l
ci
ö
h
1bt«S
st
8
si
a
d
a
e>
2§
st
2
h
b
d
I
8
ei
li
n
8
L
E
8
VI
s-
gl
ei
bi
»I
n
a
»
Ü
ai
zi
E
>v
-h
ai
u
ei
dl