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Indischer Occan Indische Religion 425
chem Schmuck versehenen Körper oft in edeln Verhältnissen und mit großer Weichheit derE Linien gebildet haben. Selbst ihre lächerlichsten Göttergestalten zeugen, daß ihrer Phanta-1 sie sich das Geschöpf gewissermaßen als ein harmonisches Ganze dargestellt habe. Leiderhat die Zusammensetzung eines Körpers aus so verschiedenartig symbolischen Theilen, derenjeder seine Bedeutung hat, die wahre Darstellung der großen göttlichen Eigenschaften aneinem rein menschlichen Körper, mittels des höhern Ausdrucks, auf immer verhindert.Übrigens sind nur die älter» ind. Sculpturen, säst lauter Hautreliefs, von künstlerischemGeiste durchdrungen; die neuern werden zusehends lebloser und versinken in die widerlichsteMonstrosität. Unter jenen werden die Reliefs von Elephante, Ellora und Mahabalipu-ram am meisten gerühmt. Von den altind. Gemälden in einigen Erottentempeln, z. B. ini dem von Adjunta, ist noch nichts nach Europa gekommen. Dagegen fanden sich mehreSammlungen ind. Miniaturen aus neuerer Zeit, zum Theil in Manuscripten. Dieselbenerheben sich oft zu einer gewissen Anmuth, wenn sie Scenen des täglichen Lebens darstellenund stehen in Freiheit der Zeichnung und im Ausdrucke ungleich höher als die chinesischen.Es kann nicht befremden, daß die ind. Kunst auch für die benachbarten Länder maßgebendwurde. So sind die Stupas oder Topes in Kabulistan nichts als eine reichere Umgestal-tung der buddhistischen Dagops in Indien, und zwar aus den ersten sechs Jahrhundertenn. Ehr. Derselben Epoche gehören die beiden Kolosse von Bamiyan an, stehende Hautre-lieffiguren in Nischen an einer Felswand, die eine I2ü F. hoch. Später ist der Dagop nochreicher und schwülstiger umgebildet in den Prachtbauten von Ceylon, Nepal und Java,welche zum Theil erst dem ganz späten Mittelalter angehören. Vgl. Daniell, „He 8m<ioc,excuvstionsokM»ru"(Lond. I 804); Langles,/Monumonsanciens et motlernes tle l'Liu-iloustgy" (Par. l 8 l 3); P. von Bohlen, „Das alte Indien" (2 Bde., Königsb. 1830—31).Indischer Ocean, s. Weltmeer.
Indische Religion. Manche verschiedenartige Entwickelungen haben in der Ne-ligion der ind. Völker stattgefunden; doch kennen wir zur Zeit die Geschichte dieser Ent-i Wickelungen viel zu wenig, als daß sich eine ins Specielle eingehende Darstellung derselbenmit Zuverlässigkeit geben ließe; denn von den zahlreichen heiligen Büchern, in welchen dieverschiedenen Ansichten niedergelegt wrrrden, sind uns bis jetzt nur Bruchstücke bekannt.Auf den Grund zugänglich gewordener glaubwürdiger Quellen lassen sich vornehmlich fol-gende allmälig cingetretene Entwickelungen der Religion der Indier annehmen: l) DiealteLehre der Vedas. Nach den Hymnen, welche die Vehas enthalten, wurden unterandern Naturkräften, die man als himmlische Wesen mit Ehrfurcht und Andacht begrüßte,namentlich Sonne, Mond und Indra, d. i. das sichtbare Firmament und die Region derWolken, die der Erde den fruchtbaren Regen spenden, in ausgezeichneter Weise verehrt.Über die Verehrung dieser Naturkräste, welche vielleicht bei dem großem Theile des Volksden Hauptbcstandtheil der Religion ausmachte, erhebt sich aber schon in den Vedas der hö-here Gedanke eines einzigen unendlichen Urhebers der Welt, durch welchen die als Gott-heiten gedachten Naturkräste walten, und gegen welchen sie nur als untergeordnete, ver-gängliche Wesen erscheinen. Dieser unendliche Urheber der Welt ist der Brahmä (s. d.).Durch sein Wort traten die Wesen der sichtbaren Welt in das Dasein, und eine seiner vor-züglichsten Manifestationen ist die Sonne. Durch Tugend, Schuldlosigkeit und Andachti soll nach der Lehre der Vedas der Mensch seine Seele auf Erden läutern. Nach dem Todej wird die Seele nach Maßgabe ihres frühem Betragens in einen neuen Körper versetzt.! Zuletzt kehrt die völlig geläuterte Seele in den Schoos des Urwesens zurück, aus welchem! sie hervorging. 2) Die spätere Naturverehrung der Puränas und des Epos, diej sich allmälig aus der einfachem Lehre der Vedas entwickelte. Auch hier erscheinen einzelneNaturkräste, Elemente und Naturwcsen als Gottheiten oder als von göttlichen Vorstehern- «giert. Die Sagen und Dichter trugen die Geschichte dieser zahlreichen Naturgötter inweit ausgedehnten Kreisen von Mythen vor. Die drei Hauptgottheiten, welche besondershewortreten, sind der Brahmä, Siva und Vishnu. Siva, d. h. der Glückliche, wahrschein-i lich die Feuerkraft, als Beleben» und Zerstören» des Weltalls gedacht, ist der Hauptge-genstand der Verehrung der zahlreichen Neligionspartei der Sivaiten, welche ursprünglichl >w nördlichen Indien ihren Sitz gehabt zu haben scheint, aber nachher auch weiter sich ver-