414 Imprägnation Improvisatoren
lüsterne Greis oder abgelebte Wüstling mitten unter den auf solche Art erzwungenen Ec.nüssen den Tod gefunden hat. Dauert bei allgemeiner oder örtlicher Schwäche trotz des erloschenen Vermögens dennoch der Trieb fort, oder gilt es die Wiederbelebung beider, so sind ein erstcrm Falle Zügelung der verderbten Einbildungskraft, lange Enthaltsamkeit und ei»,kräftige, nahrhafte Diät, in letzteren allerdings noch verzweifelteren Falle eine gleiche Diätund manche Arzneien Dasjenige, was noch einige, aber immer schwache Hoffnung einesglücklichen Erfolgs gestattet.
Imprägnation, so viel als Durchdringung, wird besonders von gewissen auf derGrenze der mechanischen und chemischen Vorgänge stehenden Erscheinungen gebraucht,und in den meisten Fällen bedient man sich dafür bezeichnender und richtiger des WortesAbsorption. So werden z. B. poröse Körper, wie Wolle u. s. w., von Fettigkeiten im ,prägnirt, und Flüssigkeiten von Salzen, die sich darin auflösen, oder von Gasarten. Auch vorRiech-und Ansteckungsstoffen, welche gewisse poröse Körper, besonders animalischen Ur-sprungs, durchdringen und diesen fest anhaften, braucht man den Ausdruck Imprägnation
Impromptu, von dem lat. in prnwjitn, im Deutschen Stegreifwitz, nennt man« eine unvorbereitete sinnreiche, den Bedingungen des Augenblicks angemessene Äußerungin Prosa oder in Versen, bestehe sie nun in einem einzelnen Wißworte (bon mit) oder ineiner zusammenhängenden, abgerundeten Darstellung. Am effectvollsten ist das Impromptu, !wenn es entweder einzelnen Individuen gegenüber, als schnelle Entgegnung (riposte), oderder ganzen Gegenwart gegenüber mit treffenden Beziehungen auf allgemein bekannte Ver-hältnisse hcrvortritt. Veranlassung zu Impromptu's letzter Art geben besonders die Tri-büne und die Bühne; auf beiden zeichnen sich die Franzosen darin vorzüglich aus. Voudeutschen Komikern verdanken namentlich Nestroy und Scholz in Wien und F. Beckmann(s. d.) in Berlin denselben großentheils ihre Beliebtheit. Die deutsche Literatur hat, ohn:den Neichthum der franz. an Stegreifgedichtchen zu besitzen, doch in Dem, was von den so-genannten Spruchsprechern aus uns gekommen, Meisterhaftes aufzuweisen. Zahlreich, lgute ältere Schlag- und Wihworte enthalten auch Zinckgrefs „Deutsche Apophthegmata, >
Improvisatoren (improvisatori) heißen in Italien Dichter, die aus dem Stegreif(ex improvisn) jedes aufgegebene Thema sogleich dichterisch ausführen, ihre Verse declamiren oder unter Begleitung eines Instruments absingen. Bei Völkern von lebhafter undfruchtbarer Phantasie ist die Gabe des Jneprovisirens, besonders durch Musik angeregt, oflallgemein, z. B. bei vielen Negerstämmen und unter den Arabern. EineZdee von denZm-provesationen der letzterer geben die von Nückert frei nachgebildeten „Makamen" des Hu-ri re (s. d.). War, wie aus mehren Stellen der Alten zu schließen, Griechenland die Hcinu!der Improvisatoren des Alterthums, so wurde dies für das neuere Europa, etwa Valcncüund Minorca ausgenommen, vom 12. Jahrh. ab ausschlicßend Italien, wo Petrarca di,Sitte der improvisirenden Dichter, den Gesang mit der Laute zu begleiten, eingeführt Uhaben scheint. Das lebhafteste Interesse für die itteprovisirte Poesie und zwar in lat. Spracheherrschte an den Höfen von Urbino, Ferrara, Mantua, Mailand und Neapel. Als beson-ders ausgezeichnete Improvisatoren werden gerühmt Serafino d'Aqu ila, geb. ItK6i>iAquila, gest. in Rom >500, der selbst mit Petrarca an Ruhm wetteiferte ; BernardoAc-rolti, l'unico Xretino zubenannt, gest. >534; der storentin. Cristoforo, ^üissimogrreanret; ferner Nie. Leoniceno, Mario Filalfo, Pamfilo Sasse, Zppolito»" lFerrara, Batt. Strozzi,Pero, Nie. Fran ciotti, Cesare da Fano, Crisioforo jSordi, Aurelio und Nafaello Brand o leni, welche drei letztere blind waren. Als dugriech. Gelehrten, welche zu Anfänge des >6. Jahrh. von Konstantinopel nach Italien ge-flüchtet, daselbst mit dem Geschmack an ihrer Sprache und Literatur auch ihre Gebräucheverbreiteten, führte man die Symposien ein, bei denen die Freuden der Tafel durch die de«Geistes erhöht wurden. Leo X. liebte sic sehr, und unter den um seiner Tafel versammeltenGelehrten zeichnete sich besonders Andr. Marone, geb. 1474, gest. >527, als Improvi-sator aus. Hadrian VI., der die Dicbter als eine Art Abgötter ansah, vertrieb ihn zwarvom Vatican, wo Leo ihm eine Wohnung angewiesen; doch Clemens Vll. rief ihn weedn -zurück. Querno, ein anderer Improvisator, war bei Leo X. eine Art von Hofnarr eenwurde spottweise der Erzpoet genannt. Nach Leo'S Tode fingen auch die Improvisatoren
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