Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
400
Einzelbild herunterladen
 

400 Offerten Jffland

und der Sitteneinfalt der frühesten Zeiten sich entfernten und je stärker der Gegensatz derbeengenden Verhältnisse der bürgerlichen Convenienz hertzortrat, um so sehnsüchtiger muß-ten sie auf das ursprüngliche Naturleben, als ein verlorenes ideales Dasein, als ein Lebenvoll Unschuld zurückblicken, das in der Befriedigung der einfachsten Bedürfnisse Genügefand. In der That gehört daher die Idylle, als eigenthümliche Dichtform, .überall einersolchen Zeit an, in welcher das einfache Naturleben, der Wirklichkeit gegenüber, als einidealer Zustand, bereits in eine voetische Ferne zurückgetreten war. Darum wählten dieJdyllendichter von jeher am liebsten Menschen, Scencn und Vorgänge des ländlichen Da-seins, insbesondere des Hirten-, Schäfer-, Fischer- und Jägerlebens, zu ihren Gemälden,und namentlich gab das harmlose Hirtcnleben der alten Völker mit dem Ideal eines golde-nen Zeitalters oder einer Unschuldswelt, zu solchen Schilderungen reichen Stoff. So finde»wir denn die ersten Spuren dieser Dichtgattung bereits im Orient, nur daß sie hier noch mehlals für sich bestehende Gattung ausgeprägt ist, sondern bald mehr als Epos, wie das BachRuth (s.d.), bald, wie das Hohe Lied (s. d.)und Kalidasas' (s.d.)Sakuntala" mehrals Drama mit idyllischem Charakter erscheint. Auch bei den Griechen war sie anfangs mehrepischer Art, doch schon mit Beimischung eines lyrischen Elements, wie bei Stesichorus(s.d.), welcher die Leiden derDaphnis zum Gegenstände wählte; als selbständige Gattungtritt bei ihnen die Idylle erst zu Anfänge des alexandrin. Zeitalters mit Theokrit (s. d.)auf, der in sorgfältig ausgeführten Bildern vorzugsweise das Naturleben sicilischer Hirtenzur Anschauung bringt. Ihm schließen sich Bion (s. d.) und Moschus (s.d.) an- Unterden röm. Dichtern nimmt Virgil (s.d.) die erste Stelle ein; nächst ihm sind noch Calpur-nius (s. d.) und Nemesianus (s. d.) zu nennen, denn die sogenannten Idyllen desAu-sonius (s.d.) gehören ihrem Inhalte nach ausschließend der beschreibenden Poesie anDie gelungensten idyllischen Dichtungen derJtaliener, wie dievon Lasso (s.d.) und Gua-rini (s.d.) sind der Form nach dramatisch; doch haben Andere, wie Sannazaro (s.d.)und iAlamanni (s. d.), auch epische und lyrische Idyllen geliefert. Die franz. Idylle verlor inihrem Streben nach Eleganz und Zierlichkeit die Wahrheit der Natur aus den Augen, und ldie engl. Dichter, außer Spenser (s. d.), folgten zu sklavisch den Alten. Die span. Idylle !wählte mit Vorliebe die Form des Romans für ihre Darstellungen, die auch bei andern !Nationen Nachahmung fand. Unter den Deutschen galt lange Zeit Geßner (s. d.) alsMuster in dieser Gattung, bis Friedr. Müller (s. d.), Voß(s.d.), Goethe (s. d.)u.A.seinen Ruhm verdunkelten und mehr wieder zur treuen Schilderung der Natur zurückkehr-ten, die Geßner in ein verschönertes Ideal umgeschaffen hatte.

Jfferten, s. Uv er dun.

Jfsland (Aug. Wilh.), in der Geschichte der deutschen Bühne als darstellend«Künstler, Theaterdichter und Dramaturg berühmt, wurde am > 9. Apr. 1759 zu Hannovergeboren, von angesehenen, bemittelten Altern, die ihn zu dem Studium der Theologie be-stimmten. Aus Abneigung gegen dasselbe und um der durch die Vorstellungen der Acker-mann'schen Gesellschaft in ihm erweckten Neigung für die Bühne genug zu thun, ging «in seinem 18. Jahre heimlich nach Gotha, bildete sich hier unter Leitung des großen Eck-Hof (s.d.)und wurde 1779 Mitglied des damals hochberühmten manheimerTheaters. Hier ,legte er den Grund zu seinem Ruhme, den er durch Gastvorstellungen bald über ganz >Deutschland ausbreitete. Zerwürfnisse mit dem Intendanten, namentlich aber die Kriegs- >ereignisse führten ihn 1796 nach Berlin als Director des dortigen Nationaltheaters, wo-selbst er 1811 zum Generaldirector aller königlichen Schauspiele ernannt wurde und am22. Sept. 1814 starb, ^lls Schauspieler nahm J. einen eminenten Rang ein, wenig«durch poetische Auffassung, geniales Feuer und Macht der Phantasie als durch das kri-tische Bewußtsein, womit er seine Darstellung bis ins Einzelnste beherrschte, sodaß jedesDetail in derselben berechnet und nichts darin wahrzunehmen war, was sich vor dem Nich-terstuhle der Reflexion nicht hätte rechtfertigen lassen. Daher war er meisterhaft in char-girten und hochkomischen, wie auch in gemüthvoll rührenden Rollen, welche der Familien- >sphäre und dem bürgerlichen Leben angehörten. In Partien hochtragischen und heroisch" :Stils dagegen vermißte man an ihm Schwung der Phantasie und Wärme des Gefühls,da bei ihm stets kritische Abwägung an die Stelle der Inspiration trat. Zu hochtragisch"