398 Idiosynkrasie Idiotismus
den Krankheitsursachen hervorgchen, in, Gegensätze von sympathisch. (S. Sympathie.)Wenn vermöge eines krankhaften Zustandes des Magens Kopfschmerzen und Schwindelerscheinen, während Blutandrang nach dem Gehirn bei Kopfverletzungen und andern schätz-lichen Einwirkungen auf dieses Organ nicht selten mit Ekel, Übelkeit und Erbrechen ver-bunden ist, so sind im ersten Falle die Erscheinungen im Magen idiopathisch, die im Gehirnsympathisch, im zweiten umgekehrt. In vielen Fallen ist es dem Arzte leicht, solche Erschei-nungen nach ihrer chronologischen Ordnung und ihrem ursächlichem Zusammenhänge zuwürdigen, während es in andern eine nicht leicht zu lösende Aufgabe ist.
Idiosynkrasie nennt man eine eigenthümliche von der Regel abweichende Empfäng-lichkeit des Organismus für gewisse Reize und Zurückwirkung gegen dieselben. Diese G-genthümlichkeit spricht sich nicht nur in einem unüberwindlichen Widerwillen Mancher ge-gen gewisse Speisen, Getränke, Gerüche, Töne u. s. w. aus, sondern auch in den Folgen duEinwirkung derselben, wenn diese ohne Wissen eines Individuums stattsindet oder selbst,wenn die erste Empfindung, die sie hervorbringt, eine angenehme ist, z. B. im Erscheineneines Ausschlags nach dem Genüsse von Erdbeeren. Ferner gehört dazu die Abweichungdes Begehrungsvermögens, wodurch von Manchen Dinge, die Andere verabscheuen, alsAnnehmlichkeiten begehrt werden. Auch kann die Idiosynkrasie negativer Art sein, wennGegenstände, welche in der Regel Jeden afficiren, für Manche indifferent sind. Die Mo-synkrasien sind dauernd oder auch nur auf eine gewisse Zeit beschränkt, namentlich wenn siein oder nach Krankheiten entstehen, oder wenn eine bedeutende Veränderung im Körpervorgeht, z.B. in den Entwickelungsperiodcn, in der Schwangerschaft u. s. w. Für den Achsind sie von besonderer Wichtigkeit, da sie bei der Bcurtheilung und Behandlung von Krank-heiten volle Berücksichtigung fodern.
Idiot hieß bei den Griechen ursprünglich Jeder, der an den Staatsgeschäften keinenAnlhcil nahm, mithin der Privatmann im Gegensätze zum Staatsmanne; sehr bald aberdehnte man diesen Namen nach einer allgemeinen Bedeutung auf Diejenigen aus, welcheaus Unkunde eine Kunst nicht ausübten, die einen hohem und allgemeinem Wirkungskreishatte. Die Römer verstanden darunter, wie noch gegenwärtig, jeden unwissenden und un-erfahrenen Menschen, jeden Stümper und Pfuscher in Kunst und Wissenschaft, und be-zcichneten mit Idioten auch den gemeinen Haufen, den Jan-Hagel überhaupt.
Idiotikon nennt man ein Wörterbuch, welches die einer gewissen Mundart oderauch einem Zweige dieser Mundart eigenthümlichen Wörter und Ausdrücke (Idiotismen)enthält. Ein schwerlich zu übertreffendes Muster solcher lexikalischen Darstellung von Mund-arten hat Schmeller (s. d.) geliefert in seinem auf historischer Forschung ebenso wie aufKenntniß der lebendigen Gegenwart begründeten „Bair. Wörterbuch" (-1 Bde., Stuttg.und Tüb. >827 — 37), welchem desselben nicht minder vorzügliche grammatische Darstel-lung der „Mundarten Baierns" (Münch. 1821) voranging. Unter den übrigen Idiotikendeutscher Sprache sind am bcmerkenswerthesten M. Höfer's „Etymologisches Wörterbuchder in Obcrdeutschland, vorzüglich aber in Ostreich üblichenMundart"(3Bde., Linz >8Iö),verglichen mit dessen Schrift „Die Volkssprache in Ostreich, vorzüglich ob der Ens, nachihrer innerlichen Verfassung" (Wien 1899); I. C. von Schmid's (s. d.) „Schwab.Wörterbuch" (Stuttg. 1831); F. I. Stalder's „Versuch eines schweizer. Idiotikon"(2 Bde., Aarau >812), verglichen mit dessen Schrift „Die Landessprachen der Schweizoder schweizer. Dialektologie" (Aarau 1819); I. Tobler's „Appenzcllischer Sprachschatz"(Zür. >837); Neinwald's „Hennebergisches Idiotikon" (2 Bde., Berl. 1793 —>8n>)i
„Versuch eines bremisch-niedersächs. Wörterbuchs", herausgegeben von der bremischen Deut-schen Gesellschaft durch E. Tilling (5 Bde., Brem. 1767—71); I. F. Sckütze's „Holstei-nisches Idiotikon" (-1 Bde., Hamb. 1899—7); M. Nichey's „Iclioticon kkamknirgewe,oder Wörterbuch der eigenen in und um Hamburg gebräuchlichen niedersächs. Mundart"(Hamb. 1755); E. S. Hennig's „Preuß. Wörterbuch" (Königsb. 1785), undA-W-Hupcl's „Idiotikon der deutschen Sprache in Lief- und Esthland" (Riga 1795).
Idiotismus, abgeleitet von Idiot (s. d.), die Sprachwcise oder Mundart des ge-meinen Mannes, auch Idiom genannt, heißt nach einer allgemeinem Fassung jede Eigen-heit im Ausdrucke, welche dieser oder jener Sprache ausschließend zukommt. Diese Eigen-