384 Hypothese Hypsistarier
bei nock viel zu wünschen übrig. Frankreich hat sogenannte Hypothekcnregister,welche von eigenen Beamten, den Conservatoren, geführt, und in welche alle Hypothekenauf Verlangen der Gläubiger eingetragen werden. Das Vorzugsrecht der Hypothekenrichtet sich nach dem Datum der Einschreibung, die aber aller zehn Jahre erneuert werdenmuß, da die Wirkung einer jeden Jnscription nach zehn Jahren von selbst erlischt. In Preu-ßen und andern Staaten, wie z. B. in Sachsen, werden bei den Gerichten Hypothekcnbüchergehalten, in welche alle Grundstücke, der Grund ihres Erwerbs oder der Besitztitel, der Kauf-preis, die Laxe, die darauf haftenden Reallasten und Pfandschulden eingetragen werden.Diese Einrichtung ist zwar bciweitem mühsamer als die französische, dafür aber auch zu-verlässiger und vollständiger als diese. ^
Hypothese, d. i. Unterlage, heißt im wissenschaftlichen Sprachgebrauchs so viel alsVoraussetzung oder Bedingung. Ein solches Anknüpsen eines Gedankens an einen ihmvorausgesetzten erscheint am einfachsten in dem hypothetischen Urtheile von derForm: wenn ist, so ist I), wo die Gültigkeit des Nachsatzes stüesi») durch die des Vor-dersatzes bedingt ist. Hypothetisches Verhältniß nennt man daher
das Verhältniß von Bedingung und Bedingtem, von Grund und Folge, und hypothe-tisch heißt dann oft so viel als ungewiß, zweifelhaft, wenn die Gültigkeit des Grundes nichthinlänglich gesichert ist oder überhaupt ein Grund einer Behauptung nicht vorliegt. Hy-pothesen im engern Sinne nennt man Gedanken und Annahmen, welche man macht, umfür eine Menge von Erscheinungen die Einheit einer Regel und eines Erkenntnißgruudeszu finden. In diesem Sinne ist jede Hypothese ein Versuch, die Lücken der Erfahrung durchBegriffe zu ergänzen und durch diese jene zu erklären. Der zum Zwecke der Erklärung vor-ausgesetzte Gedanke darf daher keinen Widerspruch in sich selbst enthalten; je einfacherer !übrigens ist, je leichter, vollständiger und consequenter sich aus ihm die zu erklärenden Er-scheinungen ableiten lassen, desto besser und brauchbarer ist eine Hypothese. H'ülfshypo- !thesen nennt man solche Annahmen, die selbst wieder zur Sicherstellung einer Hypothesedienen sollen; sie vermindern natürlich die Wahrscheinlichkeit der ganzen Erklärung. Hy- >pothesen, welche ihrem Zwecke vollständig genügen, können geradezu in den Rang wissen-schaftlicher Lehrsätze eintreten, wie z. B. die Hypothesen der Bewegung der Planeten umdie Sonne und der Gravitation der erstem gegen die letztere, auf welchen das Gebäude dermodernen Astronomie ruht, während es der Physik in andern Gebieten noch nicht hat ge-ringen wollen, ihre Hypothesen über Licht, Wärme, Elektricität u. s. w. bis zu einer glei- ^chen Evidenz und Genauigkeit auszubilden. Es liegt übrigens im Begriffe der Hypothekdaß ihre Aufstellung oft auf einer glücklichen'Combination, einem richtigen Blicke beruht,daher jede Hypothese in ihrer Entwickelung und Anwendung einer Kritik entgegensieht.Würden die zur Erklärung der Erscheinungen erfoderlichen Voraussetzungen nicht bloSversuchsweise hingestellt, sondern aus den Erscheinungen selbst abgeleitet, so würden sie alsnothwendige sich darstellen, und eine solche Ableitung ist die wesentliche Aufgabe der Spe>culation (s. d.). Früher nannte man Hypothese auch jede willkürliche Annahme, ;.B-die Eintheilung des Kreises in 360 Grade, der Stunde in 60 Minuten u. s. w.
Hypotypöse nennt man in der Rhetorik eine Figur, vermöge deren man eine Per- json oder Sache so anschaulich darstellt, daß man sie lebhaft vor Augen zu sehen glaubt, sIn dem Unterrichte bezeichnet Hypotyposc auch die Versinnlichung der Begriffe durch sanschauliche Vorstellungen, z. B. durch das Beispiel, das Gleichniß, die Analogie u. s. w. >
Hypsspyle, die Tochter des lemnischen Königs Thoas und Gemahlin des Jason(s. d.). Von Lemnos vertrieben fiel sie unterwegs Seeräubern in die Hände, welche sie !an den nemcischen König Lykurgus verkauften, dessen Sohn Archemöros, eigentlich Ophel- !tes genannt, sie erziehen sollte. Der Tod desselben brachte die H. ins Gefängniß, aus demsie jedoch von ihren Söhnen befreit wurde.
Hypssstarrcr oder H ypsi st an ier ist der Name einer Sekte des->. Jahrh., die in
Kappadocien ihre Wohnsitze hatte und aus Misbehagen an dem in derKirche schon vielfach !entstellten Christenthume einem allgemeinen Gottesglauben sich zuwendete. Die Hyp^'rier verehrten Gott unter dem ältesten und einfachsten Namen, Hypsistos, d. i. der Höchue,und umgaben ihren Cultus mit Gebräuchen und Symbolen, die sie synkretistisch aus versaßt'