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7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
369
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Hutten 36S

Wahrend seines Aufenthalts daselbst unterstützte ihn namentlich der Ritter Eitelwols vonStein. In dieser Zeit wurde auch er von jener bösen Krankheit ergriffen, die damals, erstausgebrochen, pestartig wüthcte, aber den Schimpf noch nicht an sich trug, der jetzt ihr an-kiebt. Nichtsdestoweniger ging er, von ihren Schmerzen gepeinigt, >509 nach dem nörd-lichen Deutschland, wo er überall und namentlich in Greifswald und in Rostock als Dich-ter willkommene Aufnahme und durch seine Arbeiten die nöthige Unterstützung fand. ImI. 1511 kam er auch nach Wittenberg, wo er über die Verskunst ein Werk herausgab;dann ging er nach Pavia, um di eRechte zu studiren und so die Gunst des ihm wegen seinerEntfernung von Fulda noch immer zürnenden Vaters wiederzugewinnen. Gerade in dieZeit seines Aufenthalts fiel Pavias Eroberung durch die in Kaiser Maximilians I. Dien-sten stehenden Schweizer, hierbei aller seiner Habe beraubt, sah er sich genöthigt, nach Bo-logna zu wandern. Gänzlicher Mangel veranlaßte ihn endlich, 1513 kaiserliche Kriegs-dienste zu nehmen, in denen er indeß nur ein Jahr blieb. In Deutschland machte er sichnun zunächst dadurch bekannt, daß er seinem Unwillen gegen den Herzog Ulrich vonWür-temb erg (s. d.), der einen von H.'S Vettern gemordet hatte, in Gedichten, Briefen undReden freien Lauf ließ. Noch berühmter wurde er in den Reuchlin'schen Händeln mit demDominicaner Hoogstraten in Köln, in denen er sich des gelehrten, redlichen und darum soverfolgten Reuchlin Schriften, besonders in satirischen, aufs kräftigste annahm. (S.Lj>istolae odscuroruii, vil ornin.) Seinem Vater zu gefallen, ging er >515 nocheinmal nach Italien, um Doctor der Rechte zu werden. Er besuchte zuerst Rom, dann Bo-logna; allein schon l517 kehrte er über Venedig ins Vaterland zurück, wo er in Augsburgvon Peutinger's schöner Tochter, Constantia, mit dem poetischen Lorberkranze geschmücktund vom Kaiser Maximilian zum Ritter geschlagen wurde. In Italien hatte er das Lebender Mönche in seiner ganzen Verworfenheit kennen und die Klerisei vollends verachten ler-nen. Nachdem er die in einem Kloster aufgefundenc Schrift des Laurentius VallaDe" s-tls» crediti» et emeiitita ckonutione <7an5tuntini" herausgegeben hatte, die er vielleichtnur aus Spott dem Papste Leo X. widmete, trat er l 5 l 8 in die Dienste des gebildetenErzbischofs Albrecht von Mainz, in dessen Angelegenheiten er mehre Reisen, unter Andernauch nach Paris, machte. Noch in demselben Jahre begleitete er den Erzbischof auf denReichstag nach Augsburg, wo Luther mit Cajetan seine bekannte Unterredung hatte, undwo H. in einer Demosthenischen Rede die deutschen Fürsten zu einem Kriege gegen die Tür-ken anfeuerte; doch sehr bald des Hoflebens überdrüßig, schloß er sich dem SchwäbischenBunde an, mit dem er15 l 9 gegen seinen alten Feind, den Herzog Ulrich von Würtemberg,zog, bei welcher Fehde er nun auch Franz von Sickin gen (s. d.) kennen lernte. NachBeendigung derselben ging er wieder nach Mainz, sehr bald aber auf seine Burg Steckcl-borg, wo er eine eigene Handdruckerei errichtete und, den Übermuth und die Schlechtigkeitder röm. Klerisei in vollem Lichte zu zeigen, eine Schrift nach der andern erscheinen ließ.Bon Rom aus deshalb bei dem Erzbischof Albrecht von Mainz verklagt und der Gunst des-selben verlustig, trat er nun mit Luther, den er als einen Mönch bisher nicht hoch geachtethatte, in unmittelbare und offene Verbindung. Auch begann er nun Alles deutsch zu schrei-ben, statt daß er vorher nur der lat. Sprache sich bedient hatte. Nirgend mehr sicher vorseinen Feinden, gewährte ihm Franz von Sickingen eine Freistätte in seiner Burg. Doch, m Folge des unglücklichen Ausgangs der Fehde Sickingcn's mit dem Erzbischof Richardvon Trier mußte er sich einen andern Zufluchtsort suchen. Er hoffte ihn in der Schwei; zulinden; aber Erasmus, mit dem er früher befreundet gewesen, ließ ihn jetzt nirgend eine Ru-hestätte gewinnen, sodaß er von Ort ru Ort wandern mußte, bis er endlich, von seiner altenneurusbrechenden Krankheit überwältigt, auf der Insel Ufengu im Zürcbersee am ttl.Aug.>5->n starb, H, war einer der freimüthigsten, kühnsten Männer seiner Zeit, ein Vorläuferund Beförderer der Reformation, ein Beispiel und Gehülfe für Luther, den er nie näherkennen lernte, für den er aber in der spätem Zeit, wie schon früher für Reuchlin, von derSrößten Achtung durchdrungen war. Könnte man ihm etwas Böses zum Vorwurf ma-> chen, so wäre es eine Art Leichtsinn, der ihn so manche Verhältnisse übersehen ließ, die scho-umder behandelt werden mußten. Aber sein Wahlspruch: Es sei gewagt! (äuctu ule»Conv.-Lex. Neunte Aufl. Vll. 24