Httl 367
berührenden Körper, wenn es nicht gewöhnliche atmosphärische Luft oder der zu ihrerFunction nöthige Schleim ist, regelwidrig gereizt wird und das Fremdartige auszustoßeuversucht, so ist auch die Veranlassung zum Husten sehr verschieden. Diese reizenden Dingekommen jedoch nicht immer von außen auf die Schleimhaut der Respirationsorgane, son-dern werden auch bei manchen Krankheiten innerlich erzeugt; so der Schleim beim K a-karrh (ff. d.), Eiter bei der Lungen-, Luftröhren- und Kehlkopfschwindsucht. Auch bei demgesundesten Menschen ist Husten nicht selten, da theils schon der Genuß mancher Dingeeine Reizung der Luftröhrcnschleimhaut herbciführt, theils leicht mehr Schleim als nüthigist, abgesondert wird. Oft bleibt auch nach Brustkrankheitcn eine so erhöhte Reizbarkeit indiesen Organen zurück, daß selbst die atmosphärische Luft Husten erregt. In einzelnenFällen wird der Husten durch die bloße Mitleidenschaft der Athmnngswerkzcuge bei Leidenanderer in der Nähe liegender Organe hervorgcrufen. Der Husten ist sonach keine eigcn-thümliche Krankheit, sondern nur das Symptom eines regelwidrigen Zustandes, der häufigmit seinen Folgen sogleich nach Hinwegnahme der Ursachen schwindet, oft aber auch nichtentfernt werden kann, wie bei der Lungenschwindsucht und den andern Zerstörungskrank-hoiten der Respirationsorgane. Somit bietet der Husten selbst ein Erkennungsmittel desihm zu Grunde liegenden krankhaften Zustandes dar, wenn man auf seinen Ton, das Ge-fühl, das ihn erregt, den Auswurf, der ihn begleitet, die Dauer des Reizes u. s. w. Rück-sicht nimmt. Wenn schon jeder Reiz zum Husten beachtungswcrth ist, so wird er dies um somehr, wenn ey längere Zeit, z. B. acht bis vierzehn Tage, anhält, ohne sich zu vermindern, dajeder Katarrh in Lungenentzündung übergehen oder zu Lungengeschwüren oder Lungenkno-ten und so zu Vereiterung dieser Organe Veranlassung geben kann. Da ferner bei starkemHusten eine Menge Organe in Thätigkeit gesetzt werden, so dehnen sich auch die Wirkun-gen desselben weit über die Stelle aus, auf welcher er entsteht. Durch die dabei beschleu-nigte Respiration und die Muskelcvntractionen werden Blutandrang nach einzelnen Thei-len, besonders nach dem Kopfe, Schwindel u. s. w., bisweilen auch Berstung von Gefäßen,Nasenbluten, selbst Schlagfluß, Eingeweidebrüche/Erbrechen, starker Schweiß und bedeu-tende Ermattung herbeiführt.
Hut. Zur Anfertigung von Hüten dienen sehr verschiedenartige Stoffe. Aus Haarenund Wolle werden Filzhüte, aus seidenem Felbel, den man auf Pappe oder groben Filzzieht, Seidenhüte und aus Stroh Strohhüte gefertigt. Die sogenannten vegetabili-schen Hüte, aus Pflanzenstoffen, z. B. Gras-, Pappel- oder Distelwollc mit Haaren vonThieren versetzt, sind wenig in Aufnahme gekommen. Nach dem Stoffe, aus welchem dieFilzhüte gefertigt werden, erhalten sie sehr verschiedene Benennungen; feine Wollhüke sindaus Schaf- und Lämmcrwolle; mittelfeine Hüte aus Lämmcrwollc mit Kameelhaaren,Hasen- oderKaninchenhaaren überzogen, bauchhaarene Hüte aus Bauchhaaren der Hafen,Kaninchen undZiegen, rückenhaarene Hüte aus Nückenhaaren desBibers, Kaninchens undKameelS, viertel Kastorhüte aus Hasenhaaren mit etwas Vicvgnewolle, halbe Kastorhüteans Bibcrhaarcn und Vicognewollc, drciviertel Kastorhüte aus Kaninchenhaaren mit Biber-Haar überzogen, ganze Kastorhüte aus Biberhaaren gefertigt. Zu den feinen ital. Strohhü-teu bedient man sich deS Reisstrohs. — Die Sitte, den Kopf mit irgend Etwas zu bedecken,ltannnt schon aus dem frühesten Altcrthum. Bei den Griechen thatcn dies indeß zunächstmir kränkliche Leute und die niedrigste Volksclasse; auch hatte ihre Kopfbedeckung, mit Aus-nahme des aus Filz gefertigten sogenannten thessalischen Hutes, den insbesondere dieEpbe-be» zum Schutz gegen die Sonne trugen, mit den nachherigen Hüten sehr wenig gemein.Runde, auch svitzc Hüte kamen zuerst bei den Römern in Gebrauch, die sic bei Schauspie-len, Festen und bei Begehung heiliger Gebräuche führten, und den Hut zum Symbol derFreiheit erhoben, weshalb auck die Sklaven bei ihrer Freilassung einen Hut erhielten.Nach Casar's Ermordung wurde der Hut als Zeichen der Freiheit zwischen zwei Schwer-tern auf die Münzen gesetzt, was später die Republik der Vereinigten Niederlande nach derAbwerfung des span. Jochs nachahmte. Allgemeiner wurde die Sitte, Hüte zu tragen, beiden Römern nach Ncro's Ermordung. In Deutschland kommen die Hüte zuerst im l I.Jahrh. vor und schon >U«Wgab cs in Nürnberg Hutmachcr; etwas später werden sie inFrankreich erwähnt. In Deutschland, Holland und der Schweiz trug man im ! 6. Iabrh.