858 Hünen Hüningen
die am niedrigsten stehenden Gebilde des Körpers aufgesogen und zur Erhaltung des Gm.zcn verwendet. Es werden daher nicht nur die natürlichen Ausscheidungen durch die Haulu. s. w., sondern auch die regelwidrige», B. Eiterabsondcrungcn u. s. w., und sowie dasFett- und Zellgewebe, auch Geschwülste, überhaupt alle abnormen Gebilde in ihrer Ernäh-rung beeinträchtigt und aufgesogen. Die Hungercur wird angewendct gegen die sogenann-ten Säftekrankheiten, welche regelwidrige Ausscheidungen zur Folge haben, z. B. Eich«,Syphilis, chronische Hantausschläge u. s. w.; doch ist bei dieser das Leben selbst so energischangrcifenden Cur jederzeit die größte Vorsicht nöthig. Vgl. Struvc, „Uber Diät-, Entzic-huugs- und Hungercur" (Altona 1822, a.).
Hünen nennt man ungewöhnlich große und starke Menschen. Nach einer frühem,wie man glaubt, im Mittelalter auch unter dem Volke verbreiteten Ansicht sollten die Hü-nen ein Deutschland in der Urzeit bewohnendes Niescngeschlecht gewesen sein. Andere fin-den in Hünen oder Hennen den verstümmelten Namen der Hunnen, die man ebenfalls fürein ungewöhnlich großes Menschengeschlecht hält. Allein ungeachtet der oben angegebenenallgemein gangbaren Bedeutung des Wortes Hüne, die erst durch die falsche Erklärung ent-standen sein dürfte, ist cs am wahrscheinlichsten, daß dasselbe ein altgerman. Wort sei oderwenigstens auS einem solcbcn sich gebildet habe, welches so viel wie Tod bedeutete. Dafürspricht, daß bei den Friesen Hüne oder Henne für Todter gebraucht wird, und daß im Osna-brückische» das Sterbeklcid Hünenklcid heißt. So findet auch der Name dcrHünen-grä ber oder Hünenbetten, die man in Folge jener irrigen Erklärungen auch Niesen-gräber oder Hunncngräber genannt h?.t, die geeignetste Erklärung. Unter den Hünengrä-bern aber versteht man im Allgemeinen alle aus der heidnischen Vorzeit stammenden Grad-mäler, die theils in großer Menge und in Reihen geordnet, theils einzeln auf Anhöhen, i«Wäldern und entlegenen Gegenden sich vorfinden, bald in hohen, bald in unbcdenkendernErdaufwürfcn von abgerundeter Form bestehen und entweder die Reste verbrannter Leiche» oder unverbrannter Gerippe, sowie Urnen und andere Gefäße, Waffen und verschiedeneGcräthe des häuslichen und öffentlichen Lebens von Stein, Horn'und Metall enthalten.Erst in neuerer Zeit hat man angefangen, unter Hünengräbern vorzugsweise die sogenann-ten Steinhäuser zu verstehen, die aus mehren Feldstücken erbaut, ein längliches, nach We-sten zu breiteres Viereck von verschiedener Größe bilden, mit mächtigen platten Feldstücke»bedeckt, außerdem gewöhnlich von einem Steinkreise umgeben sind und neben den obenbe-zcichncten Gegenständen meist unvcrbrannte Skelette enthalten. Hünengräber in diestrengeru Bedeutung finden sich in großer Zahl durch ganz England, Schottland, Frankreichdie Niederlande, Skandinavien und das nördliche Deutschland, namentlich im Holsteini-schen, seltener im mittler» Deutschland, z. B. in Hessen, Thüringen und Sachsen, wo dieZeit und die Cultur sie geebnet haben und mehr und mehr selbst ihre Spuren verschwinde».Die durchgchends gleiche Beschaffenheit derselben und der ähnliche Inhalt, den sie biete»,berechtigt zu der Annahme, daßsie insgcsammt einer und derselben Nation angehören. Lb-schon nun Einige sie auf die Kelten haben zurückführcn wollen, so dürfte doch der Umstand,daß sie überall, wo gcrman. Völkerschaften ihre Sitze hatten, sich vor'sindcn, für die Ansichtsprechen, daß sie den Germanen angehören, wenn auch die cindringendcn Slawen, die Sitte«der Germanen nachahmend, ebenfalls wenigstens einzelne ähnliche Grabhügel mögen er-richtet haben. Der Hauptunterschied zwischen den german. und slaw. Grabhügeln dürste darinbestehen, daß die letzter», welche man allerdings im gewöhnlichen Leben auch Hünengräbernennt, die aber in der'Volkssprachc meist Heidengräber heißen, keine Reste unvcrbramiterLeichen, sondern durchweg die Spuren des Leichenbrandes enthalten. Im Interesse dcrÄl-tcrthumswissenschaft ist namentlich von den Alterthumsforschenden und Historischen Verei-nen eine große Anzahl dieser Grabhügel geöffnet und manches schöneDenkmal aus der Ver-borgenheit hervorgczogen worden; allein da die Ausbeute in den verschiedensten Gegcndc»fast immer dieselbe gewesen und in der neuesten Zeit wenig Neues gefunden worden ist, Udürfte es wol an der Zeit sein, die Hügel selbst als Denkmale einer so frühen Zeit zu schone»und nicht muthwillig zu verheeren.
Hüningeil, auch Großhüningen, eine Stadt im franz. Departement Obcrrhcin,Basel gegenüber, mit 9«v E., kam noch als Dorf durch Kauf an Ludwig XlV., der es durch