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7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
356
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35Ü Hundswuth

den hauptsächlich dadurch, daß der Unterkiefer vermöge einer Lähmung der Muskel» di,ihn an den Oberkiefer ziehen, herabhängt, weshalb Alles, was in die Mundhöhle gebrachtwird, gleichwie auch der Speichel, wieder herausfließt; daß der Trieb zum Beißen, welckiStrotz der Lähmung des Unterkiefers durch augenblickliche Anstrengung möglich gemacht wichund zum Umherlaufen nicht so heftig ist, und daß die auf gleiche Weise veränderte Stimmtnur selten gehört wird; die übrigen Symptome sind denen der rasendenWuth gleich. Ganzirrig sind die Angaben, daß tolle Hunde eine vollkommene Abneigung gegen das Wasser,das Licht und die Luft hätten; daß sie ihren Herrn nicht mehr erkennten, daß sic den Schwanzzwischen den Hinterbeinen hindurch unter den Leib zögen, und daß sie nur immer geradeausliefen; im Gegentheil scheuen sie das Wasser so wenig, daß sie viel davon zu sich nehmen,und das Licht nur, wenn sie entzündete Augen haben; auch sind sie nie ganz unfolgsam ge-gen ihren Herrn und tragen in der ersten Zeit den Schwanz ganz so wie andere Hundt,lassen ihn jedoch bei zunehmender Schwäche, die sich namentlich am Hinterkörper bemerkliäimacht, schlaff herabhängen. Der Verlauf der Krankheit ist bei beiden Formen sehr verschie-den und unbestimmt; der Tod, der binnen sechs bis acht Tagen nach dem ersten Erkrankt«erfolgt, beendigt sie in allen Fällen. Nur wenig tragen die Untersuchungen der gestorbkni»Thiere zur Aufklärung über die Natur der Krankheit bei; die meisten Organe, am constan-testen der Magen, zeigen einen vermehrten Blutrcichthum, jedoch kaum Entzündung; i«vielen Fällen aber ist eine bemerkenswerthe Abnormität in irgend einem Organe nicht;»finden. Da nicht wenige der angeführten Symptome auch bei andern Krankheiten gefun-den werden, und oft nur durch eine genauere Beobachtung die Hundswuth von diesen un-terschieden werden kann, so ist cs Pflicht für jeden Besitzer eines Hundes, beim Erkrank»!desselben sogleich einen Sachverständigen zu Rathe zu ziehen. Bei dem Hunde - undKatzeu-gcschlecht entwickelt sich die Tollheit von selbst; doch ist cs zur Zeit noch sehr ungewiß, welch!Umstände ihrer Entstehung am günstigsten sind. Hunde jeder Nace, jedes Geschlechts midjedes Alters sind in jeder Jahreszeit und Witterung und bei jeder Lebensart ihr ausgesetzl.Weder schlechte Nahrung und schlechtes Wasser oder gänzlicher Mangel dieser Dinge, nochgroße Hitze oder Kalte, noch Behinderung in Befriedigung des Geschlcchtstricbs sind nachden neuen Untersuchungen als alleinige Ursachen dieser furchtbaren Krankheit anzusehni.Nur wahrscheinlich ist es, daßmehrc dieser erwähnten Ursachen vereint bei schon dazudispe-nirten Thieren, für welche man, Beobachtungen zufolge, solche hält, die an gewissen Ner-venkrankheiten gelitten haben, den Ausbruch der Wuth hcrbeiführen, und daß noch außer-dem gewisse unbekannte endemische und epidemische Verhältnisse dabei Mitwirken. Weilöfter als durch diese Ursachen entsteht die Hundswuth durch den während der Krankheit er-zeugten Ansteckungsstoff, das Wuthgift, welches sich im Speichel und Blute der kran-ken Thiere findet. Werden diese Säfte in das Blut eines andern Körpers übergeführt, soentsteht bei Thieren dieselbe Krankheit, bei Menschen die Wassersch eu (s. d.), währendsie auf die unverletzte äußere Haut und Schleimhaut nicht einzuwirken scheinen, fidaß dirAnsteckung durch den Genuß der Milch und des Fleisches oder durch die Ausdünstung undden Athem wuthkranker Thiere sehr problematisch ist. Mit der eigenen Ansteckung erhal-ten die auf diese Art von der Hundswuth Ergriffene» zugleich die Fähigkeit, das Wuthglstihrerseits immer weiter zu verbreiten; dock scheint dieses nach und nach an Wirksamkeit zuverlieren, und besonders bei den vonVcgctabilien sich nährenden Thieren und bei Mensäu"'eine Veränderung zu erleiden, welche der weitern Ansteckung, namentlich von Geschöpfe»derselben Gattung, nicht günstig ist. Überhaupt ist cS wahrscheinlich, daß eine befinde«Prädisposition vorhanden sein müsse, wenn das in das Blut gebrachte Wuthgift dieKrank-heit sortpflanze» soll, da einerseits durchaus nicht alle von wuthkranken Thieren Gebisseneerkranken, andererseits die Krankheit in Folge von Bissen nur gereizter, aber, wie die fer-nere Beobachtung zeigte, keineswegs wuthkranker Thiere entstehen kann; jedoch ist die dl«dieser Anlage noch nicht genauer bekannt. Die Zeit des Ausbruchs der Krankheit nach geschehener Ansteckung ist sehr verschieden; bei Hunden erfolgt sie fast immer innerhalbTagen. Bis jetzt find alle Versuche, die schon ausgebrochene Wuthkrankheit zu heilen, g«scheitert; wohl aber kann der durch Biß übertragenen durch eine zweckmäßige Behandlungder Wunde vorgebeugt werden, indem so schnell wie möglich nach dem Biß die Wunde au'