Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
352
Einzelbild herunterladen
 

352 Humoralpathologie Humus

mehr Schwachheit als Verbrechen, mehr Thorheit als Laster. Er erblickt in jeder, selbst inder moralischen Verkehrtheit, nicht eine Bosheit, sondern nur ein falsches Urtheil und u.terscheidet sich hierbei dadurch von dem Komiker, daß er mit allem anscheinenden Ernste sichselbst unter die falsch Urtheilenden stellt, während der reine Komiker leichtals außerhalb derClafse befindlich erkannt wird. Es gibt für den Humor keine Thoren, sondern nur Thor-heit und eine tolle Welt. Darum findet er die Menschen weder lächerlich noch abscheulich,sondern bedauernswerth, woraus sich jene milde Empfindsamkeit erklärt, welche dem Hu-moristen vor Andern eigen ist, und durch welche seine Stimmung bald bis zum weichenElegischen herab-, bald bis zum erhabenen Pathos hinaufsteigt. Bemächtigt sich der Ge-danke an beide zugleich seiner Seele, so entsteht jene Ausgelassenheit, in welcher der lebhaf-teste Wih sich sarkastisch in wunderlichenCombinationen entladet. Diese Stimmung, welcheden Humor von seiner erhabenen Seite zeigt und um deren Willen Jean Paul das Humo-ristische dasumgekehrt Erhabene" nennt, darf aber nicht die vorherrschende sein, weil ersonst nur verwunden würde, da er vielmehr heilen und aus der Entzweiung die Harmoniewiederherstellen will. Die humoristische Schönheit kann kaum eine andere sein als einesolche, wobei der individuellen Freiheit ungleich mehr Spielraum »erstattet wird als inWerken von regelmäßiger Schönheit. Ausgezeichnete Humoristiker sind z. B. Sterne.Hippel und Jean Paul.

Humoraipathologie heißt diejenige nosologische Theorie, welche den Ursprung derKrankheiten ans Fehlern der Säfte herleitet, im Gegensatz zu der Solidarpathologie,welche die Ursachen der Krankheiten in der fehlerhaften Beschaffenheit der festen Theile, be-sonders der Nerven und Gefäße, sucht. Die Humoralpathologie ist jedenfalls die ältesteAnschauungsweise der Krankheiten, auf welche die bei diesen so oft veränderte Beschaffen-heit des Bluts, der Galle, des Schleims u. s. w. in Hinsicht auf Quantität und Qualitätnothwendig führen mußte. Zu einer wissenschaftlichen Theorie jedoch wurde sie wahrschein- ^lich erst durch des Empedokles Elementarlehre erhoben, indem man nach der schon altenBetrachtungsweise des Körpers als Mikrokosmus in diesem ebenfalls vier Stoffe suchte, jdie den vier Elementen des Universums entsprächen und aus deren harmonischem und un-harmonischem Zusammenwirken und Zusammentretcn man ebenso die gewöhnlichen undungewöhnlichen Erscheinungen des Lebens herleitete, wie die in der Natur verkommendenBegebenheiten. (S. Humor.) Man setzte nämlich an die Stelle der concreten Gegen- -stände abstracte Begriffe und nahm so durch das Feuer die Wärme, durch das Wasser dieFeuchtigkeit, durch die Luft die Kälte und durch die Erde die Trockenheit repräsentirt an. ^Im menschlichen Körper aber entsprechen der Wärme das Blut, der Feuchtigkeit die gelbeGalle, der Kälte der Schleim und der Trockenheit die schwarze Galle. Sind diese vier Ele-mentarflüssigkeiten < kuinores)in verhältnißmäßiger Menge und in der richtigen Mischungvorhanden, so ist auch Gesundheit da; das Misverhältniß in ihrer Menge und Mischungbedingt Krankheit. Auf dieselben Grundsätze wurde die Lehre von den Temperamen-ten (s. d.) gebaut. Wenn auch im Laufe der Zeit diese Theorie vielfachen Modifikationen,Erweiterungen und Einschränkungen unterworfen wurde, und die vier Elemente der Altensowie die vier genannten Hauptsäfte des Körpers durch die Chemie, Physik und Physiolo-gie die ihnen zugeschriebene Bedeutung verloren, so ist doch die ursprüngliche Idee der Hu-moralpathologie trotz der Anfechtungen, die sie namentlich von den Jatrom athemati-kern (s. d.) erlitt, bis auf die Gegenwart mit der nöthigen Berücksichtigung, welche dieWichtigkeit der festen Theile verlangt, die Grundlage der Pathologie geblieben, da sie inder Praxis eine Stütze findet, welche viele der übrigen medicinischen Theorien entbehren.Vgl. Steinheim,Die Humoralpathologie" (Schlesw. 1826 ).

Humus nennt man das Resultat der Fäulniß thierischer und vegetabilischer Körper.In der Qualität seiner Bestandtheile ist der Humus denjenigen Körpern gleich, aus wel-chen er entstand, im quantitativen Verhältniß erleidet er aber Veränderungen, indem d>!Urstoffe in ein anderes Verhältniß eintreten und ein Theil sich verflüchtigt. Er hat mehrKohlen - und Stickstoff, dagegen weniger Sauerstoff als die Gewächse, aus denen er her-vsrgegangen, und bei der Verwesung entschwindet der Wasserstoff, und es tritt der Kohlen-stoff hervor, der den Humus braunroth oder schwarzbraun färbt. Der Humus ist fthr ver-