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Humboldt (Friede. Heinx. Alex.) 347
die Mannichfultigkcit ihrer Richtung. Ein großer Theil der weitschichtigen span. Colonienin der Neuen Welt war zu Anfang dieses Jahrhunderts kaum an den Küsten bekannt, undselbst den besten Karten durfte nur beschränktes Vertrauen geschenkt werden. Mehr als70l» Ortsbestimmung«:, welche H. auf astronomischem Wege gewann, wurden die Grund-läge eines später von Oltmann hcrausgegcbenen astronomischen Werkes und der großenKarten des Orinoco, Magdalrnenstrvms uno Mcricos. Mit dem Barometer in der Handlegte H. Reisen, wie jene von Bogota bis Lima zurück, mit ihm erstieg er den Pik von Tcne-riffa, denChimboraffo, Antisana, Pcrotc und zahlreiche andere Bergspitzen, und so erlangteer <59 Höhenbestimmungen, die oft durch trigonometrische Messung unterstüht, für dieHypsometrie Amerikas unschätzbare Materialien lieferten, und für manche Provinzen bisjetzt die einzigen geblieben sind. Die später von ihm in Deutschland und Sibirien vorge-nommenen Messungen und die Combinati'on dieser umfangreichen eigenen Arbeiten mitdenjenigen, die andere Reisende in den meisten zugänglichen Weltgegenden gemacht hatten,gaben H. Veranlassung zu Zusammenstellungen, welche auf die Geographie den mächtig-sten Einfluß ausübten, für die Lehre aber von der Verbreitung der Organismen die unent-behrlichsten Stützen bildeten. Die Klimatologie steht in enger Verbindung mit den For-schungen über Bodenbildung; auch sie hat durch H. Aufklärung und viele Erweiterungerhalten. Auf seine mit großer Genauigkeit geführten Tagebücher über meteorologische,thermometrische und elektrische Zustände begründete er jene Darstellung des Klimas derdurchreisten Länder, welche später durch Boussingault, Pentland u. A. glänzende Bestäti-gung erhielten; indem er in gewohnter Weise Alles, was in diesen Beziehungen aus derübrigen Welt zu seiner Kenntniß gelangte, verarbeitete, kegte er den Grund zu einer ver-gleichenden Klimatologie. Ursprünglich zum Mineralogen gebildet, aber frühzeitig eman-üpirt von den zu Ende des vorigen Jahrhunderts geltenden Ansichten, wendete er Vorzugs-weise der geognostischen Erforschung Amerikas seine Aufmerksamkeit zu und trug durchmehre specielle Werke und ein vortreffliches Gesammtbild Her Gebirgsbildung Amerikas,die er später mit derjenigen Europas und Asiens verglich, nicht zur Kenntniß Amerikasallein bei, sondern zur festen Begründung der zwar noch jungen aber mit äußerster Schnel-ligkeit sich entwickelnden Wissenschaft der Geognosie. Die vulkanischen Erscheinungen dergewaltigen Feuerberge von Quito und Mexico und des unbedeutendem Vesuv fanden nach-einander an H. einen scharfen Beobachter und glücklichen Erklärer. Unterstüht von Bon-pland, welchem zumal die Anlegung von Sammlungen überlassen war, sammelte H. inAmerika viele sehr wichtige Beobachtungen über die Verbreitung, den Nutzen, ja sogarüber den Bau der Pflanzen, die er dann wieder in ihrer Verbindung mit den verschiedenenMenschenracen betrachtete, oder als cultivirte unter dem politisch ökonomischen Gesichts-punkte erwog. Mehre botanische Prachtwerke streng systematischen Inhalts, die er in Ver-bindung mit Bonpland herausgab, beweisen, daß er auch in dieser minder lohnenden Rich-tung zu arbeiten völlig befähigt sei; sein botanisches Hauptwerk bleibt jenes über die Geo-graphie der Pflanzen. Das von ihm und Bonpland gesammelte reiche Herbarium, welchesüber novo wegen der damaligen Unzugänglichkeit Südamerikas zum größten Theile neueArten darbot, hat später K. S. Kunth in einem großen Werke beschrieben. Auch dieZoologie verdankt jener Reise nicht unansehnliche Vermehrungen, die in einer Section desH- scheu Rcisewerks niedergelegt sind. Ein anderes kostbares Werk, reich an kunstvoll ge-arbeiteten Abbildungen, entstand durch H.'s Bestreben, die großen Nakurscenen der Anden-kette und die Denkmäler einer untergegangenen Civilisation der Ureinwohner den Euro-päern bildlich vorzuführen. Zum ersten Male sah man in Europa Landschaften, die mitkünstlerischer Auffassung naturhistorische Treue verbanden. Sie verdrängten die phanta-stischen Machwerke früherer Zeiten und begründeten jene naturhistorische Landschaftsma-lern, die in der Gegenwart durch RugendaS und andere deutsche und ausländische Künst-ler zu einer hohen Vollkommenheit gebracht ist. Das Studium der großen Bauwerke»er alten Mexikaner und Peruaner führte H. zu Untersuchungen über die Sprachen, die"°ch erhaltenen Handschriften, den Culturstand und dieWanderungen der ältcrn Bewoh-"er jener Länder, und lohnend gestaltete sich der Vergleich mit den Altägyptern und selbstden Südasiaten, da er die Verwandtschaft der durch weite Meere getrennten Völker erken-