Hugenotten 329
auftrat, griff unter dem Adel und dem Mittelstände der Abfall von der röm. Kirche nochgewaltiger um sich. Aber schon Franz I. unterdrückte die Bewegung durch Strafgesetzeund ließ viele Ketzer verbrennen. Die Verbindung Heinrich's II. mit den deutschenProtestanten leistete anfangs der Reformation einigen Vorschub. Dies änderte sich, alsdie Familie Guise (s. d.) bei Hofe gegen die protestantischen Bourbons die Oberhandgewannen. Seit 1554 bedrohte ein Edict die Ketzer mit dem Feuertode. Unter Franz II.wurde bei jedem Parlamente zur Bestrafung der Protestanten eine glühende Kammer(s. Oksmbre a rck e nte) eingerichtet, und Hinrichtungen, Consiscationen und Verbannun-gen erfüllten fortan das Reich mit Blut und Jammer. Solcher Gewaltsmisbrauch trieb end-lich die Protestanten zur Empörung. Nach dem Gutachten deutscher Theologen und Juri-sten wählten sic den Prinzen Ludwig!. Conde (s. d.), den gewichtigsten Feind des Hofs, zuihrem Haupte. Am I. Febr. > 560 wurde zu Nantes beschlossen, den König um Religions-freiheit und Entfernung der Guisen zu bitten; im Weigerungsfälle sollte der König in Ge-wahrsam genommen und Conde zum Generalstatthalter proclamirt werden. Einem Edel-mann aus Pe'rigord, Georges de Barci de la Renaudie, wurde die Ausführung des Anschlagsübertragen. Doch der Hof, der den Plan erfuhr, floh von Blois nach Amboise (s.d.) undernannte den Herzog Franc, von Guise (s. d.) zum Generalstatthalter. Als einigeScharen bewaffneter Protestanten vor Amboise rückten, wurden sie leicht geschlagen undgefangen; 1200 starben durch Henkershand. Die Guisen betrieben jetzt die Einführungder Inquisition; doch die würdigsten Männer und selbst die Bischöfe widersetzten sichund wirkten das Edict von Nomorantin im Mai 1560 aus, das den Parlamenten dieKetzerverfolgung abnahm und den Bischöfen übertrug. Auf der Notablenversammlungim Aug. wurde sogar beschlossen, die Neligionssache bis zur nächsten Reichsversammlungruhen zu lassen. Während die erzürnten Guisen mit der Ermordung der protestantischenHäupter umgingen, bestieg der unmündige Karl IX. den Thron. Die Königin-Mutter,Katharina von Medici (s. o.), entfernte die herrscksüchtigen Guisen vom Staats-ruder und machte den schwachen Anton von Bourbon zum Generalstatthalter. Die Gui-scn stifteten eine Gegenverbindung, das sogenannte Triumvirat, wodurch Katharina genö-thigt wurde, ihre Stütze in den Protestanten zu suchen. Im Juli 1561 erschien ein Edict,das die Todesstrafe der Ketzer sowie den Schimpfnamen Hugenotten abschaffte. Zur völ-ligen Beilegung des Streites eröffnete der Hof auf den 3. Sept. ein NeligionSgespräch zuPoiffy. Der Cardinal von Lothringen und gegen ihn Theodor Beza (s. d.) waren dieHauptkämpfer. Die Unterredung hatte nur zur Folge, daß sich sämmtliche Protestantenunter dem gemeinschaftlichen Namen der Calvinisten vereinigten und nun mit größererKühnheit auftraten. Zugleich sah sich Katharina durch die Machinationen der Triumvirngenöthigt, mehr als je mit den Protestanten gemeinschaftliche Sache zu machen. Am 17.Jan. >562 erschien ein Edict, das ihnen Gewissensfreiheit, und dem Adel auf seinen Gü-tern freie Religionsübung gewährte.
Die Wuth der Guisen und ihres herrschsüchtigen oder fanatischen Anhangs wargrenzenlos. Am I. März > 562 entstand zu Vassy zwischen dem Gefolge des Herzogs vonGuise und den Protestanten, die in einer Scheune Gottesdienst hielten, eine blutige Metze-lei, welche die Protestanten als Friedensbruch ansahen. Conde warf sich nach Orleans undrief seine Glaubensgenossen zu den Waffen, während sich die Guisen des Königs und dessenMutter bemächtigten und die Protestanten für Aufrührer erklärten. Nachdem die Hof-krnppen am I l. Sept. >562 unter großem Blutvergießen Rouen erobert, kam cs am 19.Dec. zur Schlacht bei Dreux, wo die Protestanten nach heftigem Kampfe das Feld räum-ten. Der Herzog von Guise zog nun vor Orleans, um durch die Einnahme dieses Waffen-Plahes dem Feinde den Todesstoß zu versetzen, verlor aber daselbst am >8. Febr. 1563 dasLeben. Die Königin-Mutter schloß eiligst am 19. März den Frieden von Amboise, der denProtestanten, mit Ausnahme gewisser Bezirke und Städte, freie Neligionsübung ver-schaffte. Katharina indessen haßte den neuen Glauben und hatte sich der Protestanten nurzur Vernichtung der Guisen bedient. Sie schloß jetzt zur Ausrottung der Ketzerei einenges Bündniß mit Spanien, beschränkte die kaum gewährte Freiheit im Aug. 1564 durchdas Edict von Roussillon und trachtete Conde und dem Admiral Coligny (s. d.) fort-