Houchard Houris 309
Houchard (Jean Nicol.), General der franz. Republik, geb. 1749 zu Forbach imDepartement der Mosel, diente im Siebenjährigen Kriege als Gemeiner in einem franz.Cavalcrieregimente und wurde später nach Corsica versetzt. Beim Ausbruche der Revolu-tion, der er sich anschloß, stand er als Capitain im Dragonerregimente Bourbon. Schon1792 befehligte er in der Armee Custine's (s. d.) ein Reiterregiment, mit dem er sich amUnterrhein so auszeichnete, daß ihm nach Custine's Abgänge, im Juni 1792, der Oberbefehlüber die Nordarmee anvertraut wurde. Nachdem er dieses von den Verbündeten mehrmalsgeschlagene und demoralisirte Corps nach Möglichkeit rcorganisirt, brach er am 6. Sevt.1792 aus der Stellung von Steenvorde und Bailleul aufund drängte das 18009 M. starkeBeobachtungsheer des Feldmarschalls Freytag unter blutigen Gefechten bis aufHondscootezurück. Am 8. Sept., nach heißer Gegenwehr, besonders der Hannoveraner, gelang eSihm auch, Hondscoote, den Hauptpunkt der feindlichen Stellung, zu nehmen. Da seine,überdies wenig geübte Armee bedeutende Verluste erlitten, kehrte er, ohne den Vorthcilweiter zu verfolgen, mit der Hauptmacht nach Bambeeken zurück. Doch hatte dieser Siegdie wichtigen Folgen, daß der Herzog von Aork von der Belagerung des durch Ho che (s. d.)vertheidigten Dünkirchen abließ, und daß die Verbündeten überhaupt das Eindringen inFrankreich aufgaben. Einige Tage später besiegte H. nochmals die Holländer in einem blu-tigen Treffen bei Maine; am l 5. Sept. aber wurde er bei Courtray von dem östr. GeneralBeaulieu geschlagen, worauf die Franzosen in wildester Flucht sich bis untex die Kanonenvon Lille zurückzogen. H. war zwar kein außerordentliches Feldherrntalent, aber ein tapfe-rer General, und an diesem schimpflichen Rückzug durchaus ohne Schuld. Dessenungeach-tet ließen ihn die Schreckensmänner verhaften und unter Anschuldigung der Verräthereiam 17. Nov. 1799 das Schasst besteigen. Sein Sohn rechtfertigte ihn in der „Koticsbistorigiie et justiücative snr In vie militaire <Iu AenersI 8." (Strasb. 1899).
Houdötot (Elisabeth Francoise Sophie de Lalive de Belle garde, Gräfin vory,eine der fein gebildetsten und geistreichsten Französinnen ihrer Zeit, geb. >7 39, gelangtebesonders durch ihren Umgang mit Rousseau (s. d.), der ihrer oft in seinen Schriftenbald mit bald ohne Nennung ihres Namens gedenkt und ihr viele poetische Anregungenverdankt, zu einer literarischen Celebrität. Von ihrem Geliebten, Saint-Lambcrt, gefesselt,verschmähte sie die Bewerbungen Rousseau's und starb, nach mancherlei durch die Revolu-tion herbeigeführten Wechselfällen, im I. 1813, als die letzte aus jenem liebenswürdig-fri-volen encyklopädischen Kreise.
Houdon (Jean Antoine), franz. Bildhauer, geb. zu Versailles 17-tI, ein SchülerLemaire's und Pigalle's, gewann als Jüngling von 29 Jahren den großen Preis für dieSculptur und starb als Professor der Kunstschule zu Paris am 19. Juli 1828. Unter sei-nen Statuen sind besonders bemerkenswerth seine Diana, die sitzende Statue Voltaire's,welche er zweimal ausführte und wovon das eine Exemplar im Peristyl der Bühne des77ieätre kranyais aufgestellt ist, die Statue des Cicero im Saale des ehemaligen Erhaltungs-senats, welche den Redner darstellt, wie er den Catilina aus dem Senate weist, seine öfterswiederholteknlense für den König von Preußen, in der er die Idee des Fricrens ausge-drückt hat, und die Marmorstatue Washington's für den Staat Virginien, jetzt im Sitzungs-saale des nordamerikan. Congresses. Unter seinen trefflich gearbeiteten Büsten sind die desPrinzen Heinrich von Preußen, Rousseau's, d'Alembert's, Gluck's, Buffon's, Franklin's,Barthelemy's, Mirabeau'S, Boissy d'Anglas', Lafayette's, Ney's, Napoleon's und derKaiserin Josephine zu erwähnen. Für den Unterricht in der Akademie arbeitete er zwei mitgroßer Kenntniß der Muskellagen ausgeführtc Modelle menschlicher der Haut beraubterKörper, deren größeres, I'ecnrcllö genannt, 7F. hoch ist. H. war wesentlich Naturalistund erscheint von der Manier seiner Schule ziemlich frei. Seine Größe zeigt sich besondersm den Portraitstatuen und Büsten; sein Voltaire scheint zu leben, und schon die Lage desEm Spötters in seinem Lehnstuhl ist charakteristisch. Herrlich, obwol unvollendet, ist dieBüste Gluck's, voll tiefen grandiosen Lebens.
Houris, d. i. die blendend weißen, heißen die Jungfrauen, welche in Mohammed'sParadiese eine der Belohnungen der Seligen ausmachen sollen. Sie sind, nach der SchU»berung des Koran, von blendender Schönheit, keiner Unreinigkeit unterworfen, von keinem