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Horatius
Horatius Flaccus
Horatius ist der Name eines alten pakricischcn röm. Geschlechts. Ihm gehörten ordie drei Horaticr, von denen die röm. Sagengcschichtc erzählt, daß sic unter König Tnl-lus Hostilins zur Entscheidung des Kampfs zwischen Nom und Albalonga den drei albo-nischen Curiatiern, die ebenso wie sie Drillingsbrüder waren, entgcgcngcstcllt worden seien.Zwei der Horaticr waren gefallen, der überlebende aber, von Livius Publius, von AndernMarcus genannt, gewann den Kampf, indem er klug die Gegner v.oneinandcr trennte undeinzeln überwand. Als er siegreich zurückkehrte, empfing ihn seine Schwester, die dem ei-neu Curiatier verlobt war, mit Wehklagen; im Zorn stieß sie der Bruder nieder. Duum-viri (s. d.) der Pcrduellio, die der König zu Richtern über ihn bestellte, verurtheilten ihnzum Tode, das Volk, an das er von dem Nichtcrspruch provocirte, sprach ihn aber frei, unddurch den Vater oder durch die Priester wurde die Entsühnung vollzogen, bei der er untereinem Joch durchschreiten mußte. Dieses, errichtet bei den Altären der Juno Sororia unddes Janus Curiatius, das sogenannte tiAillumsornriiim, wurde auf Staatskosten fortwäh-rend bis in die späte Zeit erhalten; auch die Gräber der gefallenen Horatier und Curialier -waren noch zu Livius' Zeit vorhanden; daß aber ein Grabmal mit fünf Pyramiden beiAlbano Skjaolcro llo^Ii Orari e Ouriuri genannt wird, beruht auf moderner, der antikenAngabe über die Localität widersprechender Willkür. — Nachkommen dieses Horatius wa-ren Marcus Horatius Pulvillus, der nach der Vertreibung der Targuinier, zu derer mitgewirkt, unter den Consuln des ersten Jahres der Republik, 569 v. Ehr., als Nach-folger des Spur. Lucretius genannt wird, und dessen Bruder, Publius HoratiusCocles, von dem erzählt wurde, er habe, als Porsenna 567 Rom angriff, die Pfahlbrü-cke (kons sublicius), die über die Tiber zur Stadt führte, gegen die andringenden Feind!erst mit zwei Genossen, dann allein so lange vertheidigt, bis sie hinter ihm abgebrochen ge-wesen, und sich dann durch Schwimmen zu den Seinen hinübergerettet, die ihn durch einStandbild auf dem Comitium ehrten und mit so viel Land, als er an Einem Tage umpflü-gen konnte, beschenkten. — Von den übrigen Horatiern, die in dem 3. und 4. Jahrh. derStadt theils als Consuln, theils als Consulartribunen angeführt werden, ist namentlich iMarcus Horatius Barbatus erwähnenSwerth, der mit Lucius Valerius Publicola,nach dem Sturz der Decemvirn das Consulat, das er schon vorher zweimal bekleidet hatte,439 v. Chr. erhielt und mit seinem College« die wichtigen Gesetze (leges lloratiae et Va-lerias) durchbrachte, durch welche den Beschlüssen der Tributcomitien Geltung fürs ganzeVolk gegeben, die Wahl von Obrigkeiten ohne Provocation verboten und über Den, der dieplebejischen Obrigkeiten verletze, der Fluch ausgesprochen wurde. Seit dem I. 378 v. Chr.verschwindet das patricische Geschlecht der Horatier aus den Fasten.
Horatius Flaccus (Quintus), nächst Virgilius der gefeiertste röm. Dichter, wurdeam 8. Dec. 65 v. Chr. zu Venusia in Apulien, unter dem Consulat des L. Aurelius Cottaund 8. Manlius Torguatus, geboren. Sein Vater, ein Freigelassener, besaß ein kleinesGrundstück daselbst, verkaufte dasselbe jedoch und zog nach Rom, um für die bestmöglichsteAusbildung seines Sohnes nach seinen geringen Vermägensumständen sorgen zu können.Hier erhielt der junge H. vollständigen Unterricht in den sogenannten freien Künsten, wäh-rend sein Vater ihm als Vorbild in Sitte und Tugend diente, und namentlich war cs derGrammatiker Orbiliu s Pup, llus (s. d.), der in ihm dieLiebcfürdicLccturedergriech.Dichter, besonders des Homer, und für das Studium der griech. Literatur überhaupt erweckteund nährte. Um seine Studien fortzusctzcn, begab er sich im 26. Lebensjahre nach Athen.Während dieser Zeit ereigneten sich in Rom die wichtigsten Veränderungen. Julius Cäsarwurde ermordet, Brutus und Cassius, die letzten Stützen der sinkenden Republik, verließenItalien, kamen nach Athen, rüsteten sich dort zum Kriege und nahmen die röm. Jünglinge,die sich der Wissenschaften wegen hier aufhielten, in ihr Heer auf, unter diesen auch H-,der mit Brutus, in dessen Heere er Tribun, d. i. Führer einer Legion wurde, nach Makedo-nien aufbrach. In der Schlacht bei Philipxi in Makedonien im I. 42 v. Chr., in welcherBrutus und Cassius fielen, rettete H. sein Leben durch die Flucht, obgleich nicht auf schimpf-liche Weise, wie man aus einer seiner Oden hat schließen wollen. Bei seiner Rückkehr fander seinen Vater verstorben, sein väterliches Erbgut eingezogen; Armuth, wie er erzählt,trieb ihn, Verse zu machen. Ob es mit dieser Äußerung so ernstlich gemeint sei, als Manche