272 Holzschneidekunst
Inzwischen hatte aber der Kupferstich eine Ausbreitung und eine Gunst gewönne,i,die dem Holzschnitt rasch gefährlich werden sollte. Im Sanften und Weichen dem letzter»allerdings überlegen und überhaupt einer feiner» Abstufung der Töne fähig, erreicht erdoch dessen markige Kraft nicht. Doch das Zeitalter wendete sich ihm wie mit einemSchlage zu, und schnell sank der Holzschnitt von seiner Höhe herab. Von den Bücher»gingen zuerst die Titel an den Kupferstich über, dann auch die größer,, innern Bilder, undnur Culs-de-Lampe und Vignetten blieben dem Holzschnitt, der nun meist handwerksmä-ßig gearbeitet wurde, da alle bessern Kräfte sich dem Kupferstich zugewendet hatten. Mildem Dreißigjährigen Kriege ging der Holzschnitt fast völlig unter und beschränkte sich wie-der auf Das, womit er 29 t> Jahre früher begonnen, auf Fibeln, Spielkarten, Kalenderund Buchdruckerzierathen. Man hätte ihn vielleicht ganz aufgcgeben, wenn ihn nicht zweiUmstände für manche Werke unentbehrlich gemacht hätten, nämlich seine Fähigkeit, einesehr große Anzahl von Abdrücken zu erleiden, und sich in den gewöhnlichen Letternsatz z>,schmiegen. Erst mit dem 19 . Jahrh. begann seine Wiederaufnahme und zwar durch de»praktischen Sinn der Engländer, welchen die großen Vortheile der Illustration, d. h. desBilddrucks neben und zwischen dem Text, zuerst wieder einlcuchtetcn. Auf die Illustrationist der neuere Holzschnitt, mit wenige» rühmlichen Ausnahmen, zur Zeit eingeschränkt ge-blieben, während der Kupferstich und seine großen Nivalen, der Stahlstich und der Stein-druck, alle von der Buchdruckerkunst unabhängigen Arbeiten unter sich theilcn. Den An-laß zu seiner Wiedererweckung gab dze Liebhaberei der Engländer für das Skizzenhafteund für die typographischen Alterthümer, die Jncunabeln, welche großentheils so reich aneingedruckten Holzschnitten sind. Als der Vater der neuern Holzschneidekunst in Englandgilt Thom. Bewick, geb. 1753 , auf welchen zunächst die Geschwister Byficld folgten. Z»den prachtvollsten neuern Illustrationen gehören Sargent's und Poynder's „kictnrial ecli-1 'wn ok 8 bslespesre", Lane's „kictorial boole «k common Präger", Harvey's „Tausendund eine Nacht" u. s. w. Zur größten Popularität gelangte der engl. Holzschnitt seil1832 durch die Magazine für gemeinnützige Kenntnisse, das „kenn)-mags-nnc", „ 8 n-turelax msgarine" u. s. w-, deren Wohlfeilheit eine schnelle und weite Verbreitung zmFolge hatte. Durch die sehr vervollkommncteMethode des Abklatschens (s.d. undCli-chiren) wurde es möglich, nicht nur die Platten an ähnliche Unternehmungen auf den,Continent abzutretcn, sondern auch der Originalausgabe und wenn sie auch bis auf vieletausend Exemplare stieg, stets scharfe und gute Abdrücke zu sichern. Das trefflichste Unter-nehmen dieser Art auf dem Continent ist das ,Magazin;>ittoresl;iie", dessen Holzschnittezum Theil den besten zugezählt werden können. Auch Frankreich ist gegenwärtig überreichan illustrirten Prachtwerken aller Art; wix erwähnen nur „Gil Blas" von Eigoux, Me-liere und „Don Quixote" von Tony Johannot, „Napolcon's Leben" mit Holzschnitten nachHorace Vernet, „I^ejarilin lies plantes", „Vo)'ages en rigrag", „I^a I<nrman<Iie" unddie genialenJllustrationenGranville's zu Lafontaine,Bc'ranger und dem „I7u-nitremnnlle".So hat sich in Frankreich ein eigener Jllustrationsstil gebildet, der mit der größten Ge-wandtheit gehandhabt wird; doch ist nicht zu leugnen, daß die Unternehmer noch Manchesdurch Engländer arbeiten lassen. Ebenso ist Deutschland von den engl, und franz. Holz-schneidern noch sehr abhängig. Als das Ausgezeichnetste nennen wir die Illustrationen z»Herder's „(LI" von E. Neureuther, zu den verschiedenen Prachtausgaben des Nibelun-genlieds, zu Kugler's ,^Leben Friedrich des Großen" von Menzel und zur „IllustrirtenZeitung". Schon im vorigen Jahrhundert hatten in Deutschland Unger (s.d.) Vater undSohn in Berlin die Bahn gebrochen; ihnen waren Eubitz (s. d.) und Unzelmann daselbstmit den schönsten Leistungen nachgefolgt, und es gehören die Holzschnitte von Eubitz in des-sen „Volkskalender" zum Theil zu den trefflichsten in ihrer Art. In Wien übt Blasius Hö-fel die Holzschneidekunst mit großer Virtuosität, in Leipzig Kretschmar, und auch Mün-chen, Gättingen und andere Städte haben gute Künstler in diesem Fache.
. Die Hauptverbesserungcn, welche die Holzschneidekunst in neuerer Zeit erfahren, sindtechnischer Art und bestehen hauptsächlich in vollkommnern Werkzeugen und Druckpressenund in der Erfindung, zu größer« Platten mehre Stöcke zusammenzusetzen, wodurch eine
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