Holzschneidekunst 27!
bruckerkunst, da nur er mir dem Lettcrnsatz zugleich abgedruckk werden kan», während dieKupfcrplatte einen besondern Abdruck nach dem des Lettcrnsatzes verlangt. Der Holz-schnitt vervollkommnete sich noch im 15. Jahrh. sehr rasch und erscheint in den Arbeitendes sogenannten Meisters L. 8., um I -18», schon beinahe auf seiner höchsten Stufe. DieSchraffirungen sind hier weich und zart, und die Arbeit ist durchweg fein und genau. Bisgegen Ende des >5. Jahrh. gehören die Holzschnittwerke fast ausschlicßend Deutschlandnnd den Niederlanden an; auch noch im 16. Jahrh. finden sie sich nirgend anders in glei-cher Trefflichkeit. Einer der Centralpunkte für den Holzschnitt war die frank. Malerschulc,in welcher zuerst Mich. Wo hlgemuth (s. d.), dann A. Dürer (s. d.), Hans Burgmair,H. Schcuffelin (s. d.) und L. Kr an ach ff. d.) ganze große Reihenfolgen von Blätternunter ihrer Aufsicht in Holz schneiden ließen, während sie selbst, was man allerdings langeglaubte, gewiß nur selten in Holz schnitten. Die Holzschnitte dieser Schule sind vollkom-men wiedergegebene Federzeichnungen, womit überhaupt das Wesen des Holzschnitts be-zeichnet ist. Soll der Künstler ein gemaltes oder getuschtes Bild in Holz schneiden, so mußer sich dasselbe erst,in eine wahre Federzeichnung übersetzen, während der Kupferstich auchnicht einmal eine Übertragung der Federzeichnung, sondern etwas völlig und wesentlich An-deres ist, als irgend eine der übrigen Darstellungsweisen. Von den bedeutender» Malernhat blos Niclaus Manuel (s. d.) viel in Holz geschnitten; von Hans Holbe i n (s. d.) da-gegen ist gegenwärtig so gut als bewiesen, daß die von ihm ausgegangenen herrlichen Holz-schnitte nicht von ihm selbst geschnitten sind; wie denn sein Todtentanz (s. d.) dem Form-schneider Hans Lützelburger, genannt Frank, angehört. Dasselbe gilt von Dürer, von demwir, außer zahllosen einzelnen Blättern und abgesehen von seinen vielen Kupferstichen, nichtweniger als sieben größere oder geringere Reihenfolgen von Holzschnitten besitzen: 1) dieApokalypsis (HW), 2) die große Passion (1511), 3) die kleine Passion (1511), 4) dasLeben der Maria (1511), 5) die Ehrenpforte Kaiser Maximilian's (1515), 6) die Pracht-säule (1517), und 7) Maximilian's Triumphwagen (1522), Werke, deren Übertragungin Holz allein schon ein Künstlerleben ausfüllen könnte. Andere treffliche Arbeiten jenerZeit sind der „Theuerdank", der „Weißkunig", die östr. Heiligen, der Prospect von Köln,von Ant. von Worms 1531, und viele zum Theil kolossale Blätter, enthaltend: Genealo-gien, große Kartons, Triumphzüge, Landkarten in Vogelperspective, lebensgroße Portraits,Ansichten u. s. w. Übrigens kam damals nicht selten vor, daß Holzstöcke in Blei oder Let-terngut abgeklatscht wurden, und daß,man vom Abklatsch (dicket) druckte; auch schnittman bisweilen, namentlich verzierte Anfangsbuchstaben, in Metall gerade so wie in Holz.Die gleichzeitigen i ta li en. Holzschnitte entsprechen in Masse und Güte ungleich wenigerdem Standpunkt der damaligen ital. Kunst, als die deutschen dem der Deutschen; sie sindmeist derb und skizzenhaft behandelt. Eine Erfindung, die schon früher von Ulr. Pilgramgemacht worden war, nehmen die Italiener für Hugo da C arpi (s.d.) in Anspruch, nämlichdas sogenannte Helldunkel (s. d.), eine Nachahmung von Tuschzeichnungen, in welcherdie Umrißlinien und die verschiedenen Tuschlagen der Schatten durch verschiedene Holz-platte» übereinander gedruckt wurden. Nach Carpi zeichnete sich auch A. Andrea»! in die-ser Gattung aus. In den Niederlanden sind besonders die von Lukas von Leyden (s.d.)herausgegebenen Holzschnitte durch derbe und breite Behandlung ausgezeichnet; Antwer-pen blieb lange ein Hauptplatz für den Holzschnitt. Wenig bedeutend sind die LeistungenFrankreichs, und England und Spanien ließen sich geradezu ihren Bedarf an Holzschnittenaus Deutschland kommen, welches immer das rechte Mutterland der Gattung geblieben istund in seinen Werkstätten zu Ulm, Nürnberg, Augsburg, Basel, Strasburg, Mainz, Frank-furt, Köln, Lübeck, Wittenberg u. s. w. Mehres und Trefflicheres schuf, als alle übrigenLänder zusammengerechnet.
Die Zeit der größten Verbreitung des Holzschnitts war das 16. Jahrh.; damals warer in einem Grade populair, wie er es wol nie mehr werden wird. Bibel und Classiker,Chroniken und Romane, Neisebeschreibungen und Gebetbücher, besonders auch Alles, wasfür das Volk bestimmt war, Fliegende Blätter, Berichte wichtiger Ereignisse, Kalender undCaricaturen, waren mit mehr oder minder vollkommenen Holzschnitten verziert, welche bisu> das 17. Jahrh. fast die einzige bildliche Ausstattung der Drucke ansmachten.