Heinrich der Jüngere (Herzog von Braunschweig) 33
spruch nicht genommen werden. H. griff zu den Waffen, schlug bei Hallerfelde diekölnischen Heerhaufen, trieb seine Gegner aus Ostfalen und nahm den HalberstädterBischof Ulrich gefangen; ja er würde sich aller seiner Feinde siegreich erwehrt haben,wenn er nicht den Grafen Adolf von Holstein dadurch, daß er die bei Hallerfelde gemach-ten Gefangenen ihm verweigerte, von sich abgewendet hätte. Der Kaiser rückte mitdem Neichshcere nach Sachsen; H.'s Vasallen wurde eine Frist gesetzt, binnen welchersie die Fahnen des Geächteten verlassen oder selbst als Geächtete behandelt werdensollten. Verlassen flüchtete er nach England zu seinem Schwiegervater, König Hein-rich II.; Braunschweig allein blieb ihm getreu und wurde vergeblich vom Bischof vonKöln belagert. Um nicht Alles zu verlieren, bat er zu Erfurt l 182 fußfällig den Kaiserum Gnade, gewann aber nichts als die Zusicherung, daß seine Erblande, Braunschweigund Lüneburg, ihm verbleiben.sollten; jedoch mußte er drei Jahre hindurch außerhalbDeutschland als Verbannter leben und ging deshalb mit seiner Familie nach England.Vom Erzbischof zu Köln, Philipp, der sich mit dem Kaiser entzweit hatte, zur Rückkehrveranlaßt, lebte er seit I 184 zu Braunschweig ganz ruhig; doch der Kaiser traute ihm nicht,sondern verlangte, als er nach Palästina zog, daß er ihm entweder folge oder nochmals dreiJahre nach England gehe. H. wählte 1188 das Letztere; als man jedoch beim Tode seinerGeniahlin Mathilde zu Braunschweig das Versprechen, seine Allodicn nicht anzutasten,keineswegs hielt, glaubte auch er seines Versprechens sich enthoben, kam 1189 nach Stade,wurde von seinem ehemaligen Keinde, dem Erzbischof von Bremen, der jetzt seiner bedurfte,mit offenen Armen ausgenommen und schlug bald, da die treuen Vasallen von Wölpe,Schwerin und Ratzebgrg sich wieder zu ihm sammelten, die Dänen und Dithmarschen in dieFlucht. Nachdem Hamburg, Plön und Itzehoe erobert waren, nahm er Bardowiek, wel-ches sich nicht unterwerfen wollte, mit Sturm und zerstörte es fast ganz bis auf den Dom,an dessen Mauern er das Bild des rächenden Löwen mit der Inschrift „Vestigia L>eon',!>"setzen ließ. Schnell ergaben sich hierauf Lübeck und Lüneburg; doch in der Schlacht beiSegeburg gegen Adolf von Dassel, den Statthalter Holsteins, war H. unglücklich. InGemeinschaft mit König Heinrich, den sein Vater als Reichsverweser in Deutschland ge-lassen hatte, belagerten nun die Bischöfe von Hildesheim und Halberstadt Braunsckweig,bis endlich l ISO durch Vermittelung der Erzbischöfe von Mainz und Köln ein Vergleichzu Stande kam. Zwar dauerte auch dieser Vergleich nicht lange; allein alle Feindschafthatte ein Ende, als H.'s ältester Sohn, Heinrich, sich mit AgneS, der Erbtochter des Pfalz-grafen Konrad am Rhein, vermählte, welcher Kaiser Friedrich's Bruder war. H. starb zuBraunschwcig 1195 und wurde im dasigen Dome begraben, wo noch jetzt sein Denkmalvorhanden ist. Er war tapfer, großmüthig, unermüdet thätig und dabei fromm; aber auchstarrsinnig und leidenschaftlich. Uber sein Zeitalter ragt er besonders dadurch hervor, daßer Handel, Gewerbfleiß, Bürgerglück und Wohlhabenheit in seinen Ländern zu verbreiten,die Künste emporzubringen und Gelehrsamkeit zu fördern bemüht war. Er unterlag nieseinem harten Schicksale, sondern kämpfte ihm rastlos entgegen. Ihm folgte in der Negie-rung sein Sohn, Heinrich der Schöne. Vgl. Böttiger, „H. der Löwe, Herzog der SachsenundBaiern; ein biographischer Versuch" (Hannov. 1319).
Heinrich der Jüngere, Herzog von Braunschweig, 1514—68, ein Sohn Hein-rich des Altern, geb. 1489, war der entschiedenste Gegner der Reformation. Bald nachseinem Regierungsantritte kam er mit dem Bischof von Hildesheim in Fehde, die für ihnsehr unglücklich endete, indem er in der Schlacht bei Soltau, am 29. Juni 1519, völliggeschlagen wurde. Durch die Gunst Kaiser Karl's V. wurden jedoch nachmals ihm undseinem Vetter Erich fast sämmtliche hildesheimische Stiftslande zugesprochen. Im Bauern-kriege zog er dem Landgrafen von Hessen und dem Herzoge von Sachsen zu Hülfe undnahm Theil an der Schlacht bei Frankenhausen. Als er, nimmer ruhend, eine Fehde gegenGoslar erregt hatte und die Stadt belagerte, rief ihn Karl V. zu Hülfe gegen den Papstund Venedig. H. zog nach Italien mit 1090 wohlgerüsteten Reitern; allein das Heerwurde die Beute ansteckender Seuchen, und er selbst entkam mit genauer Nochmals Knechtverkleidet, den überall auflauern deiEei nden. Inzwischen hatte die Kicchrnverbesserung inSony.-Lex. Neunte Ausl. 3