30 Heinrich Raspe Heinrich der Erlauchte
in Afrika keine Gelegenheit, durch die Mauren Kenntnisse von den Ländern zu erlangen,die an Ägypten grenzten, und nachzuforschcn, ob man um die Westküste von Afrika einen sWeg zu den Schätzen Indiens finden könnte. Zu Sagres errichtete er eine Sternwarte,mit welcher er eine Anstalt in Verhindung setzte, in welcher junge Edcllcute in allen zurSchiffahrtskunde erfoderlichen Wissenschaften unterrichtet wurden. Die hier Gebildetensendete er später auf Entdeckungen an der Küste der Berberei und Guineas aus; doch blie-ben diese Reisen ohne wichtige Ergebnisse, bis Juan Gonsalez Jarco und Tristan V«,durch Stürme verschlagen, die Insel Puerto-Santo und 1418 Madeira (s. d.) entdeck-ten. Jetzt waren seine Gedanken auf die goldreiche Guineaküste gerichtet. Nur sein beharr-licher Muth konnte die Schwierigkeiten überwinden, die der Unternehmung entgegenstan-den. Ohne auf die Äußerungen der Kurzsichtigkeit und den Spott zu achten, welcher seinekühnen Plane traf, ließ er 1433 Eilianez, einen seiner Seefahrer, unter Segel gehen, umdas Vorgebirge Non, welches man bisher als den äußersten Punkt der Erde angesehenhatte, zu umsegeln. Glücklich umschiffte dieser das Vorgebirge Bojador und nahm Besitzvon der Küste. Ein größeres Schiff, welches H. im folgenden Jahre ausscndete, kam noch3«) Meilen über Bojador hinaus. Bei diesen glücklichen Unternehmungen verstummte all-mälig der Tadel. H.'s Bruder Pedro, der während Alfonsws V. Minderjährigkeit die Re-gierung führte, bestätigte ihm nicht nur die Schenkung der Inseln Puerto-Santo und Ma-deira, die H. schon vom Könige Eduard erhalten, sondern verhieß ihm auch kräftige Unter-stützung. Der Papst Martin V. bekräftigte ebenfalls die Schenkung der beiden Inseln undsprach zugleich den Portugiesen alle Länder, welche sie längs der afrik. Küste bis Indienentdecken würden, als Eigenthum zu. Als vollends Antonio Gonzalez und Nuno Tristanl 440 bis zum Weißen Vorgebirge vordrangen, eilten von allen Seiten Jünglinge herbei,um an diesen Entdeckungsreisen Thcil zu nehmen. H. hatte bisher alle Kosten allein be-stritten; von nun an bildeten sich Gesellschaften^ die unter seiner Leitung auf Entdeckungenausgingen, und was bisher die Sache eines einzigen Mannes gewesen war, wurde bald die ^des ganzen Volks. H. wurde immer eifriger in seinen Bemühungen; Nuno Tristan um-schiffte l446 das Grüne Vorgebirge, und Gonzalez Vallo entdeckte 1448 drei der Azori-schen Inseln. Er starb 1463, nachdem er noch die Freude gehabt, die Entdeckung der KüsteSierra-Leone zu erleben.
Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen, der zweite Sohn des Ländgrafen Her-mann's I., verdrängte, trotz aller Vorstellungen des edeln Walther von Vargula, nach demTode seines ältern regierenden Bruders, Ludwig des Frommen, dessen Gemahlin, dieheilige Elisabeth, sammt ihren Kindern und maßte sich die Herrschaft seines Neffen undMündels, Hermann's ll., an. Zwar überließ er diesem, als derselbe >239 mündig gewor-den war, die Landgrafschaft Thüringen mit Hessen und behielt nur die PfalzgrafschaftSachsen, allein der plötzliche Tod Hermann's II. im I. 1242 wird wol nicht ganz mit Un-recht dem herrschsüchtigen Oheim, der ihn beerbte, zur Last gelegt. Mehr als nach innenwar H. von nun an nach außen hin thätig; er stand den Böhmen gegen die einbrechendenMongolen bei, gleichzeitig wurde er 1242 Reichsverwcser für den Sohn Kaiser Fricd-rich's H., dem jungen Konrad. Vermöge dieser hohen Stellung gelangte er zu bedeuten-dem Ansehen, und als der Papst den Kaiser >24) mit dem Bann belegt hatte, wurde H. eauf einer größtcnthcils aus geistlichen Fürsten bestehenden Ncichsvcrsammlung zu Würz-burg im Mai 1246 zum Könige ausgerufen, deshalb aber auch spottweise dc>- Pfaffenkö-nig genannt. Mittels päpstlicher Gelder sammelte er ein großes Heer und br.. bte seinemGegner, dem König Konrad, im Aug. 1246 eine vollständige Niederlage bei, wkrankteaber während des Kriegszugs und starb auf der Wartburg im Febr. >247, ohne m n einerseiner drei Gemahlinnen Nachkommenschaft zu hinterlassen. Mit ihm schloß sich die mitLudwig dem Bärtigen anhebendc Reihe der aus fränk. Königstamme entsprossenen thüring.Ludovinger, und um sein reichesErbe erhob sich der thüring. Erbfolgestrcit. (S. Th ü r i n ge n.)
Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meißen, war bei seines Vaters, Diet-rich des Bedrängten (s. d.), Tode im I. >221 erst drei Jahre alt und stand anfangsunter Vormundschaft seines biedern Oheims, des Landgrafen Ludwig des Frommen vonThüringen, der auch eine Eventualbelehnung über Meißen erhielt, leider aber schon > 227