Heinrich der Seefahrer 29
Fürsten zu Freunden haben wollte, am 6. Jan. 1540 mit Anna von Kleve. Da er aberdie Prinzessin nicht liebgewann, ließ er sich schon im Juli von ihr scheiden. Er verwickeltezugleich seinen Kanzler, Thom. Cromwell, der ihm zu dieser Verbindung gerathen, in ei«nen Hochverrathsproceß und ließ ihn am 28. Juli schuldlos enthaupten. Durch den Ein-fluß der Katharina Howard, mit der sich H. am 8. Aug. 1540 vermählte, traten der Her-zog von Norfolk und Gardiner (s. d.) an die Spitze der Geschäfte und begannen dieProtestanten wüthend zu verfolgen. Viele ausgezeichnete Männer, welche die sechs Artikelbezweifelten, wurden verbrannt oder gehenkt. Unterdessen mußte der König zu seinemSchrecken erfahren, daß seine neue Gemahlin sehr unzüchtig gelebt habe und noch lebe.Der Tyrann war bis zu Thränen betrübt, ließ aber Katharina, deren eheliche Untreue nichtvöllig erwiesen, dennoch am 12. Febr. 1542 mit ihren vermeintlichen Helfern und Liebha-bern hinrichten. Vergeblich hatte H. seinen Neffen Jakob V. von Schottland zu einer glei-chen Kirchenreformation zu bewegen gesucht und darum mit demselben Krieg angefangen.Demzufolge schlug ein engl. Strcifcorps von 500 M. am 24. Nov. 1542 die uneinigenSchotten am Solway, worauf Jakob aus Gram starb. H. faßte nun den Plan zur Verei-nigung der schot. und engl. Krone und suchte mit Hülfe der Familie Hamilton (s. d.) dieVerlobung seines Sohns mit Maria, der Erbtochter Jakob's V., durchzusetzen, sah sichaber durch die katholische Partei (s. Beaton) an seinen Entwürfen gehindert. Am 12.Juli 1543 heirathete H. die Witwe des Lord Latimer, Katharina Parr, die den eigensinni-geuTyrannen geschickt zu leiten und mit List dem Verdachte derKetzerei zu entgehen wußte.Noch einmal verband sich H. im Febr. 1543 mit dem Kaiser gegen Franz I., der ihn viel-fach verspottet und besonders in der schot. Angelegenheit erzürnt hatte. Nachdem er dasThronrecht seinen Töchtern, Maria und Elisabeth, wiedergegeben, eröffnete er im Juli1544 von Calais aus den Krieg gegen Frankreich, während der Kaiser in der Champagnevordrang. H.'s Eigensinn, der jedes gemeinschaftliche Vordringen verwarf, aber am 14.Sept. 1544 Boulogne eroberte, hatte zur Folge, daß der Kaiser schon am 18. Sept. denFrieden zu Crespy schloß. Erst im Juni. 1546 willigte der König in die Beilegung einesfast erfolglosen Kampfs, der England 1,300000 Pf. St. kostete. Gegen Ende des I. 1546fiel H. in ein schleichendes Fieber, das ihn um so mehr beunruhigte, als sein Sohn erst neunJahre alt war. Besonders fürchtete er den mächtigen Herzog von Norfolk und dessen Sohn,Graf von Surrey, einen talentvollen Jüngling, der sich einer aufgedmngenen Vermählungwidersetzt hatte. Der König ließ den Sohn unter leerem Vorwand enthaupten. Der Vateraber entging dem Tode, indemH. am 28. Jan. 1547starb. Noch mit gebrochener Stimmehatte er den Befehl zur Hinrichtung für den nächsten Morgen gegeben. Unmittelbar ver-dankte England diesem grausamen, gewaltthätigen, verschwenderischen, aber kraftvollenDespoten sehr wenig. Während seiner Regierung erhielt durch die Successions- und Re-ligionsedicte der Begriff des Hochverraths eine so mannichfaltige Bedeutung und Anwen-dung, daß kein Haupt, auf das es abgesehen war, dem Todessireiche entgehen konnte. DieGroßen rächten sogleich die Tyrannei, indem sie die Anordnungen H.'s während der Min-derjährigkeit seines Sohns, Eduard's VI. (s. Tudor), umstießen und den Herzog vonSomers et (s. d.) zum Protector erwählten.
Heinrich der Seefahrer, Jnfant von Portugal, der vierte Sohn König Io-hrnn's l., geb. 1394, zeichnete sich 1415 bei der Eroberung von Ceuta so rühmlich aus,daß ihm sein Vater die Ritterwürde ertheilte. Portugal genoß damals einer glücklichenRuhe; die Nation war thätig und unternehmend, und der Trieb, Entdeckungen und Ero-berungen zu machen, fast allgemein. Besonders zeichnete sich hierin der Jnfant H. aus.Mehr noch als dieWaffen, obschon er früh glänzende Beweise seines Muths gegeben hatte,liebte er die Wissenschaften, besonders Mathematik, Sternkunde und Schiffahrtskunst.Nach dem Tode seines Vaters wählte er die Stadt Sagres in Algarbien, unweit des Vor-gebirgs St.-Vincent, zu seinem Aufenthalte und setzte den Krieg gegen die Mauren inAfrika rüstig fort. Er beunruhigte ihre Küsten durch seine Schiffe und seine Seeleute ka-men auf diesen Zügen in Gegenden des Weltmeers, welche die Schiffahrcr jener'Zcit langefür unzugänglich gehalten hatten. Seine Hauptabsicht hierbei war die Entdeckung unbe-kannter Erdgegenden. Vertraut mit der Erdkunde, versäumte er während' seiner Feldzüge