23
Heinrich IV. (König von England)
tagenet (s. d.) von Anjou und Mathilde's, der Tochter Heinrichs!, von England, wurdeam 3. März 1133 in der Normandie geboren und von dem gelehrten Robert von Gloucc-ster trefflich erzogen. Nach dem Willen des Großvaters war seiner Mutter und ihm derengl. Thron bestimmt. Allein sein Vetter,-Stephan von Blois (s. Großbritannien),wußte sich denselben zuzueignen und gegen Mathilde zu behaupten. Vom Vater erbte H.
1 l5l Anjou und Maine, und durch Verheirathung mit der geschiedenen Gemahlin Lud-wig's VII. von Frankreich, Eleonore von Poitou, wurde er 1152 Allodialherr des drittenTheiles von Frankreich. Er begann nun mit dieser Hausmacht den Krieg gegen Stephanund zwang denselben, ihn zum Erben der engl. Krone einzusctzen. Demzufolge bestieg H.am >9. Dec. 1154 den Thron. Unter achtzehnjährigen Empörungen und Kriegen war dasLand in tiefe Zerrüttung versunken. H. beschwor zwar den Freibrief seines Großvaters,zog aber auch die verschleuderten Krongüter wieder ein, bändigte den wilden, räuberischenAdel, milderte das Joch der Bauern und hob das Städtewesen, Handel und Gewerbe durchnützliche Privilegien. Die Heerbannpflichtigkeit verwandelte er, um die Krone von denGroßen völlig unabhängig zu machen, in eine Geldleistung, das sogenannte Scutagium;zugleich trieb er die niederländ. Söldnerbanden aus dem Lande und warb in seinen eigenenProvinzen. Nachdem H. 1161 einen Kampf in Frankreich beendet, unterwarf er mit be-deutender Streitmacht die unruhigen Walliser und zwang deren Fürsten zur Huldigung.Dann suchte er dem Papste und dem Klerus solche Schranken zu setzen, daß deren Anma-ßungen die Regierungseinheit nicht mehr störten. Die Prälaten mußten 1164 aus demReichstage zu Clarendon eine Kirchenconstitution unterschreiben, welche die Acte des Pap-stes der Krone unterstellte. Thomas B ecket (s. d.), den der König 1162 vom Kanzlerzum Primas erhoben, wiegelte aber hinterher die Geistlichkeit auf und setzte das ganze Reichin Bewegung. Mn von H. im Unwillen über den treulosen Priester hingeworfenes Wortveranlaßte 1179 mehre Edelleute den Beckct am Altäre zu ermorden. Man beschuldigteden König, gewiß aber mit Unrecht, dieses Verbrechens, und nun brach Fanatismus undEmpörung von allen Seiten los, besonders als die Priesterschaft den Ermordeten zumwunderthätigen Heiligen machte. H. mußte endlich, um den Bann von seinem Haupte zuwenden, am Grabe des Heiligen Buße thun und den Mord abschwörcn. Auch die Consti-tution wurde widerrufen. Dafür erlaubte der Papst dem Könige, das in sich zerrissene Ir-land (s. d.) zu erobern, was von l171 —V2 geschah. Viel Unheil verursachte ihm auchseine böse, auf die schöne Nosamunde C lisford (s. d.) eifersüchtige Gemahlin Eleonore.Dieselbe reizte den Kronprinzen Heinrich, der 1171 Mitregent geworden, zur Empörung.Der Prinz eröffnete mit seinen Brüdern und dem Könige von Frankreich gegen den Vaterden Krieg in dessen franz. Besitzungen. Zugleich schlug König Wilhelm von Schottlandlos und der Graf Leicester erhob die Fahne des Aufruhrs in England. H. überwältigte dasHeer des letzter« am 26. Aug. 1173 bei Dolen, machte sich durch den Sieg bei Alnwick amI3.Aug. 1174 den schot. König lehnspflichtig und setzte dann nach Frankreich über, woer schnell Frieden schloß und den Söhnen verzieh. Große innere Reformen folgten diesenWirren. H. schaffte gegen 1 >76 die Gottesurtheile ab, theilte das Land in Gerichtsbezirke,wie diese heute noch bestehen, führte die Assisen ein und milderte die Jagdgesetze und dasStrandrecht. Auch die gegenwärtigen Gefttze Englands gegen Schuldner haben ihn zumUrheber. Im I. 118V brachen zu seinem Leidwesen die Zwiste mit seinen Kindern wiederaus, in die sich auch der König von Frankreich mischte; und kaum war dieser Krieg gegendie habsüchtigen Söhne beigelegt, als Richard die Waffen gegen den Vater 1188 nochmalsergriff und die franz. Besitzungen in Aufruhr brachte. H. gab deshalb den Entschluß zueiner Kreuzfahrt nach Palästina aus und rüstete in England. Als er aber auf der Liste derEmpörer auch den Namen seines Lieblingsohnes, Johann, fand, warfihn der Schmerz aufdas Krankenlager; er starb am 6. Juli l 189. Der einzige Fehler dieses großen, edeln undgebildeten Königs war wol, daß er Andern zu leicht Vertrauen schenkte. Da der ältesteSohn, Heinrich, 1183 gestorben, folgte ihm aus dem Throne der zweite, Ni chardI. (s. d.).Vgl. Lyttleton, „üistor)' nk Ille live oftzlenr^ II" (3 Bdc., Aond. 1767).
Heinrich IV., König von England, 1399—1413, geb. 1367, der Sohn Johann'svon Gaunt, Herzogs von Lancaster, und der Enkel König Eduard's III., führte früher die