Heinrich IV. (König von Frankreich) LI
durch den Tod des durch Mörderhand verwundeten Königs, kraft des Salischen Ge-setzes (s. d.) und der Verordnung des Sterbenden, die franz. Krone zufiel.
Hoher Muth und Geistesgröße war erfoderlich, um den Kampf um den Thron gegendie von einer fanatischen Priesterschaft, dem Papste und dem Könige von Spanien unter-stützte Ligue rüstig fortzuführen. Ungeachtet des Treueids fielen bald die katholischenTruppen und Anführer von H. ab. Da der Herzog von Mayenne (s. Guise) mit einemstarken Heere anrückte, zerstreute der König seine Truppen, verschanzte sich mit 6000 M.hinter dem Flusse Bethune bei Dieppe und schlug in dieser Stellung am 21. Sept. 158»das 30000 M. starke Heer des Herzogs. Schon am I. Nov. erschien er wieder vor Paris,zog sich aber am folgenden Tage zurück und begann, von England durch Geld und Mann-schaft unterstützt, die Eroberung der Provinzen. Die Sache der Liguisten befand sich ingroßer Verwirrung. Der König von Spanien hatte sich zum Bundeshaupte erklärt undhegte den Plan, seine Tochter Jsabella, die Nichte Heinrich's III., durch Umgehung des Ta-uschen Gesetzes auf den franz. Thron zu setzen. Um die span. Ränke zu hindern, ließ derHerzog von Mayenne am 21. Nov. 1589 den alten Cardinal von Bourbon als KarlX. zuParis zum Könige ausrufen und ertheilte sich selbst die Würde eines Eeneralstatthalters.So gestalteten sich mehre Parteien, welche einander lähmten und dem Könige H. in dieHände arbeiteten. Durch ein span. Hülfscorps unter dem Grafen Egmond verstärkt, griffMayenne den König am l-1. März >59« bei dem Flecken Jvry an der Eure an und verlordabei 10000 M. und sein Geschütz. H. belagerte nun nochmals Paris, eroberte am 27.Juli die Vorstädte und stand schon wegen der Übergabe in Unterhandlung, als er sich vorder Ankunft des Herzogs von Parma, welcher der Ligue 15000 auserlesene Spanier ausden Niederlanden zuführte, zurückzichen mußte. Auch der Papst Gregor XIV. schickteGeld und ein Hülfscorps von 10000 M., und der Herzog von Savoyen eröffnet? in derDauphine und Provence den Krieg. H., obschon durch engl, und deutsche Hülfsvölker all-mälig auf 30000 M. verstärkt, beschränkte sich jetzt auf die Einnahme fester Plätze. DerUmstand, daß auf der am 26. Jan. 1593 zuParis cröffneten Reichsversammlung die An-träge Spaniens zu Gunsten Jsabella's verworfen wurden, stimmte die Gemüther der Ka-tholiken für ihn allmälig milder und trug dazu bei, daß Mayenne endlich in einen Waffen-stillstand willigte. Und dennoch würde H. wahrscheinlich nie in den vollen Besitz seinesReichs gelangt sein, hätte er sich nicht jetzt auf den Rath seines klugen und redlichen Mini-sters de Rosny, später» Herzogs von S ul ly (s.d-) entschlossen, zumKatholicismns über-zutreten. Dies geschah am 25. Juli 1593 in der Kirche zu St.-Denys. So sehr dieserSchritt die Hugenotten verletzte, setzte er die Katholiken, namentlich die arg bedrängteHauptstadt, in große Freude. Der Adel und die wichtigsten Städte fielen ihm nun zu, undnachdem er sich am 27. Febr. 1593 zu Chartres hatte krönen lassen, öffnete ihm auch am22. März Paris ohne Gewalt die Thore. Allmälig erst verglichen sich die Häupter derLigue. Der Herzog von Mayenne unterwarf sich im Jan. 1596, nachdem H. einige Monatezuvor vom Papst Clemens VIII. die Absolution erhalten; der Herzog von Mercoeur führtesogar den Krieg in Bretagne bis 1598.
Ungeachtet H. mit Weisheit, Eroßmuth und dem ihm eigenen Wohlwollen zu Werkeging, bedrohten ihn doch fortwährend die Dolche der von den Jesuiten angcstiftetcn Fana-tiker. Da der span. Hof Alles aufbot, den Bürgerkrieg wieder anzufachen, so wurde demsel-ben im Jan. 1595 förmlich der Krieg erklärt, der ohne große Erfolge an den Grenzen derNiederlande fortgeführt wurde, bis H., freilich ohne Rücksicht auf seinen BundesgenossenEngland, am 2. Mai 1598 mit Spanien den Frieden zu Vervins schloß. Zu gleicher Zeitberuhigte er die Hugenotten (s. d.), am 13. Apr. 1598, durch das berühmte Edict vonNantes. Nach der Scheidung von seiner ersten Gemahlin, heirathete der König auf Zu-thun des Papstes 1600 Maria von Medicis, die Tochter des damaligen Großherzogs Fer-dinand von Toscana. Einen kurzen Krieg mit Savoyen um Saluzzo abgerechnet, hatte H.nun Ruhe, um an der Hebung des innern Zustandes seines tief zerrütteten Reichs zu arbei-ten. Die Statthalter und großen Grundbesitzer hatten sich in den langen Wirren fast sou-verain gemacht; sie erhoben eigenmächtig Zölle, Abgaben, legten Frohndienste auf undspotteten des Parlaments, dessen Ansehen durch häufige Zersprengung gänzlich gesunken