Heinrich II (König von Frankreich) 17
Sein Vater hatte ihm die königliche Gewalt unumschränkt, den Schatz gefüllt, das Reichberuhigt hinterlassen und ihn sterbend vor der Herrsucht des Hauses Guise (s.d.) gewarnt.Dessenungeachtet überließ H., als er 1547 den Thron bestiegen, die Staatsverwaltung denEmsen, rief den verwiesenen Connetable Montmorency (s. d.) zurück und ergab sichganz einer alten Geliebten seines Vaters, der Diane von Poitiers, die er zur Herzogin vonValentinois erhob. Alle diese Personen, zu denen noch die herrschsüchtige Königin hinzukam,bildeten verschiedene Parteien, die im Streite um die politische Gewalt den Staat durch Will-kür und Raubsucht zerrütteten. So setzte der Hof die Verfolgung der Reformirten fort, weilsich Diane durch deren Güter bereicherte und die Guisen nach der Gunst des niedern Volksstrebten. Nach außen mußte sich H. in die schot. Angelegenheiten (s. S chottland) mi-schen und einen Krieg mit England beginnen, der im März l 550 die Rückgabe der StadtBoulogne an die franz. Krone zur Folge hatte. Mit dem Kaiser hatten bereits die Händelum Parma begonnen. Am 15. Jan. 1552 schloß H. mit dem Kurfürsten Moritz (s.d.)von Sachsen und dessen protestantischen Bundesgenossen das Bündniß gegen den Kai-ser zu Chambord- Während Moritz in Deutschland vordrang, fiel H. mit 35000 M. imMärz in Lothringen ein, eroberte Toul und Verdun, besetzte Nancy, während der Connetableam 10. Apr. durch Verrätherei Metz nahm. Von Strasburg, das er vergeblich überfiel,wendete sich der König nach Niederelsaß und besetzte die Gegend von Hagenau bis Wcißen-burg. Karl V., nachdem er am 27. Mai 1552 den Separatfrieden zu Paffau mit den pro-testanstischen Fürsten geschloffen, ließ im Oct. den Herzog Alba mit einem bedeutendenHeere vor Metz rücken, das jedoch Frans, von Guise (s. d.) auf das heldenmüthigste ver-theidigte. Im Feldzuge von 1554 stellte H. drei Armeen ins Feld, die Artois, Hennegauund Lüttich verwüsteten, viele feste Plätze Wegnahmen und die Kaiserlichen bei Renty schlu-gen. Auch inJtalien hatteH. den Krieg seit 1552 geführt. DerMarschall Brissac (s. d.)kämpfte glücklich in Piemont; eine franz.-türk. Flotte unter dem türk- Anführer Dragutsollte die Eroberung des Königreichs Neapel unterstützen, die jedoch daran scheiterte, daßsich die franz. Marschälle Paul von Termes und Peter Strozzi zu Siena nicht behauptenkonnten. Erschöpft schloß H. mit dem Kaiser zu Vaucelles im Febr. 1556 einen fünfjähri-gen Waffenstillstand. Der Papst Paul IV. bestimmte jedoch den franz. Hof zum Bruchedieses Friedens, und schon im folgenden Jahre mußte derHerzog von Guise mit 20000 M.nach Italien zur Eroberung Neapels aufbrechen. Das Unternehmen scheiterte an derFeigheit des Papstes und dem Erscheinen Alba's mit einem starken Heere. Noch unglückli-cher führte H. seine Sache an den niederländ.Grenzen. Hier hatte Philipp II. von Spanien,mit Hülfe seiner Gemahlin, der Königin Maria von England, ein Heer von 60000 M.aufgestellt, das unter dem Befehle Emanuel Philibert's von Savoyen Saint-Quenlin inder Picardie belagerte. Der Connetable Montmorency, der mit 28000 Franzosen zumEntsatz herbeieilte, wurde am 10. Aug. 1557 gänzlich geschlagen und gerieth mit derBlüte des franz. Adels in span. Gefangenschaft. Der König, durch dieses große Unglückaußer Fassung gebracht, rief den Herzog von Guise herbei und übertrug ihm die Statthal-terschaft über has ganze Königreich. Dieser entriß nun am 8. Jan. 1558 nach achttägigerBelagerung den Engländern das schwach besetzte Calais, das 210 Jahre in deren Händengewesen, und eroberte die Festung Thionville, während Termes Dünkirchen verheerte. AusHaß gegen den Herzog von Guise verband sich jedoch die Herzogin von Valentinois mitMontmorency, und beide beredeten den König zum Frieden, der nach langen Unterhand-lungen am 3. Apr. 1559 zwischen Frankreich, Spanien und England zu Chateau-Cam-bresis geschlossen wurde. H. bewilligte für die Rückgabe von Ham, Saint-Quentin,Castelet und die Freilassung de§ Connetable das eroberte Piemont und überhaupt 198feste Plätze. Ein geheimer Artikel dieses schimpflichen Friedens verpflichtete auch den Kö-nig zur Ausrottung der Ketzerei, die nun mit erneuerter Wuth begann. Mitten unter denGreueln wurde zur Befestigung des Friedens die Vermählung von H 's ältester Tochter,Elisabeth, mit Philipp II- von Spanien vollzogen. H. hatte bei dieser Feier ein dreitägigesTurnier nach alter Weise angeordnet, wobei er in Person in den Schranken erschien. AmAbend des zweiten Tags zwang er noch den Grafen Montgomery, den berühmtesten Tur-C onv.'Lex. Neunte Aufl. VII. 2