12 Heinrich IV. (röm.-deutscher Kaiser)
auf einer Synode zu Erfurt mit Gewalt die Bewilligung des thüring. Zehnten an den Erz-bischof von Mainz durch. Da nun H. überdies unter dem Vorgehen eines Feldzugs nachPolen ein großes Heer sammelte, so traten die sächs. Großen, hierdurch besorgt gemacht, unterOtto von Nordheim schnell zu einem Bunde zusammen, zogen mit 60000 M. gegen Goslarheran und belagerten H. in der Harzburg. Zwar wurde er aus derselben von Bertholdvon Zähringen auf Schleifwegen durch die Flucht gerettet, aber die Anschließung der Thü-ringer an die Sachsen, die Befreiung des Herzogs Magnus und die Weigerung derHülfs-leistung Seitens der oberdeutschen Fürsten zwangen ihn endlich, besonders als das gegendie Empörer neugesammelte Heer zu kämpfen sich weigerte, den demüthigenden Friedenzu Goslar im I. >074 einzugehen, nach welchem über Otto's von Nordheim Anrecht aufBaiern binnen Jahresfrist durch ein Fürstengericht entschieden und sämmtliche Zwingburgenin Sachsen sogleich gebrochen werden sollten. Allein die gottlose Art, wie das gemeine Volkaußer der Harzburg auch die dort befindliche Kirche zerstörte und die Grabdenkmale sowiedie Gebeine der dort begrabenen Verwandten des Königs beschimpft hatte, veranlaßte H.,sich mit schweren Klagen an den Papst zu wenden, der diese Gelegenheit, in die deutschenAngelegenheiten sich zu mischen, gern ergriff und Bevollmächtigte zur Untersuchung dersächs. Streitsache sendete, zugleich aber auch an den Kaiser ein Verbot des zeither wider-rechtlich getriebenen Handels'mit den geistlichen Ämtern ergehen ließ. Ehe jedoch dieseBotschaft anlangte, hatte H. sich schon selbst aufs neue gegen die Sachsen gerüstet. Mitstarker Kriegsmacht zog er gegen sie heran, lieferte ihnen am 13. Juni 1075 die Schlachtbei Hohenburg an der Unstrut, wiederholte diesen Heerszug im Oct. noch einmal, brachtesie nebst den Thüringern zu völliger Unterwerfung, ließ ihre Fürsten gefangen nehmenund alle zerstörte Burgen wiederaufbauen. Inzwischen halten H.'s Räthe den Verkaufder geistlichen Pfründen unter seinem Schutze unbekümmert fortgetrieben. Da H. trotzder päpstlichen Anmahnungen sie nicht strafte, auch die durch Kauf in Besitz ihrer Wür-den gekommenen Bischöfe nicht aus seiner Nähe entließ, vielmehr dem Papste, der ihnzur Verthcidigung wegen der gegen ihn erhobenen Anklagen nach Rom foderte, mit Ab-setzung durch eine Versammlung deutscher Bischöfe und Äbte zu Worms am 24. Juni1076 antwortete, so sprach Gregor Vll. (s. d.) den Bann über ihn aus, entsetzte ihn derNeichsverwaltung und entband die Unterthanen des Gehorsams gegen ihn. Anfangsspottete H. des päpstlichen Gewaltspruchs; als aber die süddeutschen Fürsten allmälig vonihm absielen, sich mit den misvergnügten Sachsen verbanden, die ihnen zur Verwahrungübergebenen gefangenen Fürsten freiließen und die gebannten Bischöfe beim Papste Verzei-hung suchten und fanden, als zuletzt gar ein Reichstag zuTribur 1076 ihm die Verwaltungdes Reichs absprach und ihm die Bedingung stellte, binnen Jahresfrist sich des Banns zuentledigen, wenn er nicht der Krone verlustig gehen wollte, da eilte er mitten im strengenWinter, unter unsäglichen Mühseligkeiten, nur von seiner treuen Gemahlip und seinemSohne begleitet, über die Alpen nach Italien, traf den Papstim Schlosse Canossa (s.d.)bei der Markgräfin Mathilde und erlangte durch Fürsprache derselben endlich, daß er sichzur Buße stellen durfte. Drei Tage mußte nun H. im Schloßhofe von Canossa (25. — 28.Jan. 1077) bei großer Kälte, baarfuß, im härenen Gewände büßend stehen, che er vomBanne losgesprochen wurde.
Doch dieses übermüthige Benutzen erlangter Vortheile von Seiten des Papstes brachteeine entgegengesetzte Wirkung hervor. Die ital. Großen, längst mit Gregor VII. unzufrie-den, boten H. ihren Beistand an. Da die deutschen Fürsten unterdeß, durch ein päpstlichesSchreiben von ihres Königs tiefer Erniedrigung unterrichtet, mit Hülse der päpstlichen Le-gaten zu Forchheim 1077 den Herzog Rudolf von Schwaben (s. d.) zum Könige ge-wählt hatten, kehrte H. nach Deutschland zurück, wo er schnell ein großes Heer, besondersdurch Beihülfe der ihm treu ergebenen Städte sammelte. Da er aber nach den Erfolgender Schlachten bei Melrichstadt > 078 und bei Fladenheim 1080 schon unterliegen zu müs-sen schien, so wurde er von Gregor VII. aufs neue mit dem Kirchcnbanne belegt und derKrone für verlustig erklärt. Dagegen ließ nun H. durch eine Versammlung von Bischö-fen, die wegen der gewaltsamen Einführung des Cölibats dem Papste zürnten, zu BrixenGregor VII. absetzen und an seiner Statt den Erzbischof Guibcrt von Ravenna unter dem