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7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
11
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II

Heinrich IV. (röm,-deutscher Kaiser)

Einfluß «erstattete, sahen andere, unter ihnen besonders Erzbischof Hanno von Köln, sichdadurch zurückgesetzt und gekränkt und faßten den Entschluß, der Person des jungen Königsund somit der Reichsverwaltung sich selbst zu bemächtigen. Man lockte H. auf ein Rhein-schiff und entführte ihn 106 2 nach Köln, und Hanno empfing nunmehr mit dem Besitze desKönigs auch die Zügel des Reichs in^seinc Hand. Von diesem Augenblicke an verbreitetesich Verwirrung und Gewaltthat über Deutschland, und Alles ging aus den Fugen der Ord-nung und gesetzlichen Verfassung. Hanno aber erregte bald durch Eigennutz, Herrschsuchtund gewissenlose Verschwendung der Reichsgüter sich eine solche Menge Neider und Wider-sacher, daß er, um seine Stellung zu behaupten, sich genöthigt sah, den ErzbischofAdalbertvon Bremen an derRegierung und der Erziehung H.'s Theil nehmen zu lassen. Für H. je-doch war dadurch nichts gewonnen. Denn wenn Hanno's Erziehung durch ihre zu großeHärte und Strenge auf den Charakter des jungen, schon verzogenen H. nacktheilig gewirkthatte, so äußerte Adalbert s übermäßig milde und nachsichtsvolle Behandlung, die den erwa-chenden Leidenschaften und Launen des Zöglings sich schmeichlerisch anbeguemte, noch nach-teiligere Folgen. Bald nämlich schloßH. mit voller und alleiniger Zuneigung sich an Adal-bert an, der seinerseits diese Anhänglichkeit benutzte, dem jungen Könige seine Grundsätze überdie unumschränkte Gewaltfülle des Throns, seinen Haß gegen die sächs. Fürsten einzupflan-zcn und sich selbst die oberste Verwaltung des Staats in die Hände zu spielen. Zur Errei-chung besonders des letztem Zwecks, ließ Adalbert den 14jährigen H. nach der Rückkehrvon seinem ersten Feldzuge gegen die Ungarn, wohin er ihn selbst begleitet hatte, 1065 zuWorms in feierlicher Fürstenversammlung für mündig erklären und regierte nun für den-selben. Bald aber wurden die übrigen Fürsten der Willkürlichkelten und Bedrückungendes Erzbischofs müde, beriefen eine Versammlung eigenmächtig nach Tribur und setz-ten es durch, daß H. von Adalbert sich trennen und die Reichsverwaltung Hanno üherlas-sen mußte. Während dieser nun die Angelegenheiten des Reichs wieder zu ordnen suchte,gab der König, unbekümmert um die Regierung, sich wie früher willenlos einem wüsten,schwelgerischen Leben hin, in Folge dessen er endlich in eine schwere Krankheit fiel, von derer nur langsam genas. Um ihn von neuen Ausschweifungen zurückzuhalten, vermochteihn Hanno, die längst demselben verlobte Bertha, Tochter des ital. Markgrafen von Susa,zu heirathen. Kaum aber war die Vermählung zu Tribur erfolgt, als H. sich von seinerGemahlin, die er nicht liebte, entfernte, einzig mit dem Gedanken beschäftigt, derselben sichwieder zu entledigen. In dieser Absicht wendete er sich an den Erzbischof Siegfried vonMain; mit dem Versprechen, die Thüringer zu der gewünschten Leistung des Zehnten anihn zu zwingen, wenn der Erzbischof seine Ehescheidung durchsetzen wolle. Aber der Ein-spruch des Papstes, dem die Fürsten auf dem Reichstage zu Worms unerwartet beitraten,hinderte den Plan, und unter Gefahr und Zwang mußte H. sich fügen. Zwar sah er seit-dem lange Zeit die Königin nicht, später aber vereinigte er sich mit ihr wieder und behan-delte sie, nachdem sie ihm 1071 einen Sohn geboren, fortan mit Zärtlichkeit und Liebe.Unterdeß war Herzog Otto von Baiern durch einen gewissen Egino eines Mordanschlagsgegen den König angeklagt, vor cknen Fürstcntag nach Mainz vorgeladcn und verurtheiltworden, seine Unschuld im Zweikampfe gegen den Ankläger darzuthun. Da er aber beidem zu Goslar anberaumten Gottesgerichte, aus Furcht vorVerrath, nicht erschien, sonderndie Waffen ergriff, wurde er seines Herzogthums für verlustig erklärt und dasselbe seinemtreulosen und habsüchtigen Schwiegersöhne Welf gegeben. Seine Güter und Besitzungenwurden nun verwüstet, bis er endlich im Juni 1071 sich mit seinem Verbündeten, dem Her-zoge Magnus von Sachsen, dem Könige unterwarf. Auch dem Herzoge Berthold vonZähringen wurde aus den Verdacht aufrührerischer Gesinnung sein Herzogthum Kärntengenommen, und Rudolf von Schwaben, ebenfalls geheimer Umtriebe angeklagt, entgingdem gleichen Schicksale nur durch Fürsprache seiner Schwiegermutter, der Kaiserin Agnes.

Nach einiger Zeit wurde nun zwar Otto vom Könige freigelasscn, Magnus aber aufAdaldert's Rath, der wieder Einfluß am Hofe gewonnen hatte, von seinem Herzogthumefern, auf der Harzburg gefangen gehalten. Zugleich ließ der König, um seine Herrschaft inSachsen ferner zu sichern, durch das ganze Land feste Schlösser anlegen mit zahlreichenBesatzungen, die ihren Unterhalt aus den benachbarten Dörfern raubten; auch setzte er