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Heine
gefährlich machen. Die Leichenöffnungen weisen einen bedeutenden Unterschied de» Heim-wehs von andern Arten der Melancholie und Monomanie nach. Auch die Thiere sind demHeimweh unterworfen; besonders hat man es an ausgeführten Schweizerkühen beobach-tet, welche bei der Melodie des Kuhreihens wild und rasend wurden. Vgl. Zangerl, „Überdas Heimweh" (Wien >821).
Heine (Heinr.), bekannt als Dichter, Humorist und witziger Prosaist, gcb. in Düs-scldorf am >3. Dec. 1799 von jüd. Altern, studirte in Bonn, Berlin und Güttingen dieRechte und erlangte an letzterm Orte die juristische Doktorwürde. Hierauf lebte er abwech-selnd in Hamburg, Berlin und München, bis er, durch den Wirbel der durch die franz.Julirevolution erregten Hoffnungen fortgerissen, seit >830 Paris zu seinem bleibenden Auf-enthaltsorte wählte. In die christliche Kirche wurde er am 28. Juni 1825 ausgenommen.Übrigens bietet sein Leben keine hervorstechenden Momente, außer daß er der Kategoriedes literarischen Jungen Deutschlands (s. d.) beigesellt wurde. Seinen Aufenthaltin Paris unterbrach er durch mancherlei Ausflüge, zuletzt im I. 1833 durch eine Reisenach Hamburg. Wenn auch seine „Gedichte" (Berl. 1822) und seine im folgenden Jahreerschienenen Tragödien „Almansor" und „Radcliff", sowie das „Lyrische Intermezzo" ohnegroßes Aufsehen vorübcrgingen, obschon besonders das letztere einen kleinen Krcis von Freun-den der Poesie auf das Talent des Verfassers aufmerksam machte, so zog er um so mehrdurch die beiden ersten Bande der „Neisebilder" (Hamb. 1826—27), die später noch durchzwei neue Bände vermehrt wurden (Hamb. 1836—31; zusammen 3 Bde., 2. Aufl.,1836—33) die Blicke des Publicums auf sich, indem er namentlich auf die jüngcrn Ge-müther enthusiastisch wirkte. Vorzugsweise gefielen seine zum Theil sehr originellen Lie-der, welche er in seinem „Buch der Lieder" (Hamb. 1827; 5. Aufl., >833) gesammeltverausgab. Hierauf folgten die kleinere Schrift „Kahldorf über den Adel, in Briefen anden Grafen M. von Moltke" (Hamb. >831); die „Beiträge zur Geschichte der neuernschönen Literatur in Deutschland" (2 Bde., Hamb. 1833); „Franz. Zustände" (Hamb.1833), eigentlich nur eine Sammlung seiner aus Paris für die augsburger „AllgemeineZeitung" geschriebenen Aufsätze; „Der Salon" (3 Bde., Hamb. 1835—36); „Die ro-mantische Schule" (Hamb. 1836); „Shakspeare's Mädchen und Frauen mit Erläuterun-gen" (Par. und Lpz. >836); „Über Börne" (Hamb. 1836) und endlich seine „NeuenGedichte" (Hamb. 1833). H.'s Talent kann man unzweifelhaft ein sehr bedeutendes nen-nen; glücklich als raisonnirender Prosaist, erscheint er noch glücklicher als lyrischer Dich-ter, indem er bald die zartesten Saiten anschlägt, bald sie in ironisch schneidenden Dissonan-zen, bald in witziger Lust klingen läßt. Mit Menzel (s. d.) und Börne (s. d.) gehört erzu Denen, welche, ohne die große weltgeschichtliche Katastrophe vom I. 1836 zu ahnen,unbewußt die Gemüther in Deutschland für den Eindruck der Julirevolution stimmten undempfänglich machten. Man war des trockenen Tons satt, welcher längere Zeit in der deut-schen Literatur geherrscht hatte; daher der ungeheuere Enthusiasmus, welchen H.'s Sta-chellicder, sein pietätloser Witz und seine nichtsschonende Satire erregten. Mit dem I.1830 hatte seine Mission eigentlich ein Ende; er wiederholte sich; er war den Ideen derneuen Zeit nicht gewachsen, weil es ihm an Ehrlichkeit der Gesinnung und Festigkeit desCharakters fehlte. Man kann sagen, daß er jetzt mit allen Parteien sein Spiel treibt unddas Höchste, Edelste und Heiligste häufig als, einen Gegenstand betrachtet, um seinen Witzdaran zu üben, der sich in seinem Buche „Über Börne" und in seinen „Neuen Liedern"oft bis zum Frivolen, Cynischen und Frechen steigert. Eine nur scheinbar sich selbst iro-nisirende Arroganz und ein bei den Deutschen beliebtes Schönthun mit Sentimentalitätund Gefühl sind nicht die geringsten Mängel des Dichters, dessen ganze Manier überhauptdie betrübendsten Folgen gehabt hat. Auch seine Manier in der Lyrik drohte bei seinen Nach-folgern alle feste rhythmische Gesetze aufzulösen, während bei H. selbst wenigstens einmusikalischer Wohllaut für die Flatterhaftigkeit in der Form Ersah leistet. Wie ungründ-lich H. zu Werke geht, zeigen unter Andern; seine von der „Kevue cke-, cleux m»n<l«.," fran;.mitgetheilten Aufsätze, worin er sich das Ansehen gab, die Franzosen in die Geheimnisseder deutschen Philosophie einführen zu wollen. Von seinen prosaischen Aufsätzen dürftevielleicht keiner, von seinen oft höchst witzigen und treffenden Spottgedichten eine große uni