Zarathustra und die Lehren des Avesta. 219
reschglosse zu Vd. V. 33 bestimmt. Es ist Zrväna das Schicksal(breh, } ,Die Angelegenheiten der Welt, heisst es (cf. Pärsi-
gr. p. 166) gehen alle durch das Schicksal, Verhängniss und dengewöhnlichen Lauf vor sich, welches ist die Zeit, die Herr-scherin der langen Periode.“ Nach der oben angeführtenGlosse erhalten die Menschen Frauen, Kinder das Vermögen undHerrschaft durch das Schicksal, das übrige durch ihre Thaten. EinGut, das einem Menschen nicht vom Schicksale zugelheilt ist, daserhält er auch nicht, was ihm zugetheilt ist, das erhält er durchFleiss. Gegen dieses Schicksal anzukämpfen ist natürlich fruchtlos.Es wird im Minökhired (p. 241 fg.) ausdrücklich gesagt, es sei ver-geblich, gegen dasselbe ankämpfen zu wollen. Diese Stellung desZrväna stimmt nun auch zu den abendländischen Berichten. Aga-thias in der oben angeführten Stelle sagt, die Perser hätten den Belals Schicksalsgott verehrt, wir haben schon früher (Bd. I 1. c.) denZrväna mit dem Bel der Babylonier identificirt. So sagt auch Theo-dor von Mopsvesla: . ... t 6 (.aaqbv ziZv üeqoiov doy/.ta B Zaqcc-dqg eigr;yr]Garo rycoi tceoI tov Zaqova/.i, dv aqyrjybv navzojvelgaysi, ov xal zvyrjv xalet. Die Bedeutung des Zrväna wird hier-nach wol keinem weiteren Zweifel mehr unterworfen sein.
Man könnte nun aus diesem Allen schliessen wollen, der Schick-salsgott habe bei den Parsen eine ähnliche Stellung gehabt wie beiandern Völkern des Alterthums, es gebühre ihm mithin der obersteRang und die übrigen göttlichen Wesen seien ihm dienstbar. Diesist jedoch nicht der Fall: nach der gewöhnlichen Ansicht der Parsensteht das Schicksal unter dem Ahura-Mazda und seinen Amesha-(jpeiita’s, diese können in die Geschicke der Welt eingreifen, wannuud wie sie wollen, aber sie thun es gar nicht oder doch selten.Ahura-Mazda kann es gar nicht wollen, vermöge seiner Wahrhaftig-keit, er ist daran durch den Vertrag gehindert, den er mit Agra-mainyus geschlossen hat. Darum wird er auch im Minökhired als daslangmiithigste der Wesen gepriesen, da er während der 9000 Jahredie irdischen Verhältnisse und Ungerechtigkeit des Agra-mainyusansehe ohne einzugreifen. An einer andern Stelle (p. 210 der pariserIldsch.) wird geradezu gesagt, dass man sich Gnadengaben von denYazata’s erbitten könne. Es wird unterschieden zwischen Bakht undBaghö-bakht. ,,Bakht, heisst es, ist das was vom Anfänge an zu-getheilt ist, Baghö-bakht, das, was ausserdem gewährt wird.“ Aberdie Yazata’s gewähren nur selten solche Gaben, weil Ahriman und
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