. Zarathustra und die Lehren des Avesta. 217
semitische Gottheiten verehrt. Dazu stimmt denn auch noch dieAussage der zweiten Stelle, dass die Nabalhäer behaupten, früherdas eränische Land besessen zu haben. Da Agathias den Berosusund verschiedene andere Geschichtschreiber des Alterlhuins lur seineBehauptung citirt, so dürfen wir dieser Ansicht eine gewisse Ver-breitung zuschreiben. Damit ist nun freilich noch nicht gesagt, dasssie auch eine begründete sei, mir scheint es vielmehr, dass dieselbeerst dann aufgetaucht sei, als bereits die semitischen Religionenin historischen Zeiten einzelne Göttergestalten den Eräniern ge-borgt hatten. Welche Gottheiten dies gewesen seien, können wirzum Theile noch aus dem Avesta erkennen. Ich habe bereits früher(Bd. I p. 270 flg.) die Ansicht ausgesprochen, dass es namentlichder Schicksalsgott Zrväna und der mit ihm verbundene Gestirncultusgewesen sei, den wir als ein.Erzeugnis der westlichen Länder an-zusehen haben. Was dort mehr nur andeutungsweise ausgesprochenwerden konnte, ist mir durch fortgesetzte Studien und durch Docu-mente, die ich damals noch nicht kannte, zur Gewissheit geworden.Ich halte es um so mehr für nöthig, hier näher über diesen Kreisvon Gottheiten zu reden, als namentlich Zrväna-akarana, eine derwichtigsten, aber bis jetzt in seiner Stellung unklarsten Gestaltendes eränischen Götterwesens ist.
Wef von den Urkunden des Avesta selbst Einsicht nimmt, derwird nicht leugnen können, dass Zrväna-akarana keine sehr hervor-ragende Rolle im eränischen CulLus haben könne. Es beschränken sichdie Erwähnungen desselben auf einige wrnnige Stellen w'ie Vd. XIX.44. u. s. w. Am wichtigsten scheint mir, dass er bei der ganzenOplercereinonie, zu der alle möglichen Gottheiten und Genien her-beigernfen werden, gar keine Stelle hat. Es muss also diese Gott-heit entweder über oder unter den Gottheiten des Avesta stehen undes fragt sich also, welche Stellung dem Zrväna eigentlich gebühre?Hierüber sind nun wenigstens die neueren Bücher vollkommen klar,es lassen-sich in ihnen zweierlei Ansichten unterscheiden. Als diegewöhnlichere müssen wir diejenige hervorheben, w'elche sich na-mentlich im Mipökhired ausgesprochen findet. Es ist schon in Bd. Ip. 271 gesagt worden, dass die Parsen den Zrväna als einen dop-pelten-bezeichnen: Zrväna akarana (zamän-i-akanära in späterenSchriften) und Zrväna daregho qadhäla (cf. Siroza II 21. d. i.zamän-i-diräng-(jadhäi bei den Spätem). Von diesen bedeutetZrväna- akarana die Zeit in ihrer anfangs- und endlosen Unendlich-