214
Zarathustra und die Lehren des Avesta.
früh als zu spät sein. Zarathustra aber war gewiss viel älter als dieAchämeuiden und wenn seine Lehren viele Jahrhunderte der münd-lichen Ueberlieferung anheim gegeben waren, so lässt sich denken,dass sie vielfach verändert und interpolirt worden sind. Zudem sinddie Schriften des Avesta in zwei verschiedenen Dialecten geschrie-ben und man könnte wol blos annehmen, dass Zarathustra nur derVerfasser der Stücke im zweiten Theile des Yagna sei. Aber auchdies scheint mir problematisch und öbwol diese Stücke gewiss ältersind als die übrigen Theile des Avesta, so scheinen sie mir dochdurch keinen zu grossen Zeitraum von ihnen getrennt zu sein.
Es ist mir mithin unwahrscheinlieh, dass das Avesta in der Thatein so hohes Alter haben solle wie man gewöhnlich ihm beizulegengeneigt ist. Dagegen lässt sich nicht leugnen, dass der Inhalt desAvesta der Hauptsache nach ein rein eränischer ist und die Grund-anschauungen dieses Buches für die des alten Erän gelten können.Der höchste Gott ist Ahura-mazdäo wie Auramazdä in den Keil-inschriften. Mit besonderer Emphase betont Darius immer den Aura-mazda als seinen Beschützer, während ,,die übrigen Götter, die nochsind“ (aniyä bagäha tyaiy haiiti in der Inschr. von Behistän IV.§. 12) nur gelegentlich erwähnt werden. In der That scheint viel-leicht nur Ahura-mazda die allgemein verehrte Gottheit gewesen zusein, während die übrigen nur einzelnen Stämmen oder Clanen an-gehörten. So hat schon Rawlinson bemerkt, dass Darius immer dieGottheiten seines Clans neben Ahura-mazda erwähnt. So z. B.,,Auramazda möge mir Beistand bringen sammt den Göttern desClans“ (H. 13. manä Auramazdä upacjläm baratuw hada vithibisbagaibis). Auch die Griechen kennen noch die Eintheilung in -&eoinctTQtyOL und d-sol ßaotleioi bei den Persern (cf. Plutarch de fort.Alex. 1. II). Aber schon unter Xerxes wird der Ausdruck vithibisweggelassen und nur von Göttern überhaupt gesprochen, es scheint,dass man anling die Verehrung der Götter des königlichen Clansauch in weiteren Kreisen zu verlangen. Auf den noch späteren In-schriften von Artaxerxes II. und III. erscheinen auch die dem Avestawohlbekannten Gottheiten Anähita und Mithra namentlich angeführt.Wie die Götternamen Auramazda, Anähita und Mithra sowol demAvesta als den Keiliuschriften angehören, so ist auch der allgemeineAusdruck, den die Inschriften für Gottheit gebrauchen: baga in dembagha des Avesta leicht wieder zu erkennen. Von Interesse würdees sein, zu erfahren, ob damals, zur Zeit des Darius, auch der dua-