Zarathustra und die Lehren des Avesta. 211
didad schliessen wollen, aber, wie ich überzeugt bin, ohne Grund.Es hat sich diese Ansicht vornehmlich durch die Annahme Geltungverschafft, dass in diesem Capitel die Geschichte der Einwanderungder Eränier in ihr heutiges Vaterland enthalten sei und man hat daunfolgerichtig weiter geschlossen, dass aus der Nichterwähnung jenerLänder hervorgehe, dass diese damals noch nicht von eränischenStämmen besetzt gewesen seien. Nun ist aber, wie wir bereits ge-sehen haben, diese Ansicht keineswegs schon erwiesen und es lassensich auch andere Gründe für diese Nichterwähnung denken, wiez. B. dass damals, als das Avesta niedergeschrieben wurde, Ost- undWesterän in zwei Reiche gespalten gewesen sei; dieser Zeitpunktkönnte selbst in die spätere, nachachämenidische Zeit fallen. Fürdiese Ansicht scheint mir die Stelle Yf. XIX. 50 11g. zu sprechen,wo, nach meiner Ueberselzung wenigstens, deutlich von zwei Rei-chen die Rede ist. Es wird aber nöthig sein diese Stelle, wegenihrer Wichtigkeit für die Geschichte, gleich hier einer ausführliche-ren Besprechung zu unterwerfen, da auch noch eine andere Ueber-setzung derselben vorhanden ist, welche von meiner Fassung we-sentlich abweicht. Sie rührt von Haug her und lindet sich bei Bimsen(Aegypten’s Stellung in der Weltgeschichte V, 116) und lautet wiefolgt: „Was für Herren giebt es? den Herrn eines nmäna (grösseresHauswesen), den eines vi§ (Gemeinde), den eines zantu (Geschlecht,Stamm), den eines Landes, als fünften (Herrn) den Zarathustra.Unter denjenigen Ländern, welche von anderer als zarathustrischerReligion (sind), hat das zaralhustrische Ragha vier Herren etc.“Hr. Haug fährt fort: „Aus dieser Stelle ist deutlich ersichtlich, dassdie Bewohner von Ragha den Zarathustra nicht als ihr höchstes Ober-haupt anerkannten, wie diess bei den andern Eräniern (wohl denöstlichen und südlichen) der Fall war, sondern ihn geringer als deneigentlichen Landesherrn, nur höher als die Stammeshäupter setz-ten. Desswegen werden sie auch von anderem als dem zara-thustrischen Glauben d. i. von dem jetzigen Zendavesta spe-ciell von der Zendlehre vertretenen genannt. Sie galten also fürAbtrünnige, für eine Art von Schiiten. Dadurch wird auch das ahri-manische Uebel, Raghäs Zweifel am Hohem, erst verständ-lich.“ — Der Grund dieser totalen Abweichung ist die verschiedeneUeberselzung eines einzigen Wortes: rajöit, das Haug mit Glauben,ich mit Reich übersetze. Das Wort kommt meines Wissens sonstnicht mehr vor, durch Vergleichung von Stellen kann also nichts ge-
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