Druckschrift 
2 (1859) Vispered und Yaçna
Entstehung
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IX
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Vorrede.

IX

Ich habe aber nirgends gesagt, dass ich die Tradition über-setze, sondern nur mit steter Rücksicht auf die Tradition.Diese Rücksicht besteht aber darin, dass ich immer von dertraditionellen, als der historisch gegebenen Uebersetzungausging und sie nach allen Regeln der Philologie prüfte, obsie auch vor der Kritik bestehen könne. Nur wenn sie dieKritik wirklich bestand, habe ich sie zu der meinigen ge-macht, wo es nicht der Fall war, bin ich gewöhnlich abge-wichen. Es ist somit durchaus falsch, meine Uebersetzungals den verdeutschten Ausdruck der Tradition anzusehen,eine Prüfung dieser Tradition ist auch fernerhin nothvvendigund kann zu Resultaten führen, denn obwol ich in vielenFällen die Tradition berichtigt zu haben glaube, so kannich zuweilen doch auch bei meiner Kritik der traditionellenUebersetzung mich geirrt haben und mit Unrecht abgewichensein. Die Tradition als den Ausgangspunkt für eine neueUebersetzung zu nehmen, halte ich aber durchaus für-thig, wenn man mir zugiebt, dass es bei der Uebertragungdes Avesta als eines historischen Denkmals nicht blos dar-auf ankommt, irgend einen plausiblen Sinn in die Worte zulegen, sondern vielmehr den Sinn darin wieder aufzufin-den , den die alten Eränier hinein gelegt haben. Was ichbisher von den Resultaten anderer Methoden gesehen habe,hat nicht dazu gedient, mich in meiner Ueberzeugung wan-kend zu machen. Meiner Ansicht nach leistet die traditio-nelle Uebersetzung dieselben Dienste wie die Handschriftenzur Herstellung eines correcten Textes. Niemand wird einemHerausgeber das Recht bestreiten, von seinen Handschriftenabzuweichen und Conjecturen in den Text setzen zu kön-nen, aber Niemand wird geneigt sein, ihm die Vergleichungder Handschriften ganz zu erlassen oder die Uebereinslim-mung mit denselben für eine gleichgültige Sache ansehen.So hindert uns auch die Tradition mit unsern Conjecturen.

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