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2 (1895) 1847 - 1879
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160 Die I. Legislatur-Periode des deutschen Reichstags

Als ich dies meinen Wählern gegenüber verkündigte, ging der Sturm los,nnd als der Kanzler in einem Schreiben an mich die Wahrheit meiner Behaup-tungen bestätigte, flogen alle Minen ans, bis der päpstliche Staatssekretär in sehrdiplomatischer, aber wenig loyaler Weise sich selbst desavouirt hatte. Daß dieseund viele nachsolgende Vorgänge die Verhandlungen zwischen Bismarck und An-tonelli nicht förderten, versteht sich. Bismarck sagte mir kurz und scharf: „DieCentrumsmänner machen uns zu Italienern!" Eins der vielen „Verdienste" derFührer des Centrums um die Interessen der Katholiken ist es ganz unzweifelhaft,daß das Deutsche Reich zum Schutze der Souveränetät des Papstes nichts that."

Das oben erwähnte Schreiben Bismarck's an den Abgeordneten GrafenFrankenberg ä. ä. l 9. Juni 1871 lautet:

„Ew. Hochgeboren beehre ich mich auf die von Ihnen unter dem 12. d. M.an mich gerichtete gefällige Zuschrift zu erwidern, daß die von Ihnen an-geführte Thatsache einer Unterredung des Grafen Tausfkirchen mit demKardinal-Staatssekretär und einer von Letzterem dabei ausgesprochenen Miß-billigung des Vorgehens der s. g. Fraktion des Centrums begründet ist. DieseMißbilligung ist mir nicht unerwartet gewesen, da die Kundgebungen, welcheSr. Majestät dem Kaiser nach Herstellung des Deutschen Reichs von Sr.Heiligkeit dem Papste zugegangen waren, jederzeit den unzweideutigsten Aus-druck der Genugthuung und des Vertrauens enthalten hatten. Ich hatte des-halb gehofft, daß die Fraktion, welche sich im Reichstage unter dem Namendes Centrums bildete, in gleichem Sinne zunächst die Befestigung der neuenInstitutionen und die Pflege des inneren Friedens, auf dem sie beruht, sichzur Ausgabe stellen werde. Diese Voraussetzung traf nicht zu; der parlamentarischeEinfluß der Fraktion des Centrums siel, welches auch die Ansichten der Führerder letzteren sein mögen, thatsächlich in derselben Richtung ins Gewicht, wiedie parlamentarische Thätigkeit der Elemente, welche die von Sr. Heiligkeitdem Papste mit Sympathie begrüßte Herstellung des Deutschen Reichs prinzi-piell anfechten und negiren. Ich habe von dieser Wahrnehmung die Gesandt-schaft des Deutschen Reichs in Rom unterrichtet st, damit sie Gelegenheit habe,sich zu überzeugen, ob die Haltung dieser Partei, welche sich selbst als denspeziellen Vertheidiger des römischen Stuhles bezeichnet, den Intentionen Sr.Heiligkeit des Papstes entspreche. Der Kardinal-Staatssekretär hat dem GrafenTausfkirchen darüber keinen Zweifel gelassen, daß die Haltung der Parteian der höchsten geistlichen Stelle der katholischen Kirche nicht gebilligt werde.Den Wortlaut der Äußerungen Sr. Exc. bin ich nicht berechtigt ohne spezielleErlaubniß des Herrn Kardinals wiederzugeben; ich darf aber hinzufügen, daßÄußerungen von Vertretern anderer Mächte in Rom mir die Bestätigung geben,daß der Kardinal Antonelli in seiner gegen den Grafen Tausfkirchen

y Zn vergl. die Depeschen Bismarck's an den Geschäftsträger Grafen von Tanfflirchen inRom, cl. ä. 17. April 1871, 23. n. 30. ZINN 1871, veröffentlicht in der „Norddeutschen AllgemeinenZeitung" vom 27. März 1887, No. 145.