1870 — 1871 .
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von Thiers sprach, unterbrach er mich: „Ich kann ihn jeden Tag hier eintreffensehen. Er hat schon selbst angefragt von Florenz ans, ob er ins Hauptquartierkommen dürfe. Seine Mission an allen Höfen hat vollständig Fiasko gemacht,und es soll mir angenehm sein, ihn jetzt zu sehen. Ich mache Frieden mit dem,der uns die günstigsten Bedingungen und Garantien bietet. Sie müssen nunDupanlonp antworten, daß seine Jntermediation günstig ausgenommen sei, daßsein Freund hier erwartet werde, und in betreff Napoleons drücken sie sich vor-sichtig ans, sagen Sie: die Ansicht, welche Sie neulich Monseigneur gegenüberausgesprochen hätten, scheine dem Willen an maßgebender Stelle zu entsprechen.Fügen Sie dann noch eins bei: Wir unterhandeln mit Metz. Bazaine und seineArmee sind immer noch gut kaiserlich uud der Marschall will nur auf BefehlNapoleon's sich übergeben. Der Bischof soll nicht ignorieren, welche verschiedenenStrömungen in Frankreich herrschen und wie nötig darum der Friede mit demäußeren Feinde ist." Ich sprach die Hoffnung aus, Metz bald kapitulieren zusehen. „Zn acht Tagen, meine ich, können wir darauf rechnen," entgcgnete derKanzler, „die Unterhandlungen gehen langsam. Jetzt verlangt Bazaine noch mitArmee und Waffen nach Belgien übertreten zu dürfen, um sich dort kriegsgefangenzu geben. Diesem Spiel aber trauen wir nicht, wir bestehen auf den Bedingungenvon Sedan."
Ich wechselte infolgedessen drei Briefe mit Monseigneur Felix, die sich mitKrankenpflege, Genfer Konvention, Kriegskontribution und Friedcnsbedingungenbeschäftigten.
Der Schluß war der, daß am 3. November der Erzbischof so ziemlich allesznrückznziehen versuchte, was er früher angeboten hatte. Als ich diesen Briefdem Kanzler vorlas, lachte er und sagte: „Aha, die Armee Gambetta's nähertsich der Loire, da ist in Orleans der Wind umgeschlagen!"
Thiers war während dieser Verhandlungen in Versailles erschienen. Ichübergab ihm zwei Briefe seines Freundes Dupauloup, erzählte ihm die Unter-redung und die Vorschläge seines Freundes und lernte auf diese Weise denFriedensstifter und Regenerator Frankreichs kennen. Es traf sich seltsam, daßgerade ich zum Zwischenträger der ersten Friedensvorschläge wurde, auf derenBasis, nachdem die Loire-Armee und die andern Armeen Gambetta's besiegtwaren und Paris erschöpft war, das schwere Werk gelingen sollte." —
Am 30. November 1870, als Graf Frankeuberg eben von dem blutigenGefecht des VI. Korps bei Ville Juis abends nach Hause kam, ließ ihm Bis-marck sagen: er müsse in den Reichstag, um die Verträge mit den süddeutschenStaaten retten zu helfen. Frankenberg ging zu ihm hin, um sich zu orientieren.„Die Situation" — sagte der Kanzler — „ist ernst, wie Delbrück telegraphiert,ich glaube kaum mehr an die Annahme des Vertrags mit Bayern. Ich habezwar mehr erlangt als Bennigsen-Lasker gefordert hatten, als sie in Münchenwaren, um sich mit den dortigen Führern der Liberalen zu verständigen. Eigent-lich haben sie mir durch zu billige Bedingungen das Geschäft verdorben. Daswird sie aber jetzt gar nicht hindern zu behaupten — ich hätte zu wenig durch-