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2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
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109
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18681870

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Varzin, 19. Mai 1870.

Lieber Moritz!

Herzlichen Dank für Deinen Brief. Viel Politik vermag ich noch nichtzu leisten, meine Beine sind besser als mein Kopf. In politischen Verbrechenbin ich für ausgiebige Tötung, bei militärischem Einschreiten und Standrechtohne Rückfrage an den Monarchen, aber gegen posthume gerichtliche Hin-richtungen und Prozesse, von wegen der Eitelkeit und des falschen Märtyrer-thums in dieser modernen Welt. Ich bin alt genug und habe Geschichte undMenschen studiert, um mir ein Urtheil zu bilden über das, was ich für prak-tisch zu halten habe. Der König kennt diese meine Ansicht, und ich wünschte,daß er sie gut hieße. Er hat aber soviel persönliches Interesse zur Sache,daß ich mich nicht entschließen kann, eine Pression auf ihn zu üben; er weißauch das, und ich werde mich seinem Willen in dieser Frage unterordneu,aber bestrebt sein, ihn zu überreden, soviel ich es kann, ohne ihn zu ver-stimmen. Gelingt es mir nicht, so werde ich seine Meinung auch öffentlichvertreten. Ein Kompromiß, welches den wirklich ausgesührten Versuch mitdem Tode bedroht, wäre mir ganz genehm und würde proprio inotu meinBestreben sein, wenn es nicht unvermeidlich wäre, alle die kleinen Fürsten ingleicher Weise wie die wirklichen Monarchen zu behandeln. Ich halte dieganze Frage nicht sehr praktisch d. h. die Hochverrathsfrage; man trifft dieeigentliche nmtorig, xeooMs damit nicht, nur JrreuhauSkandidaten, wie Sand si,Tscheche, Sefeloge^), die dann auf dem Schafott zwei Jahre später ausNarren zu Märtyrern wurden. Erinnerst Du Dich, andere Hochverräther er-lebt zu haben als die beiden letztgenannten und etwa die Burschenschafter?Ich im Augenblick nicht, und doch steht da der Feind nicht. Es ist ein theo-retischer Streit.

Dein B.

Neben Blanckenbnrg zählte nach wie vor Hermann Wagenerch zu dendem Fürsten nahe stehenden Parlamentariern. Man war gewohnt und geneigt,in seinen Reden und Abstimmungen die Ansicht des Ministerpräsidenten zu lesen,

tarisches Regiment ein juristische Verantwortlichkeit des Bundeskanzlers re. verhöhntenihn alsGroßvezier" und gewannen mit einigen Stimmen die Schlacht. Die Freien (-Konser-vativen) und Altliberalen hielten treu mit uns zusammen. Folge: Sofortiges Znrück-ziehen des Gesetzes! Folge davon: also kein Anleheu kein Flottenbau oder Beschaffungder Gelder durch den Etat. Der Bruch der Freundschaft mit den Nationalen ist der segens-reichste Teil dieser Affaire. Ich dachte, sie wurden klüger sein wie meine Freunde aus demAbgeordnetenhause sind aber ebenso kurzsichtig, inkl. Miguel, Braun, Bennigsen! Na, wohlbekomme es!"

y Der Mörder Kotzebne's.

2) Bürgermeister von Storkow, verübte am 26. Juli 1844 einen Mordversuch auf FriedrichWilhelm IV.; demnächst in Spandau enthauptet.

3) Verletzte am 22. Mai 1850 denselben Herrscher durch einen Schuß in den Arm; handeltem Wahnsinn.

*) Vergl. oben S. 37.