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2 (1895) 1847 - 1879
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48 Die Indemnität nnd die Entwickelung in Preußen

Prinzips" auch im Innern zu verwerten, d. h. unter dem Vorwände, daß diepreußische Verfassung für die weiteren Aufgaben des vergrößerten Staates nichtzugeschnitten sei, dieselbe zu beseitigen und eine neue zu oktroyieret:, zu welcherHerr von Kleist-Retzow das Rezept ohne Zweifel in der Tasche trug'). In dersicheren Voraussicht, daß größere Kämpfe als die eben beendigten in mehr oder-minder naher Zukunft zu gewärtigen seien, erkannte Bismarck unschwer, daß einreaktionäres Regiment in Preußen der verhängnisvollste Fehler sein würde, zuwelchen! ein Staatsmann dem Könige in jenem Augenblicke raten konnte. Einvon Herrn von Kleist-Retzow getragenes Banner wäre schwerlich dasjenigegeworden, um welches Deutschland vertrauensvoll sich geschart hätte. Diepreußische Krone mußte weit heranstreten aus der Aera des Konflikts, sollten dieFrüchte so großer Anstrengung nicht vollständig verloren gehen. Im Munde dessiegreich heimkehrenden Königs klang das Wort:Indemnität und Versöhnung"unendlich verheißungsvoller und würdiger, als die von den Junkern erbeteneOktroyierung". Bismarck erwiderte der Deputation:Haben Sie die Einwilligungdes Kronprinzen?" Die Deputation verstand die Antwort und ließ die Angelegen-heit fallen.

Uber die nach 1866 neugeschaffene parlamentarische Lage, welche in derGründung der nationalliberalen Partei einen äußeren Ausdruck fand, geben diein Bd. I S. 337 (der 2. Auflage) mitgeteilten Uuruh'schen Erinnerungen einsprechendes Bild. Für den Ausgleich hat, sei es auch nur hinter den Kulissen,der Abgeordnete I)r. Werner Siemeusfl gewirkt, welcher seinen ganzen Einflußaufwandte, um die bisher grollenden Mitglieder der Fortschrittspartei zurBewilligung der Indemnität zu veranlassen fl.

In den Denkwürdigkeiten des Grasen von Roon findet sich auch dieJudemnitätssrage des Jahres 1866 berührt. Es heißt dort u. a.:Für Bis-marck's Zustimmung war es jedenfalls entscheidend, daß er die versöhnlichenAnschauungen seines Monarchen genau kannte, und er hielt daher an demJndemnitätsgesetze fest, obwohl viele seiner Anhänger und die Mehrzahl derKonservativen, im Lande sowohl wie in beiden Kammern, dringend abrieten undein solches Nachgeben für verderblich hielten. . . Es entsprach der Großmut desgroßmütigsten nnd gewissenhaftesten aller Könige, die je einen Thron geziert haben,diesen Schritt zu thnn."

Hierzu bemerkten dieHamburger Nachrichten" (21. Juni 1891) in einemaugenscheinlich von Friedrichsruh ans inspirierten Artikel:Die Annahme, daßKönig Wilhelm seinerseits Bedürfnis nach Erlangung der Indemnität gezeigt

')Aus der Wilhclmstraße". Erinnerungen eines Offiziösen, S. 288.fl vr. Werner, Siemens geboren den 16. Dezember 1817, fortschrittlicher Abgeordneter inden Jcihren 1862-1867.

fl Als Abgeordneter ist vr. Werner Siemens mit Bismarck nicht zusammengekommen,wohl aber hat er später einmal eine Audienz bei dem Reichskanzler erhalten, nm denselben fürdas Zustandekommen eines Reichspatentgesetzes zu gewinnen.