geschlossen war, festzuhalten und eine Umbildung der Verfassung des Zollvereinszu erstreben, damit das Veto der einzelnen wegfalle. Dabei solle eine„Vertretung der Bevölkerung" stattfinden, woraus „mit der Zeit, mit denJahren" — denn auf ein Mal lasse sich so etwas nicht erzwingen — einebedeutungsvolle politische Konsequenz hervorgehen könne. Die Souveränetät derFürsten komme dabei nicht allzu empfindlich in betracht, indem solche nur durchVerträge, die auf Kündigung ständen, beschränkt werde. Ob alsbald eine Gesamt-gesetzgebung für alle Vereinsstaaten in Handelsangelegenheiten und ähnlichenDingen erzielt werden könne, lasse er vorläufig dahin gestellt sein. — Sehr wichtigbei diesem Plane sei natürlich Kurhessen. (Das gab Anlaß, noch verschiedeneknrhessische Fragen zu besprechen, hinsichtlich deren Oetker Bismarck's Ansicht zuhören wünschte, und die hier übergangen werden können.)
Inzwischen waren schon mehrere Anmeldungen erfolgt, darunter Herr vonSydow u. a. Ich hatte mich bereits erhoben, aber Herr von Bismarck hielt michnoch zurück, er hatte augenscheinlich noch etwas auf dem Herzen, woraus er Wertlegte. Es werde mich doch interessieren, fuhr er fort, auch etwas über die innereFrage in Preußen zu vernehmen, was aber nicht für die Öffentlichkeit sei. Erhabe der Sache die jetzt vorliegende Richtung re. gegeben, um vorläufig einengewissen Abschluß zu erzielen. Die Stimmung sei auf allen Seiten eine solchegewesen, daß eine Verständigung jetzt unmöglich erscheine. Die Zeit werde helfen.Er denke nicht daran, den Konflikt zu schärfen .... er hege vielmehr die festeHoffnung, daß sich in wenigen Monaten ein Weg zur Ausgleichung werde er-öffnen lassen.
Als ich meinerseits auf eine Mittelzahl in betreff der drei- bezw. zweijährigenDienstzeit hinwies, entgegnete Bismarck lebhaft: „Das ist der Henkel, an demsich die Sache wird fassen lassen; es bedarf aber einiger Zeit" ....
Dann klagte Bismarck, daß so viel Verkehrtes in die Öffentlichkeit komme.So habe Frese seine Äußerungen vielfach entstellt veröffentlicht, namentlich auchden Zusammenhang gestört, in dem er von „Eisen und Blut" gesprochen habe;„Blut" sei gleich „Soldaten" gebraucht worden.
Ich schob hier ein, daß ich selbst ganz der Ansicht sei, daß wir ohne „Eisenund Blut", viel Blut sogar, nicht ans Ziel gelangen würden, was Bismarckwie in Gedanken versunken anhörte.
Dann fuhr er fort: er fei der junge Mensch nicht mehr, der sich 1848 „denBarrikaden gegenüber gestellt habe" .... Jedem hänge seine Erziehung an . . .Aber in Frankfurt seien ihm die Augen aufgegangen . . .
Übrigens habe er das Ministerium übernommen gerade um Extremes zuverhüten; die Herren von der Opposition irrten sich, wenn sie an ein liberalesMinisterium dächten, nach ihm würden^ vielmehr die Herren v. M. u. s. w.kommen und die Sache könne dann leicht mit „Karlsbader Beschlüssen" enden.
Ich schob abermals eine Bemerkung ein, etwa dahin, daß ich eine ähnlicheAuffassung gehegt habe und daß ich ihm keine Pläne „im Sinne der Kreuz-zeitung" zutrauen könne.