1862-1866
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instruieren. Georg von Vincke war an diesem Tage an launigen Einfällen undGlossen reicher als je. „Sie wollen sich gewiß noch einmal an der einsamenPappel schlagen," bemerkte ihm ein Kollege. Jetzt, wo Herr von Bismarck alsdesignierter Ministerpräsident nach Berlin gekommen war, ergoß sich der Spottdes Freiherrn in ähnlicher Weise. Er sprach von der „Feuer- und Eisenpolitik",die jetzt an's Ruder käme. So lautete ursprünglich das Programm des Herrnvon Bismarck, noch ehe er Minister wurde. „Blut und Eisen" ist erst späterdaraus geworden. Herr von Vincke sprach auch von dem „Napoleonsvergötterer",von dem „Renommisten", er bedauerte die Kollegen „des für sie zu genialenMinisters" und persiflierte die Kreuz- und Querzüge, die es jetzt in der auswärtigenPolitik geben würde ft. Die feudalistische Partei dagegen jubelte ihm auf derandern Seite zu, indem sie hoffte, daß jetzt die Zeit einer frischen, fröhlichenReaktion gekommen sei, täuschte sich damit indessen gleich stark wie die Liberalenmit ihren Befürchtungen und ihrer Geringschätzung des neuen Ministers ft. Wares auch ein Wunder? Hatte doch weder die eine noch die andre Partei auch nureine Ahnung von der Schule, die Bismarck seit seinem Austritt aus dem Parlamentim Bundestag durchgemacht hatte, und von seinen unvergleichlich klaren und lichtvollenFrankfurter Depeschen, die erst fünfundzwanzig Jahre später bekannt geworden sind.
Wer die Verhältnisse kennt, muß es Bismarck zugestehen, daß er mit derAbsicht, mit dem Abgeordnetenhanse in Feindschaft zu leben, nicht in das Amtals Minister getreten ist. Er hielt es nur für seine Pflicht, gegen das wachsendeÜbergewicht des Hauses der Abgeordneten und des parlamentarischen Beamten-tums die Schwerkraft der Krone zu wahren und zu stärken. „Ich halte — be-merkte er in einem Briefe an den sächsischen Minister von Beust vom 16. Oktober 1862— diese Aufgabe für lösbar, ohne mit positiven Bestimmungen der Verfassung zubrechen, und werde dabei bemüht sein, konstitutionelle Empfindlichkeiten soweit esmöglich zu schonen, und die unbestrittene Heeresstraße des Verfaffungslebens, so-bald es geht, wieder zu gewinnen, immer aber eingedenk sein, daß unserVersafsungseid die „Treue dem König" voranstellt ft."
Bismarck hielt es auch anfänglich für möglich, die feindlichen Parteiführerzu gewinnen, er verhandelte damals mit vielen; ob Liberale oder Fortschritts-leuteft, er appellierte an den preußischen Patriotismus in ihnen, sie mußten, wenn
ft Die „Berliner Allgemeine Zeitung", Vincke's Blatt, von Julian Schmidt redigiert undinfolgedessen doppelköpfig unfehlbare Staats Weisheit predigend, entwarf folgende Charakteristikvon ihm: „Als ein Landedelmann von müßiger politischer Bildung, dessen Einsichten undKenntnisse sich nicht über das erheben, was das Gemeingut aller Gebildeten ist, begann .er seineLaufbahn. Den Höhepunkt seines parlamentarischen Ruhmes erreichte er in der Revisionskammervon 1849 und im Unionsparlamente von 1850. Er trat in seinen Reden schroff und rücksichtslosans, nonchalant bis zur Frivolität, mitunter witzig bis zur Derbheit, aber wann hatte er einenpolitischen Gedanken geäußert?"
ft M. Busch, „Unser Reichskanzler" Bd. I, S. 189.
ft Beust, „Aus drei Jahrhunderten", Bd. I, S. 306.
ft 23. November 1862. Bismarck konferiert mit mehreren Mitgliedern der Fortschritts-partei über die Mittel, zu einem Ausgleich zu kommen. — Die in Bd. I dieses Werkes gegebenenPoschi chg er Fürst Bismarck u. die Parlamentarier. II. 2