Druckschrift 
Die Basler Galluspforte und andere romanische Bildwerke der Schweiz
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

Basler Münsterchor frei nachgebildet wurden, legen ihre unver-hohlene Freude über die Niederlage des einen Streiters an denTag, indem sie eine Art Siegestanz aufführen. Am deutlichstenist die Geste des Zuschauers ganz rechts, welcher die eine Handin die Hüfte stemmt und mit der andern auf den Boden deutet,auf welchen der Besiegte im nächsten Momente niedersinkenmuss. Etwas unverständlicher ist die Handhaltung des Linken,welche aber auch freudige Erregung zu bekunden scheint. DieKämpfergruppe ist gleichfalls voll wahren Lebens. Beide Duel-lanten berühren den Boden nur mit den Fussspitzen und lassendie Körper in den Knieen federn, wie man dies auf jedem Fecht-boden beobachten kann. Der Ausfall des Angreifers, das Zurück-weichen des tötlich Getroffenen sind von einer Natürlichkeit, diealle Anerkennung verdient.

Die zwei Zuschauer zur Linken gehören gleichfalls zur Partedes Siegers. Der eine greift in oben beschriebener, wenig ritter-licher Weise hinterlistig in den Kampf ein, der Andere jedochschmiegt sich, getreu dem Grundsätze, dassVorsicht der bessereTeil der Tapferkeit sei, ängstlich an seinen Vordermann undhält noch ein Schwert in Bereitschaft. Antlitz und Körperhaltunglassen Feigheit sowohl wie Schadenfreude trefflich zum Ausdruckekommen. Wir müssen unwillkürlich Teilnahme empfinden für denjugendlichen Besiegten, dem kein Kampfgenosse zur Seite steht,und dessen Ueberwindung wahrlich keine Heldenthat ist. Dieserklärt auch das Interesse, welches man bisher an seiner Persongenommen hat, und welches uns antrieb, Näheres über dieselbezu erforschen.

Der NameGuido auf dem Schwerte des Besiegten hat nunälteren Forschern einen Hinweis gegeben; man wollte eine ge-schichtliche Deutung des Vorganges ausfindig machen, und JohannHeinrich Schinz brachte im Jahre 1789 in FüsslinsSchweizer-ischem Museum die Erklärung, der Gemordete sei der HerzogGuido von Ivrea, welcher 965 am Po im Kampfe mit HerzogBurkhart von Allemannien, dem Vasallen Otto des Grossen, fiel. 1

Hiergegen spricht aber unendlich Vieles. Erstens sind histo-

1 Rahn, a. a. O. p. 7.