49
— 49 —
Vic-sur-Aisne (i* 1236) in seinem Gedichte: „Miracles de laVierge“ :
En leurs moustiers ne font pas faireSitost l’image Nostre DameCom font Isangrin et sa fameEn leur chambre, oü il reponnent.
Auch stilistisch gehören diese beiden letztbesprochenen Kapitelle indie Klasse jener, von denen Lübke sagt: „In Frankreich führteder Drang nach bildnerischer Thätigkeit zu der wunderlichenUnsitte, in Ermangelung anderer Stellen die Kapitelle der Säulenmit geschichtlichen Darstellungen zu überladen“. * 1
Auf den beiden letzten Kapitellen, dem ersten und zweitenlinks, wollte der Künstler die an der Galluspforte so hervorragendzur Darstellung gekommenen vier Evangelisten abbilden. Er thatdies, indem er ihre Gestalten mit den ihnen nach dem Text derApokalypse zugeteilten, symbolischen Figuren combinierte, wiedies in der Plastik, sowie auf den Erzeugnissen der kirchlichenKleinkunst und Buchmalerei des früheren Mittelalters häufig ge-schah. 2 So sitzen denn, in lange faltige Gewänder gehüllt, inden Händen das Evangelium haltend, die menschlichen Gestaltender vier Heiligen auf den Kapitellen, tragen aber auf den Schulternden Adlerkopf des Johannes, das in Ermangelung eines Modellszum Schweinskopf gewordene Löwenhaupt des Markus und so fort.Von Blattwerk umgeben thront Sanct Lukas auf dem erstenKapitelle für sich allein, während seine drei Genossen sich in denRaum des zweiten teilen müssen.
Das Relief in der Bogenfüllung über dem Eingänge zeigteine sehr figurenreiche Darstellung. In der Mitte sitzt der bartlose
Sit wart er unstaede.
Do beiz er schäf und swin:
Er jach daz es des pfaffen rüde taete.
Lachmann und Haupt. Des Minnesanges Frühling, p. 27 Vers 27— 33 ,Auf dem oben erwähnten Relief in Parma lesen wir die Worte :
Est monachus lupus factusHic sub dogmate tractus.
1 W. Lübke, Geschichte der Plastik p. 294.
2 Vergl. bei Cahier, Nouv. Melanges, 180 ff., den Artikel «Evange'-listes ä tetes d’animaux».