47
Eckblätter vegetabilischen Charakters, die Kapitelle sind mit figür-lichen Darstellungen bedeckt. Unter diesen Säulenknäufen findensich nun schon drei, welche uns von Basel aus bekannt sind.Da ist erstens derjenige mit den zusammengewachsenen Tierkör-pern, welche ihre vorderen Pranken auf ein menschliches Hauptstützen, sodann der mit den vier auf dem Schaftringe sitzendenAdlern. Beide sind ja keine seltenen Erscheinungen in der roma-nischen Kunst, aber die Art, wie sie hier verwendet sind, fälltdoch auf. An der Galluspforte kommt jedes Kapitell zweimal vor,das Adlerkapitell an den beiden mittleren, das mit den Löwenan den beiden innersten, sich gegenüberstehenden Säulen; hier istjedes einmal ausgeführt, Adler- und Löwenkapitell schmücken alsGegenstücke die beiden Säulen zunächst der Thüröffnung. Dazukommt, dass die Stilisierung der Tierkörper der Basler augen-scheinlich nachgebildet ist. Man vergleiche die schönen Liniender geschmeidigen Löwenkörper, die hohen, runden Brüste derVogelfiguren. Ein drittes Kapitell, das mit der fischschwänzigen,ihr Junges säugenden Sirene und ähnlichen männlichen Meerwesen,erinnert stark an ein verwandtes im Chorumgange des BaslerMünsters. Die hauptsächlich in Frankreich heimische Darstellungder Sirene ist schon so vielfach Gegenstand archäologischer undikonographischer Forschung gewesen, dass wir darauf verzichtenwollen, die von ihr handelnde Literatur noch zu vermehren . 1
Das folgende Kapitell, das erste rechts, zeigt eine launigeDarstellung aus der Tiersatire. Die Abbildung ist in zwei neben-einander stehende Scenen eingeteilt. Die erste schildert, wie ein
1 Wie in St. Ursanne ihr Junges säugend, kommt sie z. B. vor inSt. Etienne d’Auxerre, Lyon und Strassburg. Mit einem Fisch oderVogel in der Hand, bald auch ihre beiden Fischschwänze, einen Spiegeloder sonst irgend etwas haltend, finden wir sie in St. Aubin d’Angers(Kreuzgang), Krypta von St. Parize-le-Chätet, St. Gaudens (comte deComminges), St. Pierre de Poitiers, St. Germain des Pres in Paris,Kirche von Cunault u. s. w. In Deutschland und Italien ist sie gleichfallshäufig, in der Schweiz fehlt sie wohl auch an keinem romanischen Bau.— Ueber die Deutung und als einschlägige Literatur vergleiche man:Migne Patrologia Vol. CLXH S. 85o, Woltmann, Eisass 21 , Gold-schmidt, Albanipsalter p. 83, Carl Meyer, Basel, Der griechischeMythus in den Kunstwerken des Mittelalters, Repet. f. Kunstwissen-schaft XII. Band Heft 3, Cahier, Nouveaux Melanges archeol. I, pl. X,Piper, Mythologie der christlichen Kunst und zahllose andere Autoren.