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Das wundervolle Land mit seinen Bergen, Wäldern undSeen lag noch ziemlich unerschlossen da; was heute einen kräf-tigen Anziehungspunkt für Tausende genussfroher Wanderer bietet,wirkte zu jener Zeit eher hemmend und abschreckend. Mit einemWorte, es fehlte am Zuzug geschulter Kräfte, oder, wo solchevorhanden waren, wirkten sie in anderer Weise, in stiller Kloster-zelle beim Büchermalen oder sonstigen Hantierungen der Klein-kunst. Auch an Vorbildern fehlte es.
Die Kultur des römischen Weltreiches hat auf helvetischemBoden wohl nie so erhabene und prächtige Spuren hinterlassen,wie in den reichen und fruchtbaren Gefilden des Flachlandes, undwo dies doch der Fall war, waren sie schon wieder zum grossenTeile ein Opfer der Zeit und der Kriegsläufe geworden.
„Augst, was taugst?!“ lässt Scheffel den Salmenfischer amIsteiner Klotz in Hinblick auf die Vergänglichkeit jeglichen Menschen-werkes sagen, als der raschflutende Rheinstrom die Trümmer dermachtvollen Römercolonie Augusta Rauracorum an ihm vorbeiträgt.
Doch Jahrhunderte sind darob vergangen, das sich kräftigausbreitende Christentum erobert das trotzige Bergland, ein Gallus,Columban, Ursicinus und Lucius gründen Stätten frommen Glaubens.Auch diese schwinden wieder dahin. Teils fallen die Gebäudedem verheerenden Elemente zum Opfer, teils müssen sie neuen,stattlicheren, den Zeitverhältnissen und gesteigerten Bedürfnissenihrer Bewohner Rechnung tragenden Neubauten weichen.
Ueber die Mitte des XI. Jahrhunderts geht keins der erhaltenenDenkmäler zurück. Das älteste, die im prächtigen Waldthale amUfer des Nozon gelegene Abteikirche von Romainmotier, demalten, vom Cluniacenser-Abte Odilo erbauten Romanum Mona-sterium, war um 1049 noch im Bau begriffen. 1 Sie zeigt primi-tive Uranfänge plastischen Schmuckes, rohe, unregelmässige Zick-zacklinien, vegetabilische und figürliche Gebilde an Kapitellen undSchmiegen der Vorhalle und des Kircheninnern, denen gegenüber
1 Vgl. J. R. Rahn, Grandson und 2 Cluniacenserbauten. (Mitteil-ungen d. ant. Gesellschaft in Zürich, Bd. 17, p. 3 o. — W. Lübke,Deutsches Kunstblatt von 1854, Nr. 24, p. 21 3 . — J. R. Rahn, Ge-schichte der bildenden Künste in der Schweiz, I, 241.