Druckschrift 
3 (1790) Von Liq bis Sed
Entstehung
Seite
934
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VZ4

Schiv

Halbmesser beschreibt, mithin langsamer umschlagt, undmehr Zeit verstattet, die Basis unterzuschisbcn, und dasUmschlagen zu verhüten. Daher ist es sehr leicht, langeKörper, deren Schwerpunkt hoch steht, zu balancircn,z. V. einen Stock mit einer Blenkugel, eine Leiter miteinem oben aufsitzenden Kinde (s. Leupoid Hieatr. 8ta-ticuin I'ab.!!.), wozu fast nichts gehört, als Kühnheit,es zu versuchen. Dagegen wird das Balanciren leichterKörper, z. B. einer Pfauenfeder, für ein Kunststück gehal-ten. Leichte und kurze Körper, wie eine Stecknadel, zabalanciren, fällt unmöglich.

Seilcanzerkünste beruhen auf feinem und steten Ge-fühl vom Schwerpunkte seines eignen Körpers. Die Ba.lancirsiange, an den Enden mit Bley ausgegoffen, dient,den gemeinschaftlichen Schwerpunkt des Körpers und derStange nach Befinden auf die eine oder andere Seite zurückzu bringen, indem die Stange in den Händen verschobenoder in schiefe Richtungen gebracht wird. Diese Stangenerleichtern desto mehr, je schwerer und je länger sie sind.In Ermanglung der Stangen helfen sich die Seiltänzermit Ausstreckung der Arme, und überhaupt mit beständi-ger Bewegung.

Mau kann Körper so zufammenfügen und unterstü-tzen, daß sie der Gefahr, zu fallen, ausgesetzt scheinen,und dennoch dafür sicher sind. Dies geschieht z. B., wennein sehr leichter Körper mit einem sehr schweren so ver-Kunden wird, daß der gemeinschaftliche Schwerpunkt vonbeyden, bey aufrechter Stellung des Ganzen, niedrigerliegt, als der UncersiüHungöpunkt. Solche Körper stellensich durch ihr Gewicht so, daß der Schwerpunkt lochrechtunter den gestützten Grund kömmt, und stehen dann ruhig.So macht man kleine Seiltänzer von Holz, woran zweengebogne Drache mit Bleykugeln stecken. Der gemeinschaft-liche Schwerpunkt fällt in die freye Lust unter die Füße desMännchens, das sich also auf einem gespannten Bindfadenvon selbst aufrecht stellt und erhält. Eben so hat man höl-zerne Männchen mit langen Sägen, an deren Endesich eine schwere Kugel befindet. Setzt man die Füße, wel-