Wenn sie also dieses verachteten, so hätten sie einevorzügliche Ansicht, aus welcher sie das zum schönstenGenüsse erhoben, was ihnen die Tugend gewahrte. O!mein Sohn, glaubet einem Manne, der Alles in derWelt kennen lernte, was uns Freude geben kann. Ichschwöre Euch bei dem Himmel, welcher uns bedeckt,und bei der Erde, welche uns trägt, und Alles washeilig ist, soll mein Zeuge seyn, daß keine menschlicheFreude der gleich seyn kann, welche wir haben, wennwir zu uns selbst sagen können: Ich handelte, wie ichmußte; und das höchste Wesen lobt mich wegen meinesGehorsams. Dieser Gedanke zerstreut die Finsternißaller Trübsale, die uns drücke», und das Glück unseresLebens stören können.
Der Graf verstummte bei der Rede des Miseno,und Helena, um die Unterhaltung fortzuführen, sprach:Wohlan, Graf, ich will Eure ganze Sache übernehmenund vcrtheidigen, und Miseno soll sehen, was ichvieles anzuführen habe. Die Leidenschaft der Liebe ent-steht aus den Augen, und da diese das Vorzimmer desHerzens sind, so muß ich garade den Gegenstand vor-beikommen, welcher darin seinen Thron aufschlagenmuß. Die Tugend hat gewiß eine himmlische Schön-heit, aber da sie viel erhabener ist, und dem Auge ent-geht, so macht sie auf das menschliche Herz nicht denEindruck, wie eine irdische Schönheit, und auf dieseWeise kann unmöglich die Tugend über die Liebethriumphiren. Mögen immerhin die Augen, sagte
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