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2. Die Entwickelung des Königs auf taktischem Gebiet.
mochten. Er erkennt, daß dieses Mittel die Schlacht sein muß, und dahererhebt er sie zum Träger des Krieges. Allein die grundsätzliche Bevorzugungder Schlacht, des reinen Abmessens der Kräfte im Kriege, ist jederzeit nur danndas Richtige gewesen, wenn man des Erfolges in der Schlacht sicher zu sein glaubte.Auch in dieser Richtung ist der Gedankengang des Königs völlig einwandfrei.Er traut sich persönlich den Scharfblick und die Kraft zu, Schlachten richtig
anzusetzen, er ist von seinem Beruf zum Feldherrn überzeugt und durfte
es wohl sein. Mächtiger und bestimmender hat aber auf ihn die Ueber-
zeugung von der überlegenen Güte seines Heeres gewirkt. Ein Heer,
das Hohenfriedeberg und Soor hinter sich hatte, konnte gar nicht andersverwendet werden als zu rücksichtslosen Schlachten. Waren die Vorgängerund Zeitgenossen Friedrichs genöthigt, sich die „krobastilitüt der Victoria,"*)in jedem Feldzuge und für jede Schlacht besonders zu sichern, war für siedie Kriegführung sehr schwierig, weil Alles auf die gewandtere Hand-habung der Waffe ankam, stand die Entscheidung angesichts der äußerenGleichheit der Heere und Kriegsmittel allein bei den Gaben und demGlücke der Feldherren, so brachte sich Friedrich die „lN-odubikilütder Victoria," ein für alle Male von Hause aus in der überlegenen,schlachtenentscheidenden Tüchtigkeit seines Heeres mit. Am Vorabende desschwersten Krieges, den er gekämpft hat, sagt er: „8i l'oir vout laircka Zucrrs, ii kaut savoir si 1'ou cst supckricur a sou ouusiui, soitcu uowstrs, ou ou valcur iutriu8S<guc äcs troupss."**) Desinneren Werths seiner Truppen war er gewiß,***) und dies ist der letzte,eigentliche Grund, warum er mit solcher Leidenschaft zum Abmcssen derKräfte drängt. So konnte der große an der Antike gebildete König aufden Grundsatz der Feldherren des Alterthums zurückgreifen, man müssedann Schlachten suchen, wenn man an Zahl oder Tüchtigkeit derTruppen überlegen sei. Diese Auffassung, von den antiken Kriegsdenkernvertreten, von den Theoretikern der Reformationszeit wiederholt,ff) zerbröckelteseit zwei Jahrhunderten immer mehr, da es keinem Staate gelang, eininnerlich überlegenes Heer zu schaffen, und die Ueberlegenheit an Zahlunter den Verhältnissen der Zeit wenig entscheidend, auch schwer und theuerhcrzustelleu war. Die internationale Gleichheit der Kriegsmittel und Heerehatte ein Gleichgewicht im Kriege selbst erzeugt, in dem es mehr auf eingelegentliches Erhaschen des Sieges als auf ein Niederwerfen des Gegnersdurch einfache Gewalt ankam. Der Große König hatte ein Heer geerbt, dassich in seiner Wirksamkeit auf dem Schlachtfelde über alles Hergebrachteerhob, und so durfte er mit Recht auf jene Lehre des Vegez und Macchiavellzurückgreifen, daß eine tüchtige „Ordonnanz" das sicherste Mittel zu großen
Bergt. Seite 292.
**) 1'. s. Ii.
*'*) Bergt. S. 244f) Bergt. Anhang Nr. 13.